27. Oktober 2021
Thüringen

Seit mehr als 30 Jahren leitet Antje Bräuer im Deutschen Nationaltheater Weimar den Besucherservice

30 Jahre Allgemeiner Anzeiger

Antje Bräuer, Leiterin des Besucherservice am Deutschen Nationaltheater. Foto: Candy Welz

Ein Theater lebt erst durch die Zuschauer, sie sind neben den Künstlern die wichtigsten Personen. „Wir kümmern uns ­genau darum, denn alle ­Zuschauer sollen sich in unserem Haus wohlfühlen“, sagt Antje Bräuer, Leiterin des Besucherservices und des Abenddienstes des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar (DNT). Mit viel Hingabe arbeitet sie in diesem Job seit mehr als 30 Jahren. Das Theater ist ihr Leben. „Ich bin schon im und mit dem Theater aufgewachsen, da mein Vater hier engagiert war“, erzählt die Weimarerin, die im Jahr 1981 als Presse­dramaturgin am DNT angefangen hat.

Für die Wünsche des Publikums da sein

Ein Theaterpublikum hat viele Wünsche. Es möchte informiert und beraten werden, Karten kaufen oder Abonnements abschließen, die Garderobe abgeben, Programmhefte erwerben, den richtigen Platz finden und sich während des Besuchs insgesamt gut aufgehoben fühlen. Das alles gehört zum Aufgabenbereich von Antje Bräuer und ihrem Team. ­Natürlich zählt auch die ­Besucher-Akquise dazu. „Das war besonders in den 90er- Jahren wichtig, denn wir mussten die Menschen in dieser schwierigen Zeit erst einmal wieder für Theater- und Konzertbesuche gewinnen, auch über Weimar ­hinaus. Wir haben uns in vielen Thüringer Städten und Gemeinden Ansprechpartner gesucht – von der ­Bäckersfrau bis hin zu Mitarbeitenden der Touristinformationen oder Volkshochschulen. Mit von uns organisierten Bussen haben wir die Zuschauer dann ins Theater gebracht, die Karte im Preis inbegriffen“, erinnert sich Bräuer.
Dieses System wurde auch auf die Schulen ausgeweitet: „Theater im Paket“ – mit ­Anreise und Vorstellungsbesuch. Es gibt es noch heute.

Jeder Gast ist wichtig

In ihrer langen Zeit am Theater ist Antje Bräuer auch so manch prominente Persönlichkeit begegnet, insbesondere bei Sonderveranstaltungen wie den Weimarer Reden, Festakten oder auch den Tatort-Premieren, die mit den beteiligten Schauspielern im DNT stattfanden.
In reguläre Vorstellungen mischt sich ebenfalls immer mal wieder ein prominenter Besucher unter die ­Zuschauer. Unterschiede werden in dem Fall aber nicht gemacht. „Jeder Gast ist uns wichtig, eine Königsloge haben wir nicht.“
Im Lauf der Jahre stand der Besucherservice immer wieder vor neuen Herausforderungen. So musste unter ­anderem das Abonnentensystem stets auf die Wünsche der Zuschauer zugeschnitten werden. Heute ist es das Wahlabonnement, das ­großen Anklang findet. Mit einem Angebot schaffte es das DNT 2005 sogar bis in die Tagesschau: Für nur einen Euro können interessierte ALGII-Empfänger Restkarten an der Abendkasse ­erwerben. Mit dieser Idee war man hier in Weimar Vorreiter für ganz Deutschland.

Wandel im Ticketverkauf

Der Ticketverkauf hat sich im Laufe der Zeit ebenfalls gewandelt. „Eine Karte im Internet zu kaufen und selbst auszudrucken oder auf dem Mobiltelefon speichern zu können, ist heute Standard. Viele wünschen sich trotzdem noch eine telefonische Beratung, haben Fragen zum Stück oder zur Platzwahl und rufen bei uns an.“
Auch in der Corona-Zeit hatten Antje Bräuer und ihr Team besonders große ­Herausforderungen zu bewältigen. Tausende Karten mussten zurückgegeben oder umgebucht werden. War der erste Lockdown endlich ­abgearbeitet, folgte schon der nächste. „Dabei hat es sich als Vorteil erwiesen, dass wir schon immer beim Kartenkauf die Kontaktdaten aufnehmen, um die Besucher bei Ausfall oder Änderung im Spielplan kontaktieren zu können. Ein persönlicher Service, der sehr geschätzt wird“, betont Antje Bräuer.

Seitenwechsel

Für Antje Bräuer ist es nun die letzte Spielzeit, denn nach 41 Jahren verabschiedet sie sich im Juli 2022 in den Ruhestand. Ihrem Theater und dem Orchester bleibt sie weiterhin verbunden, dann auf der „anderen Seite“ als Besucherin.

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