22. März 2021
Thüringen

Von der Ohra zum Wasserhahn – Falko Hallebach gibt Einblicke in die Trinkwasseraufbereitung

Falko Hallebach, Leiter Trinkwasser Mittelthüringen an der Messstelle Rohwasser in der Wasseraufbereitungsanlage der Talsperre Ohra in Luisenthal. Hier werden die organischen Verbindungen, Trübung, Temperatur, ph-Wert, Redoxpotential und die Leitfähigkeit des Rohwassers gemessen. Foto: Ines Heyer

Normalerweise ist Falko Hallebach am 22. März – dem Welt­wassertag – immer auf Tour in Luisenthal, um Besuchern Einblicke in die Wasserauf­bereitungsanlage der Tal­sperre Ohra zu geben. „Durch die Pandemie ist es in diesem Jahr nicht möglich die Türen zu öffnen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle spannende Informationen über das selbstverständ­lichste Lebensmittel Nummer eins gerne weitergeben“, so der Leiter Trinkwasser ­Mittelthüringen, Thüringer Fernwasserversorgung.

Sechs Trinkwassertalsperren

In Thüringen gibt es sechs Trinkwassertalsperren. Das sind neben der Ohra die Talsperren Leibis / Lichte, Schönbrunn, Scheibe-Alsbach, Neustadt und Tambach-Dietharz. Das Wasser aus den Talsperren Ohra und Leibis / Lichte wird von der Thüringer Fernwasserversorgung in eigenen Wasserwerken aufbereitet und fließt über ein gut 550 Kilometer langes Fernwassernetz zu den 24 angeschlossenen Stadtwerken, Zweckverbänden und Gemeinden. „Das Ohrawasser kommt in Arnstadt, Erfurt, Gotha, Weimar, Jena, Sömmerda und Sonders­hausen an“, so Hallebach.

Hohe Wasserqualität

Dieses Wasser hat eine ­hohe Rohwassergüte, da es Oberflächenwasser ist und das Einzugsgebiet von rund 90 km² zu 98 Prozent naturbelassener Wald sind. Das Einzugsgebiet wurde durch drei Überleitungsstollen ­erweitert. So kann zusätzlich zu dem Wasser des Eigeneinzugsgebietes der Ohra – über 17,4 Kilometer Stollen aus Nebentälern des Thüringer Waldes – übergeleitet werden. „Es ist so frei von Nitraten aus Düngung und Arznei­mittelrückständen“, erklärt der Fachmann.

Entnahme in vier Höhen

Über den 65 Meter hohen Wasserturm kann das Wasser aus der Ohra in vier unterschiedlichen Höhen entnommen werden. Je nach Jahreszeit befindet sich das entnommene Wasser in einer anderen Höhe – Erwärmung und Sauerstoffgehalt bestimmen die Güte.

Nutzung von Wasserkraft

Über eine Francis-Turbine, die zur Stromerzeugung ­genutzt wird, gelangt das Wasser in die Trinkwasseraufbereitungsanlage. „Wir nutzen das energetische Potenzial in Form von Wasserkraft. Die Anlage deckt den kompletten Stromverbrauch zur Trinkwasseraufbereitung, zusätzlich können wir auch noch Energie in das Stromnetz einspeisen.“

Reinigung des Wassers

Das Trinkwasser nimmt dann seinen weiteren Weg über große, offene Schnell­filter, wo die Filtration von Fremdstoffen erfolgt. Zusätzlich wird mit Naturkalkstein die Kohlensäure des Wassers gebunden, damit es nicht mehr korrosiv auf die Rohrleitungen wirkt. Mit Eisen und Mangan wird aufoxidiert, um unlösbare Verbindungen zu erhalten, welche dann bei der Filtration aus dem Wasser entfernt werden können. Das verhindert später Ablagerungen an Wäsche oder Sanitärkeramik. Um Wiederverkeimung auf dem Transportweg vorzubeugen, wird das Reinwasser am Wasserwerksausgang mit Chlordioxidlösung desinfiziert. „Das Trinkwasser braucht durch die Rohrleitungen ­etwa vier bis fünf Tage, bis es das Ende unseres Versorgungsgebietes erreicht.“
Die Wasserrückstände werden in einer Aufbereitungsanlage noch selektiert und der entwässerte Filterschlamm findet dann Verwendung in Biogasanlagen

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