14. August 2020
Thüringen

Ist das Zehn-Finger-System zum Tippen noch zeitgemäß?

Serie: Nur eine Frage

Tippen mit System ist eine Frage des Geschmacks. Foto: Pixabay

Auf dem Smartphone schreiben junge Menschen mit zwei Daumen. Selbst Vielschreiber kommen am Rechner mit zwei Fingern aus. Ist das Zehn-Finger-System zum Tippen also noch zeitgemäß? Die Antwort kennt Sabine Michaelis vom Stenografenverein Erfurt:

Die Frage nach dem Zehn-Finger­-System für das Schreiben auf der Schreib­maschine oder am Computer ist so alt, wie es Schreibmaschinen gibt. Sie wird immer aus Sicht des Schreibers beantwortet werden. Der Text kommt irgendwie auf das Papier – ob mit einem oder zwei ­Fingern im Adler-Sturzflug oder mit ­mehreren oder allen zehn Fingern. Wer das Zehn-­Finger-Tastschreiben einmal erlernt hat, möchte es aber nicht mehr missen.

Das Zehn-Finger-Schreiben reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück und wurde ­erfunden, um effizient und ohne auf die Tasten zu schauen schreiben zu können. Die Griffwege aus der Grundstellung sind kurz. Ob man zwangsläufig mit zehn ­Fingern schneller schreibt, hängt zum einen von der Übung ab und zum anderen davon, ob man einen Text abschreibt oder direkt eingibt. Bei einem permanenten Sichtwechsel von der Vorlage zur Tastatur und zum Bildschirm oder zum Blatt Papier geht Zeit verloren. Je sicherer geschrieben wird, desto weniger muss im Nachgang ­korrigiert ­werden.

Oder doch Sprachnachrichten?

Die unterschiedlichen Meinungen gibt es auch beim Zwei-Daumen-Schreiben für das Texten auf dem Handy. Während für die einen gar nicht vorstellbar ist, dass das funktioniert, können wir es vor allem bei jungen Menschen beobachten. Die Texteingabe geht auch hier mit einem Finger oder per Sprache. Natürlich ist es heute möglich, dem Computer direkt zu diktieren, was sich jedoch nicht überall, zum Beispiel im Großraumbüro, anbietet und in der Regel eine Nachbearbeitung ­erfordert, womit sich der Kreis dann wieder zur Effizienz schließt.

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