8. März 2021
Thüringer Vogtland

Der Krankenhausaufenthalt als besondere Herausforderung

Lebenshilfe setzt sich für die Verbesserung der Situation von Menschen mit Behinderungen im Krankenhaus ein

Falk Schlehahn, hier mit der Vorstandsvorsitzenden Beate Heimerl am Wohnhaus der Greizer Lebenshilfe e.V. in Mohlsdorf, ist seit Oktober 2019 Geschäftsführer des Vereins. (Foto: G. Zeuner)

Der Landesverband Thüringen der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung hat eine Petition für die Verbesserung der Situation Behinderter in Krankenhäusern an den Thüringer Landtag gestellt. Die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen Greiz e.V. unterstützt diese Petition. Ich sprach darüber mit dem Geschäftsführer Falk Schlehahn:

Weshalb unterstützt die Greizer Lebenshilfe die Petition?

Für Menschen mit einer geistigen oder Mehrfachbehinderung stellt der Krankenhausaufenthalt eine große Herausforderung dar. Nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie wirken die fremde Umgebung, dass ihnen unbekannte Krankenhauspersonal und die Behandlungen beängstigend. Darüber hinaus sind ihre Kommunikationsmöglichkeiten oftmals eingeschränkt, sodass sie ihre Symptome, Bedürfnisse und Wünsche nicht ausreichend zum Ausdruck bringen können. Deshalb gestalten sich pflegerische, diagnostische und therapeutische Prozesse schwieriger; zum Teil können sie nicht in ausreichendem Maße durchgeführt werden. In der Petition werden die Landtagsabgeordneten gebeten, sich mit dem Thema zu beschäftigen und Gespräche mit den entsprechenden Stellen aufzunehmen.

Wie könnte die Situation für Menschen mit Behinderungen verbessert werden?

Eine Möglichkeit wäre die Finanzierung von Assistenzkräften, die die Menschen mit Behinderungen ins Krankenhaus begleiten. Das können Eltern und Angehörige, aber auch ihnen vertraute Mitarbeitende der Eingliederungshilfe sein. Die Finanzierung dieser Unterstützung ist bislang nicht geregelt. Weiterhin soll bewirkt werden, dass die Krankenhausbeschäftigten im Umgang mit dieser Patientengruppe sensibilisiert und geschult werden. Bereits in der Ausbildung zum/zur Pflegefachmann/frau sollten die entsprechenden Ausbildungsinhalte implementiert und ausgebaut werden.

Gibt es weitere konkrete Vorschläge?

Ja. So wird in der Petition die Einführung eines spezifischen Aufnahme-, Entlass- und Fallmanagements in den Krankenhäusern empfohlen. Dazu gehören zum Beispiel Vorabgespräche, um die individuellen Unterstützungsbedarfe zu klären oder die Nutzung einer einfachen Sprache/Piktogramme, mit deren Hilfe die Kommunikation erleichtert werden soll. Ein Leitfaden mit entsprechenden Handlungsempfehlungen gibt es bereits. Allerdings ist dieser nicht verpflichtend für die Thüringer Krankenhäuser und wird dementsprechend auch nicht im gewünschten Umfang eingesetzt.

Wieviel Menschen mit Behinderung betreut die Lebenshilfe Greiz e.V.?

Die Lebenshilfe Greiz hat eine Kapazität von 36 Bewohnern zur Betreuung von behinderten Menschen in einem stationären Wohnhaus in Mohlsdorf-Teichwolframsdorf und eine Kapazität von sechs Personen in einer Außenwohngruppe in Greiz.

Wie kann man die Petition unterstützen?

Die Petition zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Behinderungen in Krankenhäusern und im Sinne der Krankenhausbeschäftigten – die oftmals einfach nicht die Zeit und die spezifischen Kenntnisse im Umgang mit dieser Patientengruppe haben  – kann online mitgezeichnet werden. Die Mitzeichnung der Petition ist bis zum 12. April 2021 auf der Petitionsplattform des Thüringer Landtages möglich (https://petitionen.thueringer-landtag.de/petitions).

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