14. Mai 2020
Thüringer Vogtland

Der Günthersche Friedhof

Lost Places

Im Tal der Göltzsch, versteckt im Schatten Jahrhunderte alter Buchen, befindet sich etwas oberhalb der ehemaligen Papierfaprik Greiz ein kleiner Privatfriedhof.

Hier fanden Angehörige der Familie Günther, die seit Generationen Inhaber der Papierfabrik unterhalb im Göltzschtal war, ihre letzte Ruhe. Eingefasst in einer mit Moos bewachsenen Mauer befindet sich hinter einem eisernen Tor ein gutes Dutzend einst recht repräsentativer Grabstätten.

Das wahrscheinliche älteste Grabmal ist nur noch schwer zu datieren, auch die Inschrift des Grabsteines lässt sich aufgrund des verwitterten Sandsteins nur noch teilweise entziffern. Wahrscheinlich ist es aber der Grabstein von Christian Tischendorf (1683 – 1753). Dessen Vorfahren  hatten die 1591 von dem Papiermacher Hans Roth begründete Papiermühle 1634 erworben, die bis zum Jahre1808 im Familienbesitz der Tischendorfs blieb.

Am 17.  Februar 1808 kaufte Christian Friedrich August Günther die Papierfabrik von der Witwe des Gottfried Heinrich Tischendorf und begründete damit die Dynastie, die 140 Jahre die Greizer Papierfabrik bis zur Enteignung im Jahre 1948 innehatte.  Letzter Besitzer war Dr. Felix Günther, der 1952 in Duisburg verstarb, aber auch auf dem  Familienfriedhof im Greizer Göltzschtal begraben ist.  Jüngstes Grab ist die Ruhestätte von Ingeburg Günther. Die Witwe von Otto Ferdinand Günther (1901 – 1940) starb 2014 im 100. Lebensjahr und fand an der Seite ihres Mannes ihre letzte Ruhe.

Hintergrund:
Die Greizer Papierfabrik genoss seit Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit einen guten Ruf wegen ihrer hochqualitativen Erzeugnisse. Der Betrieb boomte, in der Papierfabrik Greiz arbeiteten über tausend Menschen. Für die engagierte sich Fabrikbesitzer Otto Günther auch sozial und ließ beispielsweise ab 1908 an der Felix-Günther-Straße, dem heutigen Mitschurinweg, eine Siedlung mit Wohnungen für seine Mitarbeiter bauen. In diesem Zuge entstand auch die große Villa für seine Familie, die sich allerdings nicht lange darin erfreuen konnte. Denn nach dem II. Weltkrieg und der Enteignung der Papierfabrik wurde natürlich auch die Villa Günther verstaatlicht und in eine Pflegestätte für Rentnerinnen und Rentner umfunktioniert. In dem Altersheim „Clara Zetkin“ lebten zu DDR-Zeiten zeitweise bis zu 100 Senioren. Heute befindet sich die Villa in einem desolaten Zustand und ist seit über zwei Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben.

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