Greizer Körperwelten – wie alles begann - meinanzeiger.de
25. August 2020
Thüringer Vogtland

Greizer Körperwelten – wie alles begann

Die Schwester von Gunther von Hagens erinnert sich

„Der Lehrling und sein Meister“ (Foto: Sunhild Matern)

Greiz. Die Ausstellung „Greizer Körperwelten“ des Plastinators Gunther von Hagens lockt seit Ende Juni zehntausende Besucher in die Ostthüringer Kreisstadt. Hier in Greiz verbrachte von Hagens, der damals noch Liebchen hieß, seine Kinder- und Jugendjahre. Deshalb sei die Ausstellung in seiner „Heimatstadt eine Herzensangelegenheit“, wie der Plastinator zur Eröffnung der Schau sagte. Seine Schwester Sunhild Matern erinnert daran, wie es nach vielen Bemühungen schließlich gelang, die Körperwelten nach Greiz zu holen:

Wie alles mit den Körperwelten für Greiz begann. Zur Erinnerung an Corina Gutmann, bis zu ihrem frühen Tod Leiterin der Kreis- und Stadtbibliothek Greiz.

Im März 2005 lud die damalige Leiterin der Bibliothek Frau Corina Gutmann (verst. am 31.03.2020) Gunther von Hagens ein, um das Buch „Der Grenzgänger“, erschienen zu seinem 60. Geburtstag, vorzustellen. Im Rathaus war man gar nicht begeistert, aber Corina setzte alles auf eine Karte. Sie erzählte später, dass sie mit Herzklopfen zur Veranstaltung ging. Entweder Flop oder Top. Es wurde ein riesiger Erfolg für ihre Hartnäckigkeit, denn Gunther sagte sofort zu und bescherte der Stadt Greiz einen unbeschreiblichen Abend.

Am 23. März 2005 kamen etwa 600 Zuhörer zu der Lesung. Da die Bibliothek zu klein war – es hatten sich schon viele Interessenten angekündigt –, fand die Lesung im Kino statt. Dort verfolgten zirka 600 Zuhörer im großen Saal, im kleinen Saal und bei der Live-Übertragungen im Foyer und der Kino-Passage die Lesung. Anwesend war auch Georg Czerwenka (verst. am 30.06.2014), bei dem Gunther von Hagens als Jugendlicher in der Apotheke gearbeitet hatte. Dieses Zusammentreffen inspirierte mich zu der Gestaltung des Fotos „Der Lehrling und sein Meister“.

Im Anschluss an die Lesung schenkte Gunther der Bibliothek viele, auch nicht mehr lieferbare, medizinische Publikationen.  So entstand die Idee vom Aufbau der Regional-Sammlung.

Am 30. September 2006 erfolgte im Rahmen des Greizer Treffens und dem Tag der offenen Tür der Bibliothek die Übergabe der Gunther-von-Hagens-Sammlung an die Öffentlichkeit. Um die Ausstellung zu präsentieren, hatte die Bibliothek in der Regionalabteilung ein Regal bauen lassen und einen Plakatständer angeschafft. Bibliothekarisch aufgearbeitet hat den Bestand eine Mitarbeiterin, sozusagen das erste Projekt nach ihrem Facharbeiterabschluss

Die Regionalabteilung ist ein gesonderter Bestand innerhalb des Hauses, der nicht entliehen wird, eine Abteilung zur Sammlung von Medien zur Region bzw. zu Menschen aus der Region. Die Bestände werden im Computer erfasst und sind im www sichtbar.

Viele Jahre versuchten wir – Gunthers Schwester, unser Papa und ich als die jüngste Schwester von Gunther von Hagens –, über das Rathaus und das Greizer Krankenhaus, in dem Gunther, unsere Mutti und ich gearbeitet haben, für eine Akzeptanz von Gunthers Arbeit zur Unterstützung einer Ausstellung zu werben. Besuche und Gespräche mit dem ärztlichen Direktor und den amtierenden Bürgermeistern liefen regelmäßig ins Leere.

Erst mit unserem neuen Bürgermeister, Alexander Schulze, konnte wieder Fahrt aufgenommen werden. Schon während seiner Wahlkampfphase zur Wahl als Bürgermeister kamen wir ins Gespräch und ich spürte die Begeisterung für dieses Thema. Am 15. April 2018 wurde Alexander Schulze zum Bürgermeister gewählt und von Anbeginn seiner Amtszeit war sein Ziel, die Körperwelten nach Greiz zu holen.

Mehrere Gespräche, Ideen und die Suche nach Objekten begannen. Am 19. September 2018 fuhren wir – Alexander Schulze, Michael Czerwenka und ich – nach Guben. Es war der Anfang eines zielstrebigen Weges, um die Ausstellung hier zu etablieren. Ausgehend zunächst von einer kleinen Ausstellung kam Gunther von Hagens im Oktober 2018 nach Greiz, um sich die Räumlichkeiten auf dem Oberen Schloss anzusehen. Wegen der ungünstigen Erreichbarkeit, der Steigung um zum Schloss hochzukommen, Problemen für die Anfahrt Lkw mit den Plastinaten, der Parksituation und der beengten Straßenverhältnisse wurde weiter über andere Möglichkeiten nachgedacht und schließlich die Eislaufhalle als möglicher  Ausstellungsort favorisiert. Die Planung von Gunther von Hagens, eine einmalige Ausstellung zu schaffen, die sein Lebenswerk im breiten Spektrum zeigt, konnte in der Eislaufhalle umgesetzt werden.

Es ist geschafft! Die „Greizer Körperwelten“ sind am 27. Juni 2020 erfolgreich gestartet und zogen bereits viele Besucher aus nah und fern in unsere schöne Stadt!

Ich möchte hier allen danken, die sich über die vielen Jahre darum bemüht haben, dass Gunther von Hagens eine Ausstellung in Greiz präsentiert. Stellvertretend dafür möchte ich Corina Gutmann und Georg Czerwenka danken, die leider diesen großen Erfolg, nicht mehr erleben können. Ich danke auch Jan Popp, der während seiner Zeit im Stadtrat für die Ausstellung  von Gunther gekämpft hat.

Die Ausstellung geht bis zum 27. September 2020.

 

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