28. Juli 2021
Thüringer Vogtland

Aubachtaler Kirche soll verkauft werden

Bis Ende Juli gab es für das Gotteshaus noch keine Kaufanfragen

Die Kirche in Greiz-Aubachtal soll verkauft werden (Foto: Gerd Zeuner)

Stolz überragt neugotische Kirche in Greiz-Aubachtal mit ihrem Turm aus unverputzten roten Ziegelsteinen die umliegenden Gebäude an der Bundesstraße 94. Doch in dem eindrucksvollen Gotteshaus finden keine sakralen Handlungen mehr statt. Mit einem letzten Gottesdienst wurde die Kirche im Juni 2021 entwidmet. Seitdem wird sie zum Verkauf angeboten.

Bereits seit fünf Jahren war die 1897 erbaute Kirche nicht mehr gottesdienstlich genutzt worden. Das sanierungsbedürftige Gotteshaus ist in einem baulichen Zustand, der es der Kirchengemeinde Greiz nicht ermöglichte, es dauerhaft zu erhalten. Die Kirche einem Dritten zur kulturellen Nutzung zu überlassen, wie es 2017 angedacht war, erwies sich als nicht möglich. Auch die Stadt Greiz konnte angesichts klammer Kassen die Aubachtaler Kirche nicht übernehmen. So blieb mit der Entwidmung des Gotteshauses und seinem geplanten Verkauf wohl die einzige Lösung übrig. „Allein im Landkreis Greiz müssen 99 Kirchen erhalten werden. Findet sich keine andere Lösung, suchen wir lieber eine sinnvolle und der Öffentlichkeit dienliche Nachnutzung, anstatt eine Kirche verfallen zu lassen und konzentrieren die Kapazitäten auf die Arbeit mit den Menschen“, sagt Pröpstin Friederike Spengler, Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in Erfurt.

Die Kirche in Aubachtal ist die elfte Kirche, die von der EKM seit der Wende in Thüringen und Sachsen-Anhalt aufgegeben wurde. Für einige der Häuser, deren Erhalt gefährdet war, konnten bereits „kreative Nutzungserweiterungen“ gefunden werden, heißt es dazu von der EKM und nennt als Beispiele die Kulturkirche Weißensee, die Bienen-Garten-Kirche in Roldisleben (beide Kreis Sömmerda) und die Herbergskirche in Neustadt am Rennsteig (Ilm-Kreis). Die Kirche in Roßleben im Kyffhäuserkreis ist jetzt eine Pension.

Unweit von Greiz, im benachbarten Zwickauer Land, ist es die Kulturkirche St. Barbara in Lichtentanne, die seit einigen Jahren von einem Förderverein und dem Liederbuch Zwickau e.V. für regen Konzertbetrieb genutzt wird. Auch das nun entwidmete Gebäude in Aubachtal würde die Kirchengemeinde Greiz gern einer kulturellen Nutzung zuführen. Die Kirche steht demnächst auf dem Immobilienportal der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Verkauf. Nach dem Einholen von Interessenbekundungen von Kaufinteressenten würden Nutzungskonzepte genau verglichen. Der Verkauf sei an von der EKM und dem Gemeindekirchenrat zu formulierende Bedingungen geknüpft.

Bislang haben sich allerdings mit Stand Ende Juli noch keine Kaufinteressenten gemeldet, teilt EKM-Sprecherin Susanne Sobko auf Anfrage mit. Lediglich bezüglich des sakralen Interieurs gibt es Anfragen. Beispielsweise nach der Kanzel. „Dazu hat sich eine Kirchengemeinde aus Leipzig gemeldet. Deren Kirche wurde wie auch das Aubachtaler Gotteshaus nach einem Entwurf des Leipziger Architekten Julius Zeißig gebaut. Und dort wurde die Kanzel wohl im II. Weltkrieg zerstört“, informiert der Greizer Pfarrer Christian Colditz. Bezüglich des von der Greizer Künstlerin Elly-Viola Nahmmacher gestifteten Altars gibt es keine neue Entwicklung. Der soll unbedingt in Greiz bleiben. Eventuell werde er an die katholische Gemeinde gegeben oder auf das Obere Schloss umgesetzt.

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