11. August 2022
Thüringen

Waldschutzgebiete schonen

NABU Thüringen fordert, intensive forstliche Nutzung in FFH- und Naturschutzgebieten im Wald einzustellen

Der NABU Thüringen fordert, intensive forstliche Nutzung in FFH- und Naturschutzgebieten im Wald einzustellen. Foto: Friedhelm Petzke

Dürre, Borkenkäfer und Brände setzten dem Wald immer mehr zu. Die größten Schäden haben oft artenarme Monokulturen mit Fichten- und Kiefernbeständen zu verzeichnen. Die Gründe für den sich ausweitenden Waldkollaps sieht der NABU Thüringen nicht alleine beim Klimawandel, sondern im weltweiten Holzhunger und einer seit Jahrhunderten auf Nadelholz fixierten Forstpolitik. Immer mehr Bäume fallen dem stetig steigenden Holzbedarf, dem Borkenkäfer oder Bränden zum Opfer. So zeigt zum Beispiel eine aktuelle Studie des WWF, dass der weltweite Verbrauch von Holz mit 4,3 bis fünf Milliarden Kubikmeter pro Jahr bereits höher ist als das, was den Wäldern wirklich nachhaltig entnommen werden kann – nämlich drei Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

Unbewirtschaftete Laubmisch- und Laubwälder sind besser an Trockenheit angepasst

„Vor dem Hintergrund einer spürbaren Klimaaufheizung zählt jeder Baum. Vor allem naturbelassene und unbewirtschaftete Laubmisch- und Laubwälder haben das Potential, besser auf die kommenden Herausforderungen durch die zunehmende Trockenheit und Hitze vorbereitet zu sein“, sagt Forstwissenschaftler Dirk Hofmann, der stellvertretende Landesvorsitzende des NABU Thüringen. „Nadelwaldmonokulturen hingegen leiden seit Jahren unter anhaltendem Wassermangel und Borkenkäferbefall. Vor allem auf Kahlschlagflächen wird der Boden stark aufgeheizt und kann dadurch deutlich weniger Wasser speichern. Aus diesem Grund können auf solchen Flächen junge Bäume überhaupt nicht oder nur sehr schlecht aufwachsen, und an die Entstehung eines klimaangepassten Zukunftswaldes, mit starken, gesunden und alten Bäumen, ist gar nicht zu denken.“

Intensive forstliche Nutzung in Schutzgebieten einstellen

Als Sofortmaßnahme fordert der NABU Thüringen die Politik und die verantwortlichen Akteure auf, die anhaltenden intensiven forstlichen Eingriffe in Schutzgebieten, so auch in FFH- und Naturschutzgebieten, im Wald einzustellen. Als negatives Beispiel mit gravierenden Eingriffen nennen die Naturschützer den Ettersberg bei Weimar und den Tautenburger Forst im Saale-Holz-Landkreis. „Wir müssen in Zukunft wieder lernen, den Wald zu nutzen, ohne dass ein Schaden dabei entsteht. Die bis jetzt betriebene Forstpolitik hat dies leider nicht geschafft“, sagt Dirk Hofmann. „Der stetig hohe Bedarf an Holz darf nicht zur Handlungsmaxime für den Umgang mit unseren Wäldern werden. Wir müssen in Zukunft gemeinsam Strategien für den Schutz unserer Wälder entwickeln, die sich an den dramatischen Klimaentwicklungen und dem Erhalt von immer seltener werdenden Arten anpassen – und nicht wesentlich am Holzmarkt orientieren.“

Umdenken beim Holzverbrauch

Die Ressource Holz ist als nachwachsender Rohstoff ein gefragtes Gut. Als Ersatz für Beton, Kunststoff oder als Energieträger scheint er eine klimafreundliche Alternative zu sein. Eine übermäßige Nutzung, wie sie in Mitteleuropa praktiziert wird, geht jedoch allzu oft zulasten der Artenvielfalt. Als Folge verschwinden die letzten Primärwälder, und die Anfälligkeit der Forste gegenüber Schadereignissen steigt rapide. „Das Eintauschen der einen Krise gegen die andere kann jedoch keine Lösung sein. Unser Ausweg aus diesem Dilemma kann nur durch weniger Verbrennen von Holz, dem Reduzieren des Papierverbrauchs und dem Einsatz von wieder verwendbarem Holz in der Baubranche gelingen“, so Dirk Hofmann.

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