Vollautomatisiert fahren mit EMMA - meinanzeiger.de
21. Januar 2021
Thüringen

Vollautomatisiert fahren mit EMMA

Der testweise Einsatz des vollautomatisierten Bus-Shuttles EMMA in Gera-Lusan ist nach Ansicht aller Verantwortlichen ein voller Erfolg. Foto: © Stadt Gera (Archiv)

Linienbetrieb  für automatisierten Shuttle-Bus  in  Gera erfolgreich  angelaufen – Verlängerung der Testphase wird derzeit geprüft

Vor gut fünf Wochen, am 14. Dezember 2020, startete das Forschungsprojekt zum „Automatisierten Fahren in Gera“ mit der Testphase, erinnert die Stadtverwaltung Gera in einer Pressemitteilung.
Seitdem können Passagiere die „letzte Meile“ im Stadtteil Lusan im automatisierten E-Kleinbus  EMMA  zurücklegen.

 

Großes Interesse bei den Geraern

Dass das bei den Geraern gut ankommt, zeigen die rund 200 Mitfahrten in den ersten Testbetriebstagen  vor  Weihnachten.  Nach  Angaben  der  Dualen  Hochschule  Gera-Eisenach, die das Forschungsprojekt koordiniert, war der Shuttle-Bus unmittelbar nach Start des Passagierbetriebes ausgelastet.

 

Ein Operator ist (noch) immer mit an Bord

Immer mit an Bord:
Ein Operator der GVB Verkehrs- und Betriebsgesellschaft mbH Gera, der in kritischen Situationen jederzeit das Steuer übernehmen kann.
Zudem bestätigen erste Auswertungen der parallel zum Testbetrieb laufenden Umfragen die grundsätzliche Aufgeschlossenheit der Befragten für das automatisierte Fahren.

 

Der Einsatz von EMMA liefert wichtige Daten

Der  testweise  Einsatz  von  EMMA  im  realen  Passagierbetrieb  ist das  Herzstück  des vom  Thüringer  Umweltministerium  geförderten  Forschungsprojektes.
Er  liefert wichtige   Daten,   die   direkt   in   die   Mobilitätsforschung   einfließen   und   so   zur Weiterentwicklung  der  Mobilität  in  Deutschland  beitragen.
Dazu  gehören  vor  allem Erkenntnisse über die Akzeptanz der Nutzerinnen und Nutzer und die Möglichkeit, die Theorie mit echten gefahrenen Kilometern an Erfahrung auf der Straße abzugleichen.

 

Bei Schneefall und Eisglätte muss EMMA stehenbleiben

Aufgrund  der  Witterungsverhältnisse  musste  EMMA  in  den  letzten  Wochen jedoch wiederholt pausieren.
Der Grund:
Die  Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO)  lässt entsprechend  der  erteilten  Ausnahmegenehmigung  nach  § 70 einen Betrieb von automatisierten Fahrzeugen wie EMMA bei Schneefall und Eisglätte nicht zu.

 

Ladehemmungen werden unter „Erfahrungen“ verbucht

Zusätzlich trat ein Defekt an der Ladetechnik des Fahrzeugs auf, der durch eine Reparatur  schnell  behoben  werden  konnte.
Dazu  erklärt  Oberbürgermeister  Julian Vonarb:
„Dass  es  in  jüngster  Zeit  zu  Ausfällen  gekommen  ist,  hat  überwiegend pragmatische  Gründe  und  zahlt  auf  das  Konto  Erfahrung  ein,  was  den  Sinn  eines Forschungsprojektes ausmacht.
Unser gemeinsames Ziel ist es, dass wir hier in Gera die Mobilität der Zukunft für Deutschland mitgestalten.
Dazu trägt EMMA maßgeblich bei.
Ich  freue  mich,  dass  bisher  so  viele  Menschen  die  Möglichkeit  einer  Mitfahrt genutzt  haben  und  danke  allen  Projektpartnern  für  ihr  Engagement.“

 

Gera auf Augenhöhe mit Wien, Hamburg –
aber auch dem kleinen Monheim am Rhein

Auch GVB-Geschäftsführer  Thorsten  Rühle betont das  große  Potenzial  des  Projektes  für  die Stadt:
„Wir  freuen  uns,  dass  Gera  in  Thüringen  bei  der  Erprobung  autonomer Kleinbusse  die  Nase  vorn  hat  und  wir  damit  auf  Augenhöhe  mit  Städten  wie  Wien, Hamburg   aber   auch   dem   kleinen   Monheim   am   Rhein   stehen,   die hier   eine Vorreiterrolle  einnehmen.“
Die   GVB   verantwortet   den   Einsatz   von   EMMA   im Linienbetrieb.

 

Eine Chance für mobilitätseingeschränkte Menschen

Die Nutzung von automatisierten Fahrzeugen wie EMMA im öffentlichen Nahverkehr bietet  vielfältige  Chancen:
Durch  die  Erschließung  von  bisher  für  Bus  oder Bahn ungünstig  gelegenen  Quartieren  oder  Straßen – etwa  in  Stadtrandlage – wird insbesondere  mobilitätseingeschränkten  Menschen  die  verstärkte  Teilnahme  am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

 

Es geht um die zukünftige Ausrichtung des öffentlichen Nahverkehrs

„Mit der Erprobung eines autonomen Busses wie EMMA werden unsere Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung des öffentlichen Nahverkehrs  in  Gera  greifbar  und  auch  sehr  viel  konkreter.
Unser  Ziel  ist  es,  im Rahmen  des  Smart-City  Projektes  der  Stadt  Gera  an  der  Haltestelle  Lusan/Laune einen  multimodalen  Mobilitätspunkt  zu  schaffen,  an  dem  unsere  Fahrgäste  von  der Straßenbahn in andere Verkehrsträger wechseln und umgekehrt.
Favorit ist dabei ein autonomer  Kleinbus,  der  die  Quartierserschließung  übernimmt  und  den  Fahrgast faktisch bis vor die Haustür bringt“, kommentiert Thorsten Rühle die weiteren Pläne.

 

Ein Angebot, das besser auf die Kunden abgestimmt ist

Durch die Ausweitung der Dienste auf neue Bediengebiete und ein auf die Bedürfnisse ihrer Kunden noch besser  abgestimmtes Angebot verspricht sich die GVB einen Fahrgastzuwachs.
Das würde dazu beitragen, dass die Zahl an PKW-Fahrten und der Besitz an Individualfahrzeugen  nachhaltig  reduziert  wird, was eine Entlastung der Infrastruktur zur Folge hätte.
Zudem werden die Umweltauswirkungen von automatisierten Fahrzeugen als geringer eingeschätzt als bei herkömmlichen Fahrzeugen, etwa aufgrund eines niedrigeren Energiebedarfs durch technisch optimierte Fahrvorgänge.
Das aktuelle Forschungsprojekt wird daher nicht nur zeigen, wie aufgeschlossen die Geraer gegenüber dem automatisierten Fahren sind.
Es wird auch wertvolle Erkenntnisse in den großen Themenfeldern Ökologie, Mobilität und Digitalisierung liefern.

 

Bitte Einsteigen: Eine Verlängerung des Test-Einsatzes von EMMA wird gerade geprüft. Foto: © Stadt Gera (Archiv)

 

Eine Verlängerung für EMMA wird gerade geprüft

Derzeit wird geprüft, ob der Testbetrieb aufgrund der wiederholten witterungsbedingten Aussetzung verlängert werden kann.
Planmäßig soll der  automatisierte Kleinbus  acht Wochen  lang  unterwegs  sein.
Interessierte  können regulär noch bis Ende Februar in dem selbstfahrenden Shuttle mitfahren.

 

Interessierte können an Umfrage teilnehmen

Die durch die Duale Hochschule Gera-Eisenach parallel zum Testbetrieb entwickelten Umfragen zur Mobilität im Allgemeinen und zum EMMA-Projekt im Besonderen sollen die Einstellungen  der Geraer Bevölkerung zu neuen  Mobilitätskonzepten wie dem automatisierten Fahren ermitteln.
Dazu werden als Posteinwurf Fragebögen im Fahrgebiet von EMMA verteilt.
An der Umfrage kann außerdem online unter umfrage.dhge.de teilgenommen werden.
Sie richtet sich ausdrücklich an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger und ist anonym.

 

Zum Hintergrund

Initiiert  wurde  EMMA  (elektrisch mobil markant automatisiert) mit einer Investitionssumme von 30.000  Euro durch  die  Geraer Fahrschule Fischer Academy GmbH und die TAG Wohnen & Service GmbH.
Das Thüringer  Umweltministerium fördert das Projekt zusätzlich mit 80.000 Euro.
EMMA fährt mit 15 km/h vom REWE-Parkplatz  an  der Zeulsdorfer  Straße eine Runde durch den Stadtteil Lusan.

Für  die rund  zwei  Kilometer braucht  es circa 18  Minuten.
Aufgrund  der  Corona-Pandemie können derzeit statt sieben nur vier Personen gleichzeitig im Bus Platz nehmen.
Die Fahrt ist für Anwohner und Interessierte kostenfrei.

 

Viele starke Partner

Die Projektsteuerung verantwortet die Duale Hochschule Gera-Eisenach.

Die Realisierung von EMMA im städtischen Linienbetrieb erfolgt in enger Kooperation mit der GVB und dem Geraer Verkehrsamt, die unter  anderem bei der Einholung von Genehmigungen, der Erstellung des Fahrplans, dem Entwurf der  Routenplanung und nicht zuletzt bei der entsprechend notwendigen Verkehrsplanung maßgeblich beteiligt waren.

Weitere Projektpartner:

  • Energieversorgung Gera GmbH für Strom und Infrastruktur
  • NutsOne GmbH als Experten für automatisierte Shuttles
  • KfZ-Werkstatt Sven Junge GmbH für den Transport
  • Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) für wissenschaftliche Unterstützung

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