5. Juni 2021
Thüringen

Worte zum Sonntag

Die Taufe ist ein Anker in der Zeit

Foto: Pixabay

Es war eine Schock-Diagnose Mitte Januar: Schwerer ­Magenkrebs, großer Tumor. Innerhalb von zwei Wochen waren acht Kilo weg und die ernsthafte Frage war da: Ist das Testament auf dem aktuellen Stand? Und natürlich die Frage: Warum? Körperlich fit, regelmäßige Vor­sorge, gesunde Ernährung und mit 64 zu jung zum ­Sterben.

Nach diesen Gedanken kam auch die Frage: Wozu, Gott? Mein Taufspruch begleitet mich durchs Leben und stand mir oft vor Augen: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz und lass deinen Augen meine ­Wege wohlgefallen.“ ­(Sprüche 23,26).

Für mich war dieser Bibelvers immer schon eine Zumutung und ein Zuspruch ­zugleich. Er gibt meinem Glauben Halt. Noch mehr, die Taufe ist ein Anker in der Zeit. Taufe auf den Namen ­Jesus Christus bedeutet: Das Leben ist in Gottes Hand eingeschrieben. Wenn Lebensfragen und Glaubenszweifel nagen, hilft der Blick auf diesen Festpunkt. So auch ­mitten in der Krankheit: ­Leben im schlichten Gottvertrauen einerseits und andererseits großes Vertrauen in die Ärzte und die medizinische Kunst. Diese doppelt positive Grundeinstellung hat nach Gebet und intensiver Chemo Wunder bewirkt.

Nach einer großen Operation schreite ich in einen neuen Lebensabschnitt, ­begleitet von meinem Taufspruch. Ich habe einen ­neuen Blick auf mein Dasein und die Erkenntnis: Wirklich wichtig im Leben ist, was in der ­letzten Viertelstunde noch ­Gültigkeit besitzt – der ­Glaube an Gottes Güte. Und die Erwartung, dass dieser ­Moment noch Zeit hat, bis er kommt.

Gesegnete Zeit.

Egmond Prill

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