9. April 2020
Thüringen

Gedanken zum Osterfest

Osterglocken verkünden: „Jesus ist auferstanden!“

Foto: pixabay.de

Eine eigenartige Stille liegt über dem Land. Eine Virus-Epidemie lähmt unser Leben. Leere Straßen, verwaiste Cafe‘s, geschlossene Geschäfte und Gotteshäuser. Osterpartys sind ebenso abgesagt wie Osterprozessionen. Wer hat solches je erlebt? Und doch ist Ostern! Goethe hat in seinem „Osterspaziergang“ gedichtet:

Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

 Dieses bunte Getümmel fehlt in diesem Jahr. Solche Osterspaziergänge fallen aus. Weithin herrscht Ruhe in den Gassen und Gemeinden. Doch nicht ganz. In die Stille hinein läuten die Kirchenglocken. Sie verbinden uns und wecken Empfindungen. Vielen ist der heimatliche Glockenklang vertraut. Manche Glocken sind berühmt wie die „Gloriosa“ vom Erfurter Dom, die mit über elf Tonnen als größte frei schwingende Glocke des Mittelalters gilt. Wie aus einer anderen Welt klingen sie in unsere Zeit und verkünden Jesu Tod und Auferstehung. Noch immer werden Kirchenglocken nach alter Tradition unter Gebet und Segen am Freitag-Nachmittag gegossen, zur Stunde als Jesus am Kreuz sein Leben aushauchte. Im Gedenken an dessen Leiden und Sterben schweigen die Glocken vielerorts am Karfreitag bis zur Osternacht. Jesus hat uns sein Wort hinterlassen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Johannes 11,25-26).

Das ist die Botschaft von Ostern. Jesus verspricht uns Leben über den Tod hinaus, das schon mitten in dieser Welt beginnt. Jeder Glockenschlag erinnert an die verrinnende Zeit und lädt zugleich zum Glauben ein.

Jeder Mensch ist neu zum Leben gerufen. Mitten in unserer alten Welt beginnt mit dem Glauben an Jesus Christus etwas Neues. Wir wünschen uns das an vielen Stellen des Lebens und in vielen Lebenslagen: Man müsste nochmals anfangen können. Versagen und Verfehlungen, Schuld und Sünde sollten weggewischt werden. Es müsste einfach noch einmal neu losgehen. Ostern heißt genau das. Christus hat unsere Sünde getilgt und den Schuldbrief zerrissen. Er hat den Tod überwunden und lebt. Klar und kräftig klingen die Osterglocken über Stadt und Land und verkünden auf ihre Weise: „Jesus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Das ist der Ostergruß der ersten Christen. Er verbindet uns über die Jahrhunderte hin und weltweit über alle Grenzen. „Der HERR ist auferstanden!“ Gerade in diesen Tagen, wo so oft von Tränen und Tod berichtet wird, schlagen die Glocken andere Töne an. Sie erinnern uns an das Leben durch die Kraft der Auferstehung. Wo wir mit dieser Kraft gerade anderen Hilfe und Liebe geben, erhält die Welt ein neues Gesicht. Das ist Ostern. Öffnen wir Fenster, Türen und unsere Herzen.

 

Gesegnete Feiertage!

Egmond Prill

 

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