Wenn die Lunge leidet - meinanzeiger.de
20. November 2020
Thüringen

Wenn die Lunge leidet

Die Asthmahäufigkeit ist in Thüringen regional sehr unterschiedlich, wie der aktuelle Gesundheitsatlas zeigt. Foto: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO)

Neuer Gesundheitsatlas zur Volkskrankheit Asthma:
Thüringen liegt über dem Bundesdurchschnitt

In Thüringen liegt die Asthmahäufigkeit mit 4,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.
Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.
Demnach liegt der Anteil der Betroffenen an der Bevölkerung bundesweit bei durchschnittlich 4,2 Prozent.
Insgesamt gibt es 98 000 Thüringer Asthmapatienten.

Regionale Unterschiede

Allerdings gibt es innerhalb des Freistaates große regionale Unterschiede:
Das Spektrum reicht von 3,2 Prozent Einwohnern mit einem vom Arzt diagnostizierten und medikamentös behandelten Asthma im Unstrut-Hainich-Kreis bis zu 6,5 Prozent in Sonneberg.
In Jena leben laut Gesundheitsatlas 3,5 Prozent der Menschen mit Asthma bronchiale und in der Landeshauptstadt Erfurt liegt der Anteil bei 4,3 Prozent.

Jungen und ältere Frauen stärker betroffen

Bei Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahre sind zunächst Jungen deutlich häufiger von Asthma betroffen als Mädchen. Im jungen Erwachsenenalter sind beide Geschlechter gleich häufig betroffen, mit zunehmendem Alter tritt Asthma häufiger bei Frauen als bei Männern auf.
Damit kehrt sich das Geschlechterverhältnis mit zunehmendem Alter um.
Der Prävalenzgipfel (also die stärkste Häufigkeit) liegt in Thüringen beim weiblichen Geschlecht mit 7,2 Prozent in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen und beim männlichen Geschlecht mit sechs Prozent in der Altersgruppe von null bis 14 Jahren.
Die Asthmahäufigkeit in Thüringen ist vom Altersverlauf den bundesweiten Ergebnissen ähnlich.
Allerdings liegen die Prävalenzen (Häufigkeiten) teilweise deutlich über dem Bundesdurchschnitt:
Beim weiblichen Geschlecht in der Altersgruppe null bis 34 Jahren und beim männlichen Geschlecht in der Altersgruppe null bis 14 Jahren.

Ursachen und Risikofaktoren für Asthma

Die Häufigkeit bei Jungen hat vermutlich anatomische Gründe und lässt sich durch die engeren Bronchien erklären.
So kommt es leichter zu einer Verengung der Atemwege, wie sie beim Asthma bronchiale vorliegt.
Im Erwachsenenalter sind die Bronchiendurchmesser dann bei Männern größer als bei Frauen, was die Umkehrung der Geschlechterverhältnisse erklärt.
Weitere Gründe für die Geschlechtsunterschiede könnten aber auch hormonelle Einflüsse oder geschlechtsspezifische Unterschiede beim Kontakt mit Asthma auslösenden Substanzen sein.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören allergische Erkrankungen, eine genetische Veranlagung, Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich sowie dem Ausgesetzt sein von Reizstoffen in der Luft wie Tabakrauch, Luftverschmutzung oder Chemikalien.

Über drei Millionen Menschen deutschlandweit

Nach den Ergebnissen des Gesundheitsatlasses für das Jahr 2018 erhalten 3,5 Millionen Einwohner in Deutschland eine medikamentöse Behandlung wegen Asthma.
Damit sind 4,2 Prozent der 82,9 Millionen Einwohner in Deutschland betroffen – womit Asthma bronchiale zu den Volkskrankheiten zählt.

Bundesländer im Vergleich

Innerhalb der Bundesländer finden sich die niedrigsten Asthma-Prävalenzen in Mecklenburg- Vorpommern mit 3,4 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg mit 3,7 Prozent und Hamburg mit 3,8 Prozent.
Die höchsten Krankheitshäufigkeiten gibt es dagegen in Nordrhein-Westfalen mit 4,7 Prozent, dem Saarland und Thüringen mit jeweils 4,6 Prozent und Niedersachsen mit 4,4 Prozent.

Asthma und COVID-19

Die aktuellen Erkenntnisse sind noch sehr begrenzt.
Nach jetzigem Wissensstand haben Asthmapatienten kein erhöhtes Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren.
Außerdem scheint ein gut kontrolliertes Asthma nicht mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf einherzugehen.

Moderne Asthmakontrolle

Wichtige Säule der Therapie von Asthma ist ein gutes Management der Erkrankung bestehend aus adäquatem Einsatz der zur Verfügung stehenden Medikamente und nicht medikamentösen Maßnahmen.
Ziel ist es, Asthmaanfälle möglichst zu vermeiden.
Dabei können gut strukturierte Disease-Management-Programme unterstützen, welche die regelmäßige Kontrolle der Therapieziele und Schulungsangebote vorsehen.
Damit können Anfälle vermieden und Krankenhauseinweisungen reduziert werden.
In den vergangenen  20 Jahren sind die Sterblichkeit und Krankenhausfälle aufgrund von Asthma in Deutschland deutlich zurückgegangen.

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