19. Mai 2020
Thüringer Vogtland

Ein Landkreis geht in S(i)uppenhaft – Mahnwache in Greiz

Das Ehepaar Schäfer (li.) von der Vereinsbrauerei Greiz unterstützten die Aktion der Greizer Gastronomen. (Foto: Gerd Zeuner)

Mit einer Mahnwache haben Greizer Gastronomen, unterstützt durch zahlreiche Einwohner der Stadt, einen besseren Umgang seitens der Thüringer Landesregierung mit den Inhabern und Betreibern gastronomischer Einrichtungen im Landkreis Greiz gefordert.

Die Teilnehmer, unter ihnen Bürgermeister Alexander Schulze und der Landtagsabgeordnete Christian Tischner, bildeten eine Menschenkette vom Kreisverkehr an der Freiheitsbrücke in Richtung Greizer Innenstadt. „Um zu unterstreichen, dass die Aktion ‚Leere Stühle‘ nicht ins Leere führen darf, und darauf hinzuweisen, dass die den Hammer führende Hand der Landesregierung die symbolisch abgegebenen Löffel gerade zu Sargnägeln einer ganzen Branche umschmiedet, möchten wir uns solidarisch zeigen und im gebührenden Abstand ‚Schulter an Schulter‘ mit den Leidtragenden stehen“, hieß es dazu in der Ankündigung der Aktion. Bei dieser wurden die beauflagten Hygiene-Bestimmungen wie das Einhalten des Sicherheitsabstandes und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz größtenteils eingehalten. Zudem ließen sich nicht wenige in die Teilnehmerlisten eintragen, um ein eventuelles Infektionsgeschehen zurückverfolgen zu können, und

Bürgermeister Alexander Schulze (l.) und Landtagsabgeordneter Christian Tischner (5.v.l.).) reihten sich in die von Martina Högger (re.) mitorganisierte Menschenkette ein. (Foto: Gerd Zeuner)

Da es sich bei der Aktion um eine angemeldete Mahnwache ohne Kundgebung handelte, erfolgten auch keine Ansprachen. Dafür kommunizierten die Organisatoren Stephan Marek und Martina Högger gemeinsam mit den Gastronomen in Zwiegesprächen ihr Anliegen und wandten sich über die sozialen Medien direkt an den Thüringer Regierungschef:

„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Bodo Ramelow. Wir bitten Sie hiermit nachdrücklich, die verhängten Einschränkungen für den gesamten Landkreis gegen die Gastronomie aufzuheben. Die Feuerwehr würde auch nicht ganz Erfurt fluten, nur weil es in Ihrem Ministerium brennt. Bitte verfolgen Sie stattdessen das Infektionsgeschehen bis auf die kleinstmögliche Einheit zurück und verhängen Sie hier verständliche und sinnvolle Maßnahmen.“

Weiter heißt es in der Beschreibung der „Ein Landkreis geht in S(i)uppenhaft“ betitelten Aktion:

Man kann in diesen Tagen über vieles streiten. Manches ist notwendig, anderes kann man anzweifeln. Und wohl niemand von uns kann sich anmaßen, zu sagen, wie es besser gegangen wäre. Jeder Infizierte und vor allem jeder Tote ist einer zu viel!

Es ist allerdings nicht nachvollziehbar, aufgrund welcher Basis das Konstrukt „Landkreis“ als Gebiet für zu erlassende Maßnahmen gegen die Öffnung der gastronomischen Einrichtungen bei Überschreitung der Schwelle der Neuinfizierungen ausgewählt wurde.

Das Infektionsgeschehen im Landkreis Greiz ist hauptsächlich in sechs Pflegeeinrichtungen erhöht. Um die Ausbreitung weitgehend einzudämmen werden seit dem 01.05.2020 in den genannten Einrichtungen intensive Testreihen vorgenommen. Diese Testungen treiben die Zahlen des Landkreises logischer Weise in die Höhe, sind jedoch klar abgrenzbar und damit kontrollierbar.

Die Kurzfristigkeit, mit der die Lockerungen des Landes Thüringen im Bereich der Gastronomie rückgängig gemacht wurden, macht uns fassungslos. Weniger als 24 Stunden nachdem die Gastronomen ihre Lokale vorbereitet, Einkäufe erledigt und Mut gefasst haben, bereit waren, für die eigene Existenz und die ihrer Angestellten und Zulieferer vollen Einsatz zu zeigen, wurde ihre Hoffnung durch dieses undurchdachte Exempel zerstört.

Diese von der Landesregierung eingebrockte Suppe schmeckt uns nicht!

Gastronomie ist eines der wichtigsten Kulturgüter unseres Landes, aber wird gerade einmal mehr sehenden Auges in irreversible Existenznöte getrieben.

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