Winter ist Hochsaison für Baumfällarbeiten - meinanzeiger.de
21. Januar 2021
Thüringen

Winter ist Hochsaison für Baumfällarbeiten

Die im Beitrag erwähnte Seilklettertechnik kam im Juli 2020 bei Baumuntersuchungen am Spielplatz Lortzingstraße zum Einsatz. Foto: © Stadt Gera

Im Geraer Stadtgebiet sind in diesem Winter eine Reihe von Baumfällungen notwendig.

Wesentliche Gründe für diese drastischen Maßnahmen sind im Regelfall Krankheiten und der Befall durch Schädlinge.
Dazu zählen der Borkenkäfer, Schwammspinner oder auch Pilze, informiert die Stadtverwaltung Gera.

Schwer geschädigte oder bereits abgestorbene Bäume stellen ein großes Sicherheitsrisiko dar und müssen in jedem Fall beseitigt werden.
In Ausnahmefällen gilt das auch sofort.

 

Schäden von außen oft nicht erkennbar

„Die kranken Bäume können schon bei wenig Wind abbrechen, Fußgänger oder spielende Kinder schwer verletzen und an Autos großen Sachschaden anrichten.
Deswegen prüfen wir in regelmäßigen Abständen den Zustand aller kommunalen Bäume in der Stadt“, erklärt Matthias Mittenzwey, Leiter des Amtes für Stadtgrün.
Er ergänzt:
„Wiederholt haben wir in der jüngsten Vergangenheit Anfragen von besorgten Bürgerinnen und Bürgern erhalten, die Fällungs- und Baumschnittarbeiten beobachtet haben, obwohl die betroffene Vegetation scheinbar unbeschadet ist.
Doch häufig sind die Schäden von außen nicht oder kaum wahrnehmbar.
Unsere Kontrolleure prüfen durch Abklopfen, in vielen Fällen aber auch durch aufwendige Bohrwiderstandsmessungen, wie es um den Zustand des jeweiligen Baumes tatsächlich bestellt ist.“

 

100 Ahornbäume hatten für den Menschen gefährliche Pilzerkrankung

So mussten in der letzten Oktoberwoche im vergangenen Jahr über 100 Ahornbäume in der Straße des Bergmanns gefällt werden.
Sie waren von einer Pilzerkrankung, der Rußrindenkrankheit, betroffen.

Die Bäume litten symptomatisch unter Welke, Blattverlust, einer schwärzlich gefärbten Rinde und zeigten verschiedene Absterbeerscheinungen.
Diese Krankheit kann durch die Absonderung von Pilzsporen auch für den Menschen gefährlich werden.
Deshalb war eine sofortige Fällung unumgänglich.

 

Pilzsporen können Reizhusten, Fieber, Schüttelfrost und sogar Atemnot verursachen

„Bei Inhalation können die Pilzsporen Entzündungen auslösen, die zu Reizhusten, Fieber, Schüttelfrost oder gar Atemnot führen.
Nur mit besonderer Schutzkleidung konnten die Mitarbeiter einer Landschaftsbaufirma die Bäume fällen.
Auch die Entsorgung war in diesem Fall nur durch besondere Schutzvorkehrungen möglich“, erklärt Andreas Dunkel, Teamverantwortlicher Stadtökologie und Baumkontrolle.

 

Weitere Baumfällungen sind in Gera notwendig

In Liebschwitz werden im Februar mindestens 12 Eschen gefällt, die am Eschentriebsterben leiden.

Bei dieser schweren Baumkrankheit welken zunächst die Blätter.
Von dort breitet sich der Erreger in die Triebe aus und führt zum Ausbrechen von Ästen und Kronenteilen und schließlich zu deren Absterben.

Ebenfalls im Februar werden im Gelände der Radrennbahn im Stadtteil Debschwitz 15 Buchen und 4 Birken gefällt.
Sie sind alle auf Grund von Pilzbefall bereits abgestorben.

Im Naherholungsgebiet Brütetal in Lusan stehen auch Fällungen an, da der waldartige Baumbestand in Hanglage zum Teil abgestorben oder schräg gewachsen ist.
Dadurch stellt er eine Gefahr für die Straßenbahn und ihrer Oberleitung dar.

 

Heiße Klima und Trockenheit begünstigen Baumkrankheiten

Grundsätzlich schwächt das trockene, heiße Klima der letzten Jahre und die damit einhergehende Wasserknappheit die Vegetation.
Es begünstigt Krankheiten und Infektionen der Bäume.
Daher lässt sich nicht ausschließen, dass im gesamten Stadtgebiet noch weitere einzelne Bäume an Straßen, in Grünanlagen, auf Schulgeländen, auf Sportplätzen und Friedhöfen gefällt werden.

„Ich kann den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Gera in jedem Fall versichern, dass wir natürlich um den Erhalt eines jeden einzelnen Baumes kämpfen und diesen nur als letztes mögliches Mittel fällen,“ beruhigt Matthias Mittenzwey.

 

Zum besseren Verständnis

Grundsätzlich sind Zeiträume und Bedingungen für Baumfällungen im Bundesnaturschutzgesetz geregelt.
Nach diesem dürfen Bäume ausschließlich zwischen 1. Oktober und 28. Februar gefällt werden.
In den übrigen Monaten greift der Arten- und Naturschutz.
Dieser beachtet zum Beispiel Nist- und Brutzeiten von Vögeln.

Ausnahmeregelungen werden nur dann getroffen, wenn die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Gefahr ist,.
Das kann beispielsweise aufgrund von möglichen Entwurzelungen nach Sturmschäden oder einem sehr fortgeschrittenen Pilzbefall eines Baumes der Fall sein.

Die untere Naturschutzbehörde  entscheidet mit Verweis auf die kommunale Baumschutzsatzung letztlich über die entsprechenden Anträge zur Baumfällung.
Die Baumkontrolleure vom Amt für Stadtgrün begutachten den entsprechenden Baum.
Sie führen Sichtkontrollen, Klopftests und bei Bedarf Bohrungen durch.
Falls der Baumstamm weniger als ein Drittel der ursprünglichen Stammstärke beträgt, müssen Maßnahmen ergriffen werden.
Dann kann es zu einer Fällung kommen.

 

Hier sieht man die Abteilung Grünpflege der Stadt Gera im Einsatz. Das Bild entstand im Januar 2021. Foto: © Stadt Gera

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