22. Februar 2019
Thüringer Vogtland

Hofmeir verzauberte nicht nur mit virtuoser Tubakunst

6. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie

„So einen Typen müssten wir öfters zu Gast haben“ – dies nur einer der verschmitzten Kommentare, die von den Besuchern des 6. Sinfoniekonzertes der Vogtland Philharmonie im Neuberinhaus zum konzertanten Leckerbissen des Abends zu hören waren. Sie bezogen sich auf den Auftritt des derzeit populärsten Tubisten Europas Andreas Martin Hofmeir, der das für ihn komponierte Solokonzert für Tuba und Orchester von Jörg Duda vorstellte.

Hatte der Tuba-Virtuose schon in der Konzerteinführung für Heiterkeit und Lachsalven gesorgt, so war auch der Auftritt zum Konzert eine typische Hofmeir-Präsentation: Natürlich wie immer barfuß, locker vom Hocker, die schwere Tuba wie eine Violine hin und her wiegend, sofort den Fokus auf sich ziehend. Dies kombinierte er jedoch nach Einsatz seiner ersten Solopassagen mit einer bestechenden Spielfertigkeit und Tonkultur auf seiner Markneukirchner Lieblingstuba, womit er das Publikum sogleich in seinen Bann zog. Es mag die Exotik, die Tuba als konzertanten Solopart zu erleben, an sich schon für außergewöhnliche Aufmerksamkeit sorgen, doch dies ersetzte Hofmeir von Beginn an mit seiner beeindruckenden Spielkultur, mit der er dem größten Blasinstrument einen Reichtum an Tonpalletten vom blaffenden Bass bis in die romantische Zartheit entlockte, rasante Läufe und schwierige Intervallsprünge geradezu spielerisch bewältigte, als ob es keine besonderen Ansatzprobleme bei diesem in der Tongebung so schwierig zu beherrschenden Instrument gäbe – einfach genial, entwaffnend. Seinem Spiel kam entgegen, dass der Komponist Jörg Duda ihm dieses Werk quasi in die Finger geschrieben hatte – vielfarbig und differenziert durchgearbeitet der Orchestersatz, ein durchaus anspruchsvoller Kontrapunkt zum Tuba-Part, der im gemeinsamen Konzertieren sehr schöne Ausdruckskontraste anbot. Dominant das bis in den Schlusssatz präsente Hauptthema – eine Melodie zum Pfeifen, effektvoll der Wechsel von Walzer-Feeling zum Quickstepp-Sound im Kopfsatz, eine herrliche Kantilene im langsamen Satz – der Tuba-Klang in der Nähe eines lyrischen Tenor-Sax, der Höhepunkt sicher der virtuose Schlusssatz mit seinen humoristischen Momenten. Den begeisterten Applaus des Publikums quittierte Hofmeir erwartungsgemäß mit ein paar spontanen Kabarett-Sprüchen, aber auch mit der Zugabe einer von ihm geliebten Version der Flöten-Fantasie Nr. 2 von Telemann.

In der Ouvertüre zum Konzertabend glänzte der Bläserchor der Philharmonie mit Richard Strauss‘ Serenade Es-Dur op. 7. Sehr schön und attraktiv gelang diese Präsentation – die 13 Philharmoniker standen im Karree auf der Vorderbühne, endlich einmal allein im Fokus der Aufmerksamkeit. Weich und vollmundig kam diese Bläserserenade von der Bühne, sicher auch das Erstaunen so manchen Besuchers weckend: Diesen schön instrumentierten Satz voller harmonischem Reichtum hat Richard Strauss mit kaum 17 Jahren geschrieben!

Für einen weiteren Höhepunkt dieses Abends sorgte am Ende die durchweg gelungene Interpretation der 3. Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy, der berühmten „Schottischen“. Es mag sein, dass solch großartige Sinfonien quasi wie Selbstläufer in der Gunst des Publikums ankommen, der Beifall kann und sollte zunächst auch als Würdigung des Werkes verstanden werden. Dennoch beeindruckte auch, mit welcher Konzentration die Philharmonie musizierte, den interpretatorischen Intentionen ihres Chefdirigenten David Marlow folgte. Stand über der Gesamtinterpretation das Primat des Melodischen – beispielgebend und verzehrend schön die Exposition des herrlichen Adagio-Themas im 3. Satz!, so gerieten das Scherzo und der Finalsatz zu echten Highlights dieser Darbietung: der 2. Satz mit herausforderndem Tempo und echter musikantischer Musizierfreude – wunderschön der Klarinettenpart, das gesamte Holz, der Schlusssatz – eine kompakte, glaubwürdige Apotheose des gesamten Ensembles. Das Publikum honorierte dies zu Recht mit reichem Applaus, und Bravorufen.

-veho-

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