31. März 2022
Thüringen

Vom fürstlichen Leben im Sommerpalais

Aktuelle Ausstellung ist dem Bauherren des Schlösschens im Greizer Park gewidmet

Sommerpalais-Chef Dr. Ulf Häder an der Sänfte, in der sich Heinrich XI. möglicherweise im Frühling vom Oberen Schloss ins Sommerpalais und im Herbst darin zurück tragen ließ. (Foto: G. Zeuner)

Greiz. Ob sich Heinrich XI. tatsächlich mit der Sänfte, die derzeit in der Beletage des Greizer Sommerpalais zu sehen ist, vom Oberen Schloss ins Sommerpalais tragen ließ, ist nicht mehr hundertprozentig nachzuweisen. Überliefert ist, dass der Reichsfürst im fortgeschrittenen Alter jedes Jahr die Sommermonate in dem Schlösschen im Greizer Park verbrachte. Und als Reichsfürst dürfte er nicht dorthin gelaufen sein, sondern die Umzüge standesgemäß absolviert haben. Und das war von seiner Residenz, dem Obere Schloss auf dem Bergsporn, wohl nur in einer Sänfte möglich. Eine solche aus dem 18. Jahrhundert mit den Insignien  Heinrich XI. Reuss ältere Linie ist eines der herausragenden Exponate der aktuellen Sonderschau „La belle retraite et la belle vie. Zum Leben im Sommerpalais“, die dem Greizer Fürsten zu dessen 300. Geburtstag gewidmet ist.

Heinrich XI. (1722 – 1800) ist sicher einer der bekanntesten Vertreter des Reußischen Fürstengeschlechts älterer Linie. Er unternahm 1740 bis 1742 eine Kavaliersreise durch ganz Europa und kehrte von dieser entsprechend gebildet, sprachgewandt und beeinflusst nach Greiz zurück. Im Jahre 1768 vereinte er  Reuß älterer Linie Obergreiz mit Reuß älterer Linie Untergreiz zu Reuß älterer Linie. Zehn Jahre später gelang ihm durch ein kaiserliches Privileg die Rangerhöhung zum Reichsfürsten. Und als Bauherr des Sommerpalais‘ im Greizer Park hat Heinrich XI. quasi den Grundstein für die sich seit 1922 hier befindliche Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung mit dem 1975 gegründeten „Satiricum“ gelegt.

Die aktuelle Ausstellung in der Beletage des Hauses zeigt Facetten des höfischen Lebens des Fürsten in seiner Sommerresidenz auf – von den Haustieren, die sich Heinrich XI. im Sommerpalais hielt, über seine Garderobe und seine Sehhilfen bis hin zu der Zipfelmütze, mit der er ins Bett ging. „Über sein Leben hier und wie er es finanzierte wissen wir ziemlich gut Bescheid“, sagt Museumsdirektor Dr. Ulf Häder. Denn der kaiserliche Fürst hat ein dickes Tagebuch mit detaillierten Einträgen hinterlassen und zudem über seine Ausgaben exakt Buch geführt. Die Abrechnungen seiner Privatschatulle erlauben genaueste und ungewöhnliche Einblicke in sein Privatleben. In dem dicken Abrechnungsbuch ist nämlich auch sein Handgeld aufgeführt, das er ganz privat zur Verfügung hatte. „Den größten Teil davon hat er für Garderobe ausgegeben. Feinste Stoffe aus Paris, Leipzig und Frankfurt“, erzählt der Museumsdirektor. Auch Kosten für Möbel sind aufgelistet sowie Reisekosten, Geschenke und Spenden. Heinrich der XI. hat mit seinem Handgeld auch Künstler für deren Auftritte bezahlt und sogar Lotterielose gekauft.

Diese Dokumente, Bilder, Gemälde und Wappen sowie interessante zeitgenössische Exponate sind in der Ausstellung zu sehen. Darunter zahlreiche Leihgaben wie die eingangs erwähnte Sänfte, die das Museum Schloß Burgk zur Verfügung gestellt hat.

Zu der Ausstellung bietet das Sommerpalais kurze so genannte Impulsführungen an, die unter verschiedenen Titeln dienstags ab 12.30 Uhr stattfinden. Die Termine: hier klicken!. Zudem sind für die Wochenenden 30. April/1. Mai und 21./22. Mai jeweils um 15 Uhr Rundgänge durch die Schau geplant und am 7. April, 5. Mai und 2. Juni finden jeweils ab 17.30 Uhr Abendführungen statt.

Die Ausstellung „La belle retraite et la belle vie. Zum Leben im Sommerpalais, Heinrich XI. zum 300. Geburtstag“ ist bis zum 12. Juni 2022 zu sehen.

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen.

 

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