5. Juni 2021
Thüringen

Kinder an die Wahlurne

Wenn die Großen im September einen neune Bundestag wählen, können die Kinder das auch – bei der Juniorwahl. Foto: Sashasan / www.pixabay.com

Bei der Juniorwahl können Kinder und Jugendliche im September genau so wählen wie die Erwachsenen.

„Zurzeit haben 98 Schulen in Thüringen ihre Teilnahme an der Juniorwahl angemeldet, aber da kommen erfahrungsgemäß noch einige ­dazu“, sagt Gerald Wolff vom Vorstand des Kumulus e. V., der die deutschlandweite ­Juniorwahl seit 1999 jedes Jahr organisiert.
„Bei der letzten Landtagswahl 2019 beteiligten sich in Thüringen 24 .407 Schülerinnen und Schüler an 167 Schulen.
Bei der letzten Bundestagswahl nahmen 125 Schulen teil.“

Entscheidend ist die unterrichtliche Einbindung

Entscheidend für die ­Juniorwahl ist unterricht­liche Einbindung.
Die Lehrkräfte gestalten vier bis acht Unterrichtsstunden zum Thema.
Dafür gibt es spezielles Unterrichtsmaterial, das angefordert werden kann – für Förder- oder inklusive Schulen auch in leichter Sprache und mit Lehrvideos.

Es werden alle Fragen geklärt,
die für eine Wahl wichtig sind

„Den Kindern und Jugendlichen sollen dabei alle Fragen erklärt werden, die bei der Wahl von Bedeutung sind, also zum Beispiel:
Was wird gewählt?
Wie funktioniert der Bundestag?
Wofür ist die Erst- und wofür die Zweitstimme?
Was ist eine Partei?
Und wofür stehen die verschiedenen Parteien?“, führt Gerald Wolff aus.

Alle Schulformen sind angesprochen

­Besonders im Blick sind die 9. und 10. Klassen, also die Schüler, die bald selbst wählen sollen.
Aber es können auch schon 7. Klassen an der Juniorwahl teilnehmen. ­
Dabei sind ausdrücklich alle Schulformen angesprochen – Gymnasium, Regelschulen, Berufsschulen und Förderschulen.

Aussagen von Parteien werden im Unterricht verglichen

Im Unterricht werden schwerpunktmäßig Themen besprochen, die die Kinder und Jugendlichen ­besonders interessieren.
So werden zum Beispiel anhand des Themas Umwelt die Aussagen der verschiedenen Parteien verglichen.

Kinder sollen lernen, wie man sich informiert
und eine eigene Meinung bildet

„Unser Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen lernen, wie man sich richtig ­informieren kann“, sagt ­Gerald Wolff.
„Damit werden die Grundlagen geschaffen, um sich eine eigene Meinung bilden und sich entscheiden zu können.“

Schüler müssen ihre eigene Wahl selbstständig organisieren

Dann wird es richtig spannend:
Die Schüler müssen ihre eigene Wahl organisieren – „Demokratie will organisiert sein“:
Es müssen Wahlverzeichnisse erstellt werden, Wahlbenachrich­tigungen müssen verteilt werden, die Wahlurnen und Wahlkabinen müssen auf­gebaut werden – „eins zu eins wie bei den Erwach­senen.“

Die Kinder sollen lernen, was eine Wahl bedeutet – sowohl für die Wählerin und den Wähler aber auch für die Organisatorinnen und Organisatoren. Foto: www.pixabay.com

Gewählt wird meistens im Unterricht
in separaten Wahlräumen

Entweder die Schule organisiert einen Wahltag oder, was meistens der Fall ist, es wird klassen- und kursweise während des Unterrichts in einem separaten Wahlraum gewählt.
Wahlhelfer zählen die Stimmen aus und ein Wahlvorstand stellt das ­Endergebnis fest.
Das Ergebnis wird an die Juniorwahl übermittelt, darf aber nicht vor dem offiziellen Wahlsonntag um 18 Uhr öffentlich gemacht werden.
Jede Schule hat dann ihr eigenes Ergebnis, das teilweise in einer Präsentation vorgestellt wird.

Das offizielle Ergebnis gibt es auf der Internetseite der Juniorwahl

Das offizielle Ergebnis der Juniorwahl ist dann auf der Internetseite der Juniorwahl und in Social-Media-­Kanälen zu erfahren.

Erstaunliches Desinteresse bei Fernsehsendern…

„Wir haben alle Fernsehsender angesprochen, ob sie nicht darüber berichten wollen.
Immerhin nehmen deutschlandweit über 25 Prozent aller weiterführenden Schulen und gut 40. 000 Lehrkräfte an diesem Projekt teil“, erzählt Gerald Wolff und fügt bitter hinzu:
„Das Ergebnis war immer sehr eindeutig: Das ist ‘undenkbar’, das interessiert ­keinen.“

…nicht so bei Politikern

Dann lächelt er und meint:
„Von den Politikern weiß ich aber, dass sie sehr genau auf die Juniorwahl schauen – immerhin sind das die Wähler von morgen.“

Weitere Informationen

Mehr zur Juniorwahl unter:
www.juniorwahl.de

 

Daniel Dreckmann

dreckmann@meinanzeiger.de

 

Wenn die Großen im September einen neune Bundestag wählen, können die Kinder das auch – bei der Juniorwahl. Foto: Sashasan / www.pixabay.com

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