Thüringer Trüffel - meinanzeiger.de
1. Oktober 2020
Thüringen

Thüringer Trüffel

Trüffel gilt als Delikatesse, muss aber in Deutschland gezüchtet werden, damit man in seinen Genuss kommt.

Uli Polle und Andrea Männle züchten im Sürden von Bleicherode ihren eigenen Trüffel. Foto: Maximilian Walter

Ein Schild am Tor warnt die Besucher: „Trüffel­gebiet – Zutritt verboten“ steht dort auf Französisch. „Ein Mitbringsel aus dem Urlaub“, erzählt Andrea Männle, „das haben wir in einem Souvenirshop gekauft.“ Nun prangt es am Eingang des rund einen halben Hektar ­großen Grundstücks im Süden von Bleicherode. Hier haben Andrea Männle und Uli Polle aus Duderstadt in den letzten Jahren ihre kleine Trüffelfarm aufgebaut und gleich etwas ­Besonderes geschafft. Bereits nach dreieinhalb Jahren wurde der erste Sommertrüffel ausgegraben. Normalerweise dauert es fünf bis zehn Jahre, ehe die ersten Exemplare ­gefunden werden.
Das, was allgemein als Trüffel bezeichnet wird, ist wie bei den meisten Pilzen nur der Fruchtkörper. Der „wichtige“ Teil des Pilzes ist das Myzel – winzige, weiße Fäden, die sich an die Wurzeln der Baumpartner legen. Sie helfen ihm dann bei der Aufnahme von Wasser und erhalten im Gegenzug vom Baum Nährstoffe wie ­Zucker zurück.

Trüffel stehen auf der Roten Liste

Die Idee zur Trüffelfarm kam den beiden, weil sie sich für Pilze interessierten. In Deutschland stehen Trüffel auf der roten Liste und dürfen der Natur nicht entnommen werden. Will man dennoch welche, muss man sie auf landwirtschaftlichem Boden selber züchten. Das ist ein durchaus langwieriger Prozess, der viel Geduld verlangt. Pilze vermehren sich über Sporen, die sie in den Fruchtkörpern bilden. Um an diese zu kommen, wird der Trüffel zerkleinert. Zusammen mit Stoffen, die die Bindung zwischen Baum und Pilz ­erleichtern, kommen die Sporen mit dem jungen Baum in einen Topf. „Nach einiger Zeit können wir dann unter dem Mikroskop sehen, ob der Trüffel sich mit den Wurzeln des Baumes verbunden hat. Das Myzel ersetzt die feinen Wurzelhaare“, erklärt Uli Polle. Ist die Verbindung geglückt, wird der Baum eingepflanzt. Auf der Farm von Andrea Männle und Uli Polle haben die Pilze verschiedene Laubbäume als Partner.

Unter dem Mikroskop sind die dick zulaufenden Pilzfäden zu erkennen. Foto: Uli Polle / privat

Der richtige Boden ist den Pilzen wichtig

Dass die beiden ein Grundstück bei Bleicherode für ihre Aufzucht nutzen, ist kein ­Zufall. „Wir brauchen basische Böden. Dank dem Kalkstein und einem pH-Wert zwischen 6,8 und 7,2 ist der Untergrund hier gut geeignet“, sagt Polle. „Der Makler schaute etwas verwundert, als wir uns nicht für die Gartenhütte interessierten“, ergänzt Männle. Dank Wasseranschluss können die Baumreihen zudem bewässert werden. Trüffel wächst unterirdisch. Je tiefer er liegt, desto inten­siver sind sein Geruch und Geschmack. Um ihn zu finden, braucht es eine gute Spürnase wie die von Lurko. Der eineinhalb Jahre alte ­Rüde wird von zum Trüffel-Suchhund ausgebildet. ­„Dafür üben wir mit zerschnittenem Trüffel, die wir hier auf dem Grundstück vergraben“, erzählt Männle. ­Lurko war es auch, der den ersten Fund ausgrub. „Er spielte aufgeregt an einer der unteren Baumreihen. ­Zunächst dachten wir, wir hätten einen Übungstrüffel vergessen oder ich meinen Schlüsselanhänger“, erinnert sich die Pilzfreundin.

Pilze züchten, ein vielfältiges Hobby

Rund zehn Gramm wog die „erste Ernte“. Das ist nicht viel, aber für die Züchter dennoch ein Erfolg. In Frankreich und anderen Ländern, in denen der Anbau wesentlich verbreiteter ist, erreichen die Bauern einen Ertrag von etwa 50 Kilogramm pro Hektar. Bei Grammpreisen von etwa 40 bis 80 Cent pro Gramm ein lohnendes Geschäft – von dem Andrea Männle und Uli Polle aber noch weit entfernt sind. Bisher ist ihre kleine Farm nur ein Hobby. „Eines, bei dem man viele verschiedene ­Interessen unter einem Hut bringen kann: Botanik, Hunde, Geologie und mehr“, freut sich Männle und ergänzt abschließend: „Dabei mag ich den ­Geschmack von Trüffel gar nicht so sehr – so wie der ­Angler, der keinen Fisch isst.“

Auch interessant