20. Oktober 2021
Thüringen

„Heimat konkret“ im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar

Ortschronisten unterwegs

Heimat konkret - Flurnamenforschung

Heimat konkret - Flurnamenforschung

Am 9. Oktober 2021 war es endlich soweit – die Ortschronisten und Heimatpfleger konnten sich mit 3G-Regel wieder zu einer Veranstaltung innerhalb des Formates „Heimat konkret“ im Vortragsraum des Museums für Ur- und Frühgeschichte in Weimar treffen.

Dr. Mario Küßner , Leiter des Museums, gab anfangs einen interessanten Einblick in die Geschichte des Museums und vor allem zum momentanen Gedankenstand der Suche nach neuen Ausstellungsflächen und -möglichkeiten, um zukünftig in Weimar auch Sonderausstellungen präsentieren zu können. Als kleines Dankeschön konnte ihm danach unsere Jubiläumsbroschüre zum 25. Kreisheimattag übergeben werden.
„Von Gänsegurgel bis Hauhechel“ führte Dr. Barbara Aehnlich ihre Zuhörer in das Gebiet der Flurnamen Thüringens. Das Thüringische Flurnamenarchiv umfasst in Zettelkastenform ca. 150.000 Belege aus privaten und öffentlichen Sammlungen der Flurnamenforscher vor Ort. Um diese in eine für die Allgemeinheit mögliche digitale Nutzung zu überführen, wird eine Datenbank „gefüttert“, in die bereits ca. 30.000 Belege durch manuelle Transkription aufgenommen werden konnten. Dabei machte die Referentin auf die Schwierigkeiten der Lesbarkeit alter Handschriften für die modernen Text-Scanner aufmerksam. Mühevolle Hand- und Denkarbeit ist an dieser Stelle immer wieder angesagt. Für die Zukunft plant man, die vorhandenen Belege mit ergänzenden Geodaten zu verknüpfen, um noch genauere Verortungen sichtbar zu machen. Erweitert wird die vorhandene Datenfülle durch studentische Arbeiten der Sektion zur Geschichte der deutschen Sprache. Viele der benannten und aufgezeigten Flurnamen waren den Zuhörenden aus ihren eigenen Orten bekannt und bekamen durch die Erkenntnisse des Referates eine ganz neue Bedeutung. Der Blick wurde geschärft, damit auch für zukünftige Generationen diese traditionsreichen Namen nicht in Vergessenheit geraten. Projekte, wie die Benennung der Straßen auf neuen Stadtplänen nach Flurnamen oder die Aufstellung von Informationsschildern an Wegrändern und Feldrainen sind bereits jetzt gute Ansatzpunkte.
Im weiteren Verlauf stellte Manfred Oelke sein Buch „Schäfer, Hirten und ihre Tiere in Thüringer Sagen“ vor. Es erschien als Band 60 in den Schriften der Volkskundlichen Beratungsstelle. Als Schafinstrukteur steht er persönlich diesem Thema ganz nah. Anhand der gezeigten Fotoblätter beschrieb er die Herangehensweise, 420 Sagen mit allein 54 zu ausgegrabenen Glocken zu sammeln, nach Themenschwerpunkten zu sortieren und zu veröffentlichen. Manche dieser Geschichten hat er selber erlebt. Steine und Kreuze zeigen noch heute jene Stellen der oft durch Naturgewalten, wie Blitze, verunglückten Schäfer oder „Hutmänner“. Die Fülle der Sagen belegt die große historische Bedeutung des Hirtenwesens für die Thüringer Kulturlandschaft. Viele interessante Fragen und Ergänzungen folgten, die das Thema noch vertieften und von möglichst vielen Seiten beleuchteten.
Reich beschenkt an Wissen und interessanten Eindrücken treten alle die Heimfahrt an – ein interessanter Nachmittag endet.

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