20. Mai 2022
Thüringen

Lupine – eine ganz besondere, fast vergessene Kulturpflanze

Ein Bestand mit Blauen Lupinen, vielleicht sieht man solche Felder künftig wieder öfter in Thüringen. Hübsch anzusehen wäre es und nützlich noch dazu. Foto: Corinna Graf / TLLLR

Das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum lud kürzlich zu einem „Feldtag Lupine“ nach Großenstein ein.

„Die Lupinen im allgemeinen sind alte Kulturpflanzen, die seit über 3000 Jahren ursprünglich im Mittelmeerraum kultiviert wurden – im 18. Jahrhundert erstmals nördlich der Alpen. Die Pflanzenzüchtung erkannte das Potenzial und bemühte sich um spezielle Züchtungen“, erklärt Dr. Nadine Bergk vom Praxiszentrum Ökologischer Landbau.

Wildformen sind giftig

Hintergrund ist, dass die Wildformen und Zierlupinen im Garten giftige Alkaloide wie zum Beispiel Lupinin, Lupanin oder Spartein enthalten.
Sie schmecken bitter und können Atemlähmungen verursachen und zum Tode führen.

In den 1930er Jahren bemühte sich die Pflanzenzucht – konkret Reinhold von Sengbusch am Kaiser Wilhelm Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg bei Berlin – um die Erzeugung alkaloidarmer, sogenannter Süßlupinen.
Diese sind für Fütterung und für die menschliche ­Ernährung geeignet.

Lupinenprodukte sind noch eine Nische

Das Ernteprodukt sind die Samen.
Sie befinden sich in Hülsen, vergleichbar wie ­etwa bei Erbsen oder Bohnen.
In der Humanernährung sind Lupinenprodukte eine Nische.

Es gibt glutenfreies Mehl, Kaffee, der – wie der Autor findet – sehr köstlich schmeckt und koffeinfrei ist, Milchersatzprodukte, die mit „Made with Luve“ ­gekennzeichnet sind, Müsli und einige andere Produkte.

Vorteile zur Sojabohne

Sojabohne und Weiße Lupine weisen einen vergleichbaren Futterwert auf, daher sind sie insbesondere für die Rinderfütterung interessant.
Im Vergleich zur Sojabohne ist die Lupine auch für weniger günstige Anbaustandorte geeignet.
Sie toleriert geringere Temperaturen und bietet die bessere Trockenheitstoleranz.
Das Ertragspotenzial liegt bei etwa vier Tonnen je Hektar.

Unter günstigen Bedingungen ist das auch bei der Sojabohne möglich.
Der Erntezeitpunkt ist bei dieser aber zirka vier Wochen später.
Weiße Lupine wird etwa Anfang September geerntet.
Soja Ende September bis Mitte Oktober, was meist eine Trocknung erforderlich macht, die bei der Lupine entfällt.

Rückschlag und Rückkehr

Mitte der 1990er Jahre musste die Lupinenproduktion in Thüringen einen herben Rückschlag hinnehmen:
Die von Pilzen verursachte Brennfleckenkrankheit trat auf und ließ den Lupinenanbau nahezu komplett zusammenbrechen.

Nur die Blaue Lupine weist eine ausgeprägte Toleranz gegen sie auf.
Sie ist bevorzugt allerdings leichtere Standorte mit pH-Werten im schwach sauren Milieu, wie sie eher in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu finden sind.

2021 wurden in Thüringen gerade einmal 660 Hektar Süßlupinen angebaut.
Sie sind damit derzeit nur eine Nischenkultur.

Die neuen Sorten der Weißen Lupine sind allerdings anthraknosetolerant, das heißt die Brennfleckenkrankheit (Anthraknose) kann ­ihnen nichts mehr anhaben.
„Sie könnten die Rückkehr der einstigen Eiweißkönigin auf Thüringer Anbauflächen bedeuten“, ist Nadine Bergk vorsichtig optimistisch.

Farbspiele auch für den Garten

Drei Arten der Gattung ­Lupinus sind von Bedeutung: Gelbe, Blaue und Weiße Lupine.
Allerdings muss man hier vorsichtig sein.
„Als Klassifizierung ist die Farbe nicht geeignet, weil auch bitterstoffhaltige, giftige Zierlupinen in dieser Blütenfarbe zu finden sind“, ­betont Nadine Bergk.

Kann man Lupinen im eigenen Garten anbauen?
„Warum nicht“, meint ­Nadine Bergk.
„Man kann auch im eigenen Garten ihren hervorragenden Vorfruchtwert nutzen.
Sie binden Stickstoff, den sie zum Teil auch im Boden der Folgekultur hinterlassen, sie machen Phosphor pflanzenverfügbar und lockern durch ihr Wurzelsystem den Boden auf.“

Zertifiziertes Saatgut und Chancen

In Thüringen beziehen die landwirtschaftlichen Betriebe ihr Lupinen-Saatgut von zertifizierten Saatgutunternehmen.
„Blaue und Weiße Lupine werden von Saatzucht Steinach, der Deutschen Saatgutveredlung (DSV) und I.G. Pflanzenzucht vermarktet“, erklärt Nadine Bergk.
„In Thüringen standen im vergangenen Jahr nur auf knapp 100 Hektar Fläche Lupinen zur Saatguterzeugung.“

Vielleicht ­ändert sich das ja nun…

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Weitere Informationen unter:
www.agrarmarketing-thueringen.de

Daniel Dreckmann
dreckmann@meinanzeiger.de

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