Allegorische Darstellung des Gottesgnadentums des Greizer Fürstenhauses - meinanzeiger.de
29. Mai 2018
Thüringer Vogtland

Allegorische Darstellung des Gottesgnadentums des Greizer Fürstenhauses

Serie: Hohe Kunst

Auf die von dem Putto gehaltene Fürstenkrone treffen die Strahlen des Göttlichen Lichts.

Auf die von dem Putto gehaltene Fürstenkrone treffen die Strahlen des Göttlichen Lichts.

Für diese wunderschönen Decken legen wir gerne ­unseren Kopf in den Nacken und werfen den Blick nach oben. Rainer Koch, Leiter der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz, schaut im Unteren Schloss hinauf zur Decke des Blauen Salons:

„Im Blauen Salon ist seit dessen Restaurierung die Gestaltungsauffassung des ausgehenden 19. Jahrhunderts wieder erlebbar. Das Deckengemälde im Mittelfeld zeigt eine allegorische Darstellung des Gottesgnadentums des Fürstenhauses: Auf die von einem Putto gehaltene Fürstenkrone treffen die aus einer Wolke hervorbrechenden Strahlen des Göttlichen Lichtes. Zwei weitere Putti halten die Initialen „I“ für Fürstin Ida Reuss Aelterer Linie und „H“ für Fürst Heinrich XXII. Reuss Aelterer Linie. Über den Maler des Deckengemäldes kann man bisher leider nichts sagen. Vermutlich wurden Schablonen verwendet. Ende des 19. Jahrhunderts waren Schablonenvorlagen durchaus üblich. Es ist bemerkenswert, wie zahlreich diese in entsprechenden Fachbüchern und Fachzeitschriften der damaligen Zeit Verwendung fanden. Schablonen wurden oftmals durch die ausführenden Handwerker kombiniert und variiert.

Der Blaue Salon befindet sich im Bereich des 1884/85 errichteten Anbaus des Unteren Schlosses, liegt in der Beletage und gehört zu den Repräsentationsräumen. Der Raum wird beherrscht von aufwändigen, reichvergoldeten Stuckornamenten, großen geschnitzten Türen und Fenstern mit verzierten raumhohen Supraporten, Deckenmedaillons, Puttengruppen und Rosenbouquets. Einst war dieser Salon das Wohnzimmer der Fürstin Ida Mathilde Adelheid Reuss Aelterer Linie, Tochter des Fürsten Adolf Georg zu Schaumburg-Lippe, die im Oktober 1872 Fürst Heinrich XXII. Reuss Aelterer Linie heiratete und 39-jährig im September 1891 verstarb.

Nachdem man in den 1960er Jahren die ursprüngliche Raumfassung durch Entfernung der Wandbespannungen aus Damast und die Überstreichung von Decken und Wänden zerstörte, fristete der einstmals so herrschaftliche Raum ein verkanntes Dasein. Im Sommer 2000 begannen die sehr aufweändigen Restaurierungsarbeiten, die im März 2001 abgeschlossen werden konnten. Der Raum wurde am 15. März 2001 feierlich wiedereröffnet.

Der neue Damast wurde in der Seidenweberei Eschke, Crimmitschau, hergestellt. Bei der Fertigung des kostbaren Gewebes orientierte man sich an einer historischen Aufnahme von Hofphotograph Heinrich Fritz aus der Zeit um 1900. Ein sehr schönes Ausstattungsstück des Blauen Salons ist der Kachelofen – ein in Kaminform gestalteter Hinterlader. Er wurde in der Ofenfabrik von Leonhard Hausleiter Nürnberg gefertigt und zeichnet sich durch aufwändige Gestaltung sowie Farbigkeit in Elfenbein und Weinrot mit goldenen Applikationen aus.

Alle Beiträge der Serie „Hohe Kunst“ finden Sie hier!

Auch interessant