9. März 2021
Thüringer Vogtland

Eiche erinnert an grausige Tat in Moschwitz

dav

Die Eiche auf der Moschwitzer Höhe scheint ihre in dieser Jahreszeit kahlen Äste klagend in den Himmel zu strecken. Der über hundert Jahre alte Baum ist weithin sichtbar. Und tatsächlich erinnert er an eine grausame Tat, die im ausgehenden 19. Jahrhundert genau an jener Stelle geschah, an der er einst gepflanzt wurde.

Es war die Nacht vom 15. zum 16. August des Jahres 1897, in der ein junger Mann auf dem alten Weg der Gosterstraße in Moschwitz Richtung Tremnitz sein Leben lassen musste. Franz Louis Daßler, er war wenige Tage zuvor 27 Jahre alt geworden, wurde von einem offensichtlich geistig verwirrten Mann bestialisch umgebracht. Der Täter war noch jünger als sein Opfer. Er wurde noch in der gleichen Nacht von einem aus Wellsdorf kommenden Radfahrer gesehen. Der berichtete dies zwei Gutsbesitzern, weil der Mann völlig nackt war und ihn auch angerufen hätte. Die Moschwitzer machten sich auf die Suche nach dem nackten Mann und fanden stattdessen den grässlich verstümmelten Leichnam des Franz Louis Daßler. Er war schrecklich zugerichtet: „Die rechte Kopfseite, Kiefer, Nase und Stirn waren zertrümmert, am Hinterkopf befand sich ein großes Loch und an der Hand eine tiefe Schnittwunde“, berichten historische Quellen. Da von seinen Habseligkeiten nichts entwendet wurde – unter anderem befanden sich am Tatort noch die Tasche des Opfers und seine Geldbörse mit 1,30 Reichsmark –, ging man nicht von einem Raubmord aus.

Noch am gleichen Morgen wurde der nackte Mann nur drei Kilometer vom Tatort entfernt im sächsischen Noßwitz aufgegriffen und festgenommen. Bei dem etwa Zwanzigjährigen handelte es sich um den Stellmacher Hahn, der als Gehilfe bei einem Stellmacher in Naitschau arbeitete. Hier war er am Tag vor der Tat „plötzlich geisteskrank“ geworden, wie Augenzeugen berichteten. Sie hatten ihn vor seiner Kammer knieend mit wirren Worten den Heiland anrufend aufgefunden. Dann sei er davon gelaufen.

Etwa zwei Wochen zuvor sei Hahn von einem Moschwitzer Stellmacher abgewiesen worden. Ob das die Ursache für seinen plötzlichen Irrsinn war, bleibt genauso Spekulation wie die Strafe, zu der er verurteilt wurde. Denn weder über die Verhandlung noch die Verurteilung des Täters konnte bislang etwas in historischen Unterlagen gefunden werden. Zeitungen von damals berichteten lediglich von der „Tat eines Irrsinnigen“, nachfolgende Gerichtsberichte sind aber nicht bekannt. Über Informationen würde ich mich freuen!

Das Opfer, Franz Louis Daßler, war ein aus Pausa stammender Fabrikarbeiter, dessen Eltern schon verstorben waren und der wiederholt im Armenhaus lebte. Warum er in der Nacht zum 16. August 1897 unterwegs war, ist unbekannt. Er wurde in Caselwitz beerdigt, da er innerhalb des Caselwitzer Kirchensprengels gefunden wurde. Zum seinem Gedenken haben Moschwitzer Bürger nicht lange nach dem grässlichen Verbrechen eine Eiche an dem Ort des grausigen Geschehens gepflanzt, die noch heute an die schreckliche Tat vor 124 Jahren erinnert. Anlässlich des 575-jährigen Ortsjubiläums von Moschwitz, das 1922 nach Greiz eingemeindet wurde, haben Einwohner des Ortsteils vor zwei Jahren eine Gedenktafel an dem Baum angebracht.

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