Über 1.500 schwalbenfreundliche Häuser in Thüringen - meinanzeiger.de
8. Mai 2020
Thüringen

Über 1.500 schwalbenfreundliche Häuser in Thüringen

Die Aktion „Schwalben willkommen!“ beim NABU Thüringen hat zehnjähriges Jubiläum

Rauchschwalben (Foto: Hartmut Mletzko)

Jena. Thüringen war einer der Vorreiter der inzwischen bundesweiten NABU-Aktion „Schwalben willkommen!“. In den letzten Jahren wurden über 1.500 schwalbenfreundliche Häuser im Freistaat mit einer Plakette ausgezeichnet. Mit der Aktion möchte der NABU Thüringen Menschen dafür danken, dass Sie sich für den Schwalbenschutz einsetzen. Zum Start ins Jubiläumsjahr wurde heute eine Agrargenossenschaft in Großfahner mit einer Plakette ausgezeichnet.

Jeder Niststandort ist wichtig

Tino Sauer, der Schwalbenbeauftragte des NABU Thüringen berichtet: „Bereits seit 10 Jahren führen wir erfolgreich unsere Aktion zur Schwalbenhilfe durch. Unsere NABU-Gruppen werben bei Hauseigentümern, Agrargenossenschaften, Firmen und Gemeinden, sich für den Schwalbenschutz einzusetzen. Das ist nicht immer leicht, aber durch die Beratungen der NABU-Aktiven vor Ort konnten viele Menschen überzeugt werden, Schwalben an ihren Gebäuden zu dulden. Vor allem der Schwalbenkot macht den Immobilieneigentümern zu schaffen. Jeder Niststandort ist aber wichtig, denn um die Schwalbenbestände steht es nicht besonders gut.“ Vogelexperten warnen schon seit Jahren vor einen Rückgang bei Rauch- und Mehlschwalben. Die Tiere mussten in den letzten Jahren unter großen Einschnitten in ihre Lebensräume leiden.

Nestbau gestaltete sich schwierig

„Auch die Brutsaison 2020 begann für Schwalben wie für viele andere Singvögel nicht optimal. Der bislang kalte und trockene Frühling lies den Schwalben kaum ausreichend Schlamm und Modder zum Bauen ihrer Nester finden.  Der Nestbau gestaltete sich dadurch schwierig und die Erstbruten starten sicherlich verzögert ins Jahr. Hinzu kommt das Nahrungsangebot an Fluginsekten, welches durch die Witterung ebenfalls nicht reichlich zur Verfügung steht. Ohne aktive Schutzmaßnahmen wird der negative Trend für unsere Schwalben nicht aufzuhalten sein“, erklärt der NABU-Schwalbenbeauftragte. Als Beispiele rät der Experte Lehmpfützen anzulegen und Kunstnester an Fassaden anzubringen.

Auszeichnung mit Problemen

In der Agrargenossenschaft in Großfahner, die am 7. Mai ausgezeichnet wurde, brüten seit Jahren bis zu 20 Rauchschwalben auch in den Räumen der Milchdurchleitung. „Obwohl in den komplett gekapselten Milchkreislauf keine Partikel eindringen können, möchte das Veterinäramt Gotha diese Nester am liebsten entfernt lassen“, sagt Tino Sauer. NABU und Agrargenossenschaft versuchen jetzt einen Weg zu finden, dass auch künftig die Schwalben dort erfolgreich brüten dürfen.“

Auch interessant