Tragen alle Mönche eine Tonsur, Bruder Walke? - meinanzeiger.de
7. März 2020
Thüringen

Tragen alle Mönche eine Tonsur, Bruder Walke?

Serie: Nur eine Frage

Auch heute noch lassen sich Gläubige das Kopfhaar entfernen. Foto: Pixabay

Ob alle Mönche eine Tonsur tragen, weiß Bruder René Walke vom Franziskanerkonvent Hülfensberg.

Früher trugen alle Mönche eine Tonsur und auch alle Kleriker. Letztere sind Männer, die Diakone und Priester werden. Es war ein Zeichen der Hingabe an Gott, das auch in der Bibel gefunden ­werden kann: Samson lässt die Haare wachsen, weil er dem Herrn geweiht wurde und ist solange der stärkste Mann, bis ihm der Kopf geschoren wird. Der Apostel Paulus berichtet, dass er aufgrund eines Gelübdes alle Kopfhaare abschneiden lassen hat.

Bekenntnis­frisur

Wozu überhaupt eine „Bekenntnis­frisur“? Ich erinnere mich an ein Zeltlager in meiner Jugend, bei dem in einer Nacht fünf Jugendliche aufgrund einer Wette ihre Köpfe kahlschoren. Religiöse Gründe kann ich mir dafür nicht vorstellen. Sie sahen ziemlich gefährlich aus und erinnerten an Skinheads, die durch ihre „Frisur“ ebenfalls ein Bekenntnis ausdrücken. Die Tonsur der Mönche will der besonderen Gemeinschaft mit Jesus Ausdruck verleihen und durch den ästhetischen Makel auf das Vergängliche dieser Welt und die Herrlichkeit der kommenden Welt hinweisen.

Mönche, Bischöfe, Priester und Diakone unterscheiden sich dadurch von anderen Gläubigen und gerade dies ist einer der Gründe, weshalb die Tonsur 1972 entfiel. In der Bibel wird von allen Gläubigen als „Königreich von Priestern“ (Exodus) und „königlicher Priesterschaft“ (1. Petrusbrief) gesprochen. Innerhalb dieser gemeinsamen Priesterschaft gibt es unterschiedliche ­Berufungen, die notwendig und aufeinander zugeordnet sind, sei es der Priester, der Frisör oder die Richterin: Alle sind auf ihre Weise aufgefordert, von ihrem Glauben an die Vergebung, Versöhnung und Auferstehung Zeugnis zu geben – ob mit Zopf oder Glatze.

Alle Fragen, alle Antworten: meinanzeiger.de/nureinefrage

Bruder René Walke vom Franziskanerkonvent Hülfensberg. Foto: Franziskanerkonvent Hülfensberg

Auch interessant