12. Juni 2021
Thüringen

Worte zum Sonntag

Was verdeckt das Feigenblatt?

Symbolbild: Gerd Zeuner / Repro vom Kinks-Album "Percy"

Der Feigenbaum gab den Menschen die erste Kleidung. Das legendäre Feigenblatt diente zur Bedeckung menschlicher Blöße.

Die ­Bibel erzählt, dass das erste Menschenpaar sich notdürftig hinter Blättern verhüllte. „Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam ver­steckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten.“ (1. Mose 3,7-8).

Eine alte Geschichte. Aber das Feigenblatt ist bis heute ein Begriff für hilfloses Verhüllen. Die wirkliche Lage soll verdeckt werden, damit andere nicht sofort zu viel sehen und erkennen, was ­Sache ist. Man hängt den Dingen ein Feigenblatt vor. Manche unserer Absichten und Verfehlungen wollen wir verstecken, oder? Vor anderen Menschen, vielleicht auch vor dem lebendigen Gott, soll nicht sofort sichtbar werden, was wir wollen oder verzapft haben. Es könnte peinlich werden.

Die Bibel erzählt weiter, wie der Mensch dennoch zur Rede gestellt wird: „Adam, wo bist du?“ Das gibt die Möglichkeit einer erklärenden Antwort ohne Aus­flüchte. Adam hat die nicht gegeben. Der Mensch steht immer wieder an diesem Punkt. Er kann sich selbst ­erklären und verantworten. Dabei geht es nicht um die Unterhose. Wer Fehler ­bekennt, Schuld gesteht und offen ist für Gott, kann die Feigenblätter zum Kompost geben.

 Gesegnete Zeit

Egmond Prill

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