14. Juni 2020
Thüringen

Heftige Gewitter in Thüringen: Straßen und Keller überflutet, Demo abgesagt

Thüringen hat am Wochenende nicht nur den bisher heißesten Tag des Jahres erlebt, sondern auch Unwetter mit immensen Regenmengen. Vor allem im Nordwesten des Landes waren Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz. Auch mehrere Veranstaltungen fielen aus.

Heftige Unwetter haben in der Nabcht zu Sonntag in Thüringen Straßen überflutet, Keller unter Wasser gesetzt und Bäume umgeworfen. So verzeichnete allein die Leitstelle des Wartburgkreises am späten Samstagabend mehr als 80 Einsätze wegen Starkregens, bei denen aber niemand verletzt wurde. Eine ähnlich hohe Zahl wurde aus dem Eichsfeld gemeldet, wo die Leitstelle kurzfristig verstärkt werden musste. Bei einem Einsatz wurde dort ein Feuerwehrmann durch einen Stromschlag verletzt.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) gingen im Gebiet zwischen Eisenach und Leinefelde in der Nacht zu Sonntag punktuell mehr als 100 Liter pro Quadratmeter nieder. Bis in die Nacht zum Montag war mit weiterem Regen und Gewittern zu rechnen, mancherorts mit heftigem Starkregen. Am Montag sollte das Gewitterrisiko dann nachlassen, die Sonne lasse sich aber kaum blicken, hieß es.

In Mühlhausen blockierten Wasser und Schlamm etliche Straßen, wie die Stadtverwaltung informierte. So waren die Bundesstraße 247 zwischen Höngeda und Mühlhausen ebenso wie die Ortsdurchfahrt von Felchta gesperrt. Die Feuerwehr musste sich zudem um drei Kälbchen kümmern, die auf der Flucht vor Hochwasser durch die Innenstadt von Mühlhausen irrten. Sie konnten schließlich gestoppt und auf ein umzäuntes Grundstück getrieben werden, wie die Polizei berichtete. Von einem „stundenlangen Kampf gegen die Wassermassen“ sprach Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) und dankte den 200 Einsatzkräften.

In Not geraten waren auch eine Frau und ihre Tochter. Das Auto der Familie war laut Polizei in einer überfluteten Bahnunterführung in Mühlhausen stehen geblieben und begann mit Wasser vollzulaufen. Der Fahrer konnte den Wagen verlassen, die beiden Frauen mussten befreit werden. Die Tochter erlitt eine Panikattacke.

Dabei hatte das Wochenende für viele Thüringer vielversprechend mit reichlich Sonnenschein begonnen. Bis auf die Bergkuppen waren am Samstag vielerorts Temperaturen von 27 Grad und mehr gemessen worden, wie DWD-Meteorologe Peter Zedler sagte. Am heißesten sei es in Artern mit fast 33 Grad gewesen. „Das ist bisher Rekord in diesem Jahr.“

In der Nacht zu Sonntag hatte zeitweise für mehrere Landkreise in West- und Nordthüringen die höchste Unwetterwarnung der Stufe 4 gegolten.

Dem Unwetter fielen am Wochenende auch mehrere Veranstaltungen zum Opfer. So wurde die Kundgebung „#SoGehtSolidarisch“ zum bundesweiten Aktionstag abgesagt. Dazu waren in Erfurt mehrere Hundert Teilnehmer erwartet worden, die für eine solidarische und klimagerechte Gesellschaft eintreten und gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung protestieren wollten. Die Kundgebung wurde auf kommendes Wochenende verschoben.

Auch das Theater Rudolstadt musste Abstriche bei seinem Sommertheater machen. So wurde am Samstagabend ein Konzert der Thüringer Symphoniker in Saalfeld und eine Theateraufführung auf der Heidecksburg in Rudolstadt abgesagt. Das Theater darf derzeit wegen der Corona-Pandemie nur unter freiem Himmel spielen. (dpa)

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