Greizer Brauereichef verhalten optimistisch - meinanzeiger.de
14. Januar 2021
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Greizer Brauereichef verhalten optimistisch

Interview mit Thomas Schäfer, Inhaber der Vereinsbrauerei Greiz

Thomas Schäfer an einem Palettenstapel mit dem neuen Greizer Honigbier. (Foto: Gerd Zeuner)

Thüringer Biere sind beliebt. In den ersten neun Monaten des Vorjahres wurden davon rund 2,4 Millionen Hektoliter verkauft. Das waren 5,6 Prozent mehr als in den ersten neun Monaten 2019. Dann kam der Einbruch im vierten Quartal: Keine Weihnachtsmärkte und der erneute Lockdown mit der Schließung aller gastronomischen Einrichtungen ließen den Bierabsatz einbrechen. Wie die Bilanz für die Vereinsbrauerei Greiz aussieht und was der Traditionsbetrieb dieses Jahr erwartet, darüber sprach ich mit Brauereichef Thomas Schäfer.

Wie sieht Ihre Bilanz für 2020 aus?

Bei den Fassbieren haben wir natürlich erhebliche Einbußen zu verzeichnen, weil ja die ganzen Sommerfeste und Großveranstaltungen weggefallen waren. Auch die größeren Kunden, die sonst jeden Monat mehrere Lastzüge mit unseren Bieren für die Gastronomie beispielsweise nach Berlin geholt haben, mussten ihre Abnahmemengen reduzieren, da ja Gaststätten und Restaurants mehrere Monate zu waren. Beim Flaschenbier hat sich die Abnahmemenge im Vergleich zu 2019 in etwa die Waage gehalten. Es ist also nicht so, dass wir durch den Rückgang des Fassbierabsatzes mehr Flaschenbier verkauft haben. Das ging jedenfalls uns so und sicher auch vielen anderen kleinen Brauereien.

Weshalb?

Die nationalen Marken haben in den Supermärkten mit Dumping-Preisen agiert, um durch den Mehrverkauf von Flaschenbieren den Absatzverlust des Fassbieres zu kompensieren. Das hat vielleicht funktioniert, aber was dabei unter dem Strich als Erlös übrig geblieben ist, bleibt das Geheimnis der Großbrauereien. Kleine Brauereien können mit dem Preisdumping nicht mithalten.

Das neue Schwarzbier der Vereinsbrauerei Greiz wurde ja voriges Jahr von einer großen Zeitung als zweitbeliebtestes Bier ausgezeichnet. Hat das eine Auswirkung auf die Nachfrage gehabt?

Ja, das hat einen richtigen Schub gegeben. Der Absatz unserer „Schwarzen Perle“ hat nochmal deutlich zugelegt. Wir sind jetzt auch an Märkten dran, in denen wir bisher nicht vertreten waren. Beispielsweise führen wir im Ruhrgebiet und in Hessen Verhandlungen, dass unser Schwarzbier dort bei verschiedenen Lebensmitteleinzelhändlern gelistet wird. Das ist ein kleiner Lichtblick für uns in der gegenwärtigen Situation.

Ist auch das jüngste Produkt Ihres Hauses, das Honigbier, ein Lichtblick?

Tatsächlich, seit wir im November mit der Produktion unseres Honigbiers begonnen haben, steigt die Nachfrage stetig an. Unser „Füllhorn“  ist zwar ein Nischenprodukt und recht hochpreisig, erfreut sich aber wachsender Beliebtheit. So ist es bei einem Großhändler im Rhein-Ruhr-Gebiet gelistet, wo wir jetzt die Möglichkeit haben, mit unserem Honigbier in 4.000 Märkten präsent zu sein. Aber auch bei uns in der Region hat das neue Bier sehr gut eingeschlagen. Es ist bei Greizer Getränkefachhändlern und im Spektrum-Getränkemarkt erhältlich.

Wie würden Sie die gegenwärtige Situation der Vereinsbrauerei beschreiben?

Uns fehlen die Fassbierabsätze Ende vorigen Jahres, weil die ganzen Weihnachtsfeiern in der Gastronomie wegfielen und keine Weihnachtsmärkte stattfanden. Sonst sind der November und Dezember immer mit die absatzstärksten Monate, was das Fassbier betrifft. Jetzt im Januar und Februar wird generell weniger Fassbier verbraucht. So dass wir im Moment etwas durchatmen können. Wir hoffen auf den Frühling.

Mussten Sie Mitarbeiter entlassen oder Kurzarbeit für die Belegschaft anordnen?

Wir waren in der glücklichen Lage, dass wir voriges Jahr durchgehend produzieren konnten und unsere 27 Mitarbeiter und unseren Lehrling nicht nach Hause schicken mussten. Allerdings mussten während der Schließung in der Gastronomie unsere drei Außendienstmitarbeiter, die keine Kunden besuchen durften, in Kurzarbeit gehen. Aber sonst konnte unsere Belegschaft durchgehend arbeiten, auch weil wir beispielsweise im Großraum Berlin einige neue Kunden gewinnen konnten und unser Betrieb dadurch einigermaßen ausgelastet war.

Können Sie die Vollbeschäftigung aufrecht erhalten?

Im Moment ja. Wir brauchen unsere Mitarbeiter. Und ich gebe ja die Hoffnung nicht auf, dass vielleicht Ende März, wenn auch sonst das Geschäft immer wieder richtig losgeht, der Absatz wieder Fahrt aufnimmt. Ich hoffe, dass spätestens im Frühjahr die gastronomischen Einrichtungen öffnen und alles wieder ein bisschen normal wird. Dabei setze ich auch auf die Schutzimpfungen, auch wenn das von der Politik eher suboptimal durchorganisiert wird. Vielleicht haben wir auch Mitte des Jahres Glück, dass wir dann wieder Sommer- und Vereinsfeste beliefern können.

Sie sind also optimistisch, was dieses Jahr für Ihre Traditionsbrauerei bereit hält?

Naja, ich würde sagen, ich bin verhalten optimistisch. Für unsere Brauerei gehe ich mit vorsichtigem Optimismus davon aus, dass wir 2021 wieder positive Hektoliterzahlen schreiben können.

Info

Die Vereinsbrauerei Greiz bildet jährlich einen jungen Brauer und Mälzer aus. Für 2021 ist dieser Ausbildungsplatz noch frei. Interessenten können sich über greizer.de an die Geschäftsleitung wenden.

 

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