27. Oktober 2020
Thüringen

Serie: Thüringer Rathäuser – das Rathaus in Berga an der Elster

Ein Kleinod in der Kleinstadt, vorgestellt von Bürgermeister Heinz-Peter Beyer

Das Bergaer Rathaus erstrahlt am Marktplatz der Kleinstadt in sattem Rot. (Foto: Reinhard Berger)

Heinz-Peter Beyer

Berga/Elster. Das Bergaer Rathaus befand sich bis zum Stadtbrand am 24.Mai 1842 auf der Mitte des heutigen Marktes, in der Nähe des Brandherdes. Es war von „geringem Umfang und unzweckmäßiger Einrichtung“, verfügte aber schon über eine Gastwirtschaft. Es wurde beim Brand völlig zerstört. Im Rahmen des Wiederaufbaus der Stadt machten sich die Stadtoberhäupter Gedanken über die zukünftige Bedeutung ihres Städtchens und nutzten dabei auch die Gunst der Stunde für bauliche Veränderungen und Gestaltungsmöglichkeiten. Dies übrigens unter Mitwirkung des damals in Weimar tätigen Großherzoglichen Oberbaurates Cudray, der schon für den Bau der Bergaer Kirche 1827 verantwortlich zeichnete.

Es konnte von Fleischermeister Karl Klopfer eine Brandstelle erworben werden, die für die Errichtung eines neuen Ratsgebäudes besser geeignet erschien. So wurden Rathaus und Amtshaus (auch Gerichtshaus genannt, der Teil des Hauses, in dem sich heute das eigentliche Rathaus befindet) nebeneinander errichtet, verbunden durch einen Turm. Bereits am 01. Juni 1843 konnte der Ratswirt Karl Petzold seine Wohnung im neuen Rathaus beziehen. Das Gerichtshaus wurde schon am 25. April 1843 seiner Bestimmung übergeben.

Auszug aus Unterlagen des Jahres 1844

Dem Rathaus war der größere Umfang mit Rücksicht auf die gesteigerten Bedürfnisse und in der Erwartung gegeben worden, dass hoffentlich bald durch Berga eine Chaussee erbaut würde, welche die Weida-Greizer Straße mit der Ronneburg-Werdauer verbindet, da zufolge der der Stadtgemeinde zustehenden ausschließlichen Befugnis zur Zeit im Rathause die einzige Gastgerechtigkeit vorhanden war. Die Baukosten werden für das Gerichtshaus mit 4.000 Talern, für das Rathaus und Turm mit 7.500 Talern genannt. Die Stadt erhielt von der Sparkasse Weimar ein Baudarlehen von 4.500 Talern. Das Schriftstück schließt mit dem Wunsche, dass der allgütige Himmel das unter vielen Sorgen errichtete Gebäude sowie die ganze so schwer heimgesuchte Stadt in seinen gnädigen Schutz nehmen und an ihr sein huldreiche Zusage: Brand mit milder Hand segnen zu wollen, wahr werde. Insbesondere möge das neue Rathaus zu echtem deutschen Bürgersinn anregen und die Bedeutung und den Wert der demnächst einzuführenden neuen Stadtordnung, über welche jetzt noch beraten wird, durch Raum und Gelegenheit zur Förderung ihrer Entwicklung erhöhen.

Am 22.Oktober 1844 wurde auf dem neuen Rathausturm der Turmknopf aufgesetzt, in ihm ein irdener Topf mit Informationen über Berga, seine Geschichte, seine Einwohner, seine Herrschaft. Die Turmuhr wurde wohl im Jahre 1852 durch den Weimarer Hofuhrmachermeister Auch eingebaut. Sie findet in alten Ratsprotokollen des Gemeinderates von Berga erstmals am 31. Juli 1854 Erwähnung: „ Die Unterhaltung und das Aufziehen der Rathausuhr soll dem Uhrmacher Bernhardt Behr hier, gegen eine jährliche Besoldung von 9 Thalern übertragen werden.“ Die Rathausuhr ist nach einer Generalüberholung im Jahr 2014 noch heute mit dem Original- Uhrwerk in Betrieb und eine echte Attraktion. Man kann sie in der oberen Etage des Rathauses durch eine Glastür sehen.

Der Blick vom Rathaus nach Norden fällt auf den Bergaer Marktplatz. Um diesen Platz gruppieren sich seit 1842 die zumeist landwirtschaftlich geprägten Bürger- und Geschäftshäuser des Ortes. Der Marktplatz als solches wurde 1903 nach Plänen des Greizer Parkdirektors Reinecken zu einem kleinen Stadtpark umgestaltet, für eine Kleinstadt wie Berga eine Besonderheit. Heute ist der Park vor allem Anziehungspunkt zur jährlichen Osterkrone, der größten Thüringens, und zum Weihnachtsbrunnen im Dezember. Nach Süden hat man einen wundervollen Blick vom Rathaus über das schöne Elstertal.

Bis 1911 wurde die Stadt regelmäßig aufgesucht von den jeweiligen Regenten des Herzogtums Sachsen- Weimar, die es sich zur Aufgabe machten, alle Regionen ihres Reiches zu bereisen. Dazu gibt es unter anderem Fotodokumente im Heimatmuseum „Spittel“. Genannt sei hier Erzherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar.

Zuletzt prominenten Besuch im Rathaus hatten wir am 15. Oktober 2020 im Rahmen der Einweihung des KZ Häftlingsfriedhofes „Am Baderberg“ Berga/Elster. Neben dem Botschafter des Staates Israel in Deutschland weilten auch der Ministerpräsident des Freistaates Thüringen und die Thüringer Landtagspräsidentin in unserer Stadt und im Rathaus (siehe Foto unten).

Ein kleiner Schatz im Rathaus ist neben der Turmuhr eine Ausstellung zu den Partnerstädten der Stadt Berga/Elster, einschl. der Partnerschaftsurkunden. Partnerstädte sind Gauchy in Frankreich, Myto in Tschechien, Sobótka in Polen und Aarbergen in Deutschland.

Zur Einweihung des Häftlingsfriedhofes, links von vorn: Landesrabbiner Thüringen; Alexander Nachama, Vors. der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen; Prof. Reinhard Schramm, Botschafter des Staates Israel in Deutschland; SE Jeremy Issacharoff; Dolmetscherin Frau Dr. Klein; Abteilungsleiterin Kultur der Thür. Staatskanzlei Frau Elke Harjes- Ecker. Auf dem Foto rechts von vorn die Präsidentin des Thüringer Landtages Birgit Keller, Bergas Bürgermeiste Heinz-Peter Beyer, der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow sowie Carl und Ursula Flesch, Opfernachfahren eines der 315 ums Leben gekommenen KZ-Häftlinge. (Foto: TSK/Paul-Philipp Braun)

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