29. April 2018
Thüringer Vogtland

Auf der Suche nach der Kreuzotter

Im Pöllwitzer Wald lebt die einzige Giftschlange Thüringens

Die Kreuzotter in der behandschuhten  Hand des Reptilienexperten.

Die Kreuzotter in der behandschuhten Hand des Reptilienexperten.

Auf die Suche nach der Kreuzotter gingen die Teilnehmer einer Exkursion am Samstag im Pöllwitzer Wald. Es gab vieles zu entdecken, aber die Schlangen hielten sich versteckt. Als einige die Hoffnung bereits aufgegeben hatten, fand Felix Pokrant doch noch eine Kreuzotter. Schnell griff der Reptilienexperte zu und präsentierte den Exkursionsteilnehmern ein etwa drei Jahre altes männliches Exemplar. 

Etwa 30 Interessenten waren der Einladung der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg zu der naturkundlichen Familien-Wanderung in den Pöllwitzer Wald gefolgt. Die Exkursion stand unter dem Titel „Die Kreuzotter im Pöllwitzer Wald – Der einzigen Giftschlange Thüringens auf der Spur“. Zunächst stellte aber Dr. Elisabeth Endtmann vom ENL-Projekt „Zwergstrauchheiden Pöllwitzer Wald II“ erst einmal die Flora auf der Heidefläche der ehemaligen Lehrgrenze vor. „Vor 20 Jahren betrug die Heidefläche in dem zirka 1.900 Hektar großen Naturschutzgebiet Pöllwitzer Wald noch 33,5 Hektar. Durch Überalterung und Baumbewuchs ist die Heidefläche auf etwa zehn Hektar zurück gegangen“, so die Botanikerin. Denn der Wald erobert sich die einst durch Militärfahrzeuge freigehaltene Flächen durch den Bewuchs von Birken, Fichten und Kiefern zurück. Projektziel sei es, die Heidefläche wieder auf 30 Hektar zu vergrößern. Dafür wurden Abholzungen durchgeführt und es wird eine Mischbeweidung angesiedelt. Zur Zeit sind es Ziegen, die durch Verbiss das Baumwachstum eindämmen sollen. Demnächst kommen noch Schafe und Ponys dazu. Erste Erfolge seien bereits jetzt sichtbar. Nicht nur das Heidekraut soll sich wieder ausbreiten, auch lebende Fossilien bedecken den Boden – die Expeditionsteilnehmer fanden Flachbärlapp und Keulenbärlapp.

Nach den botanischen Entdeckungen und der „Bekanntschaft“ mit den Ziegen ging es mit Felix Pokrant von der Natura 2000-Station „Auen, Moore, Feuchtgebiete“ auf Kreuzottersuche. Der Reptilienexperte erläuterte, dass die Kreuzotter die einzige Giftschlange Thüringens ist, aber niemals von selbst angreift. Die scheue Schlange flüchtet lieber und geht nur zum Angriff über, wenn auf sie getreten oder Jagd auf sie gemacht wird. Auf dem Heidegelände im Pöllwitzer Wald findet sie zwischen Heidekraut, Preisel- und Heidelbeersträuchern sowie Gras nahezu ideale Lebensbedingungen, weshalb sich hier ein bedeutendes Vorkommen entwickelt hat. Allerdings ist das Reptil aufgrund seiner Färbung und seines ruhigen Verhaltens schwer zu entdecken. So fanden die Teilnehmer der Familienwanderung an „verdächtigen“ Stellen erst einmal lediglich Waldeidechsen und Mistkäfer. Doch kurz vor Schluss der Familienwanderung konnte Felix Pokrant eine Kreuzotter präsentieren. Geschützt durch einen dicken Motorradhandschuh hatte der Reptilienfachmann blitzschnell zugegriffen und konnte den Naturfreunden ein etwa dreijähriges Exemplar zeigen. Es handelte sich um eine männliche Kreuzotter, die im Hochzeitskleid auf Brautschau war.

Der Biss der Kreuzotter sei lediglich für alte und kranke Menschen lebensbedrohlich, informierte Pokrant, der selbst auf eine Bisserfahrung durch eine solche Schlange vereisen kann. Nachdem einige Exkursionsteilnehmer das Reptil sogar gestreichelt hatten, die Haut der Kreuzotter fühlt sich samtig warm an, entließ Felix Pokrant das Kriechtier wieder in die Freiheit. 

Die nächste Wanderung mit der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg in den Pöllwitzer findet zum langen Tag der Natur am Freitag, den 8. Juni, statt. Dann geht es um 17 Uhr vom Wanderparkplatz Neuärgerniß in die Heide, wo Heckrinder und Ziegen weiden.

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