10. Oktober 2017
Thüringer Vogtland

Igel im Herbst – aufnehmen oder nicht?

Igelschutz

Im Garten meiner Nachbarn haben sich vier Jungigel aufgemacht, die Welt ohne Mama Igel zu erkunden. Genussvoll kauten sie auf allem herum, was ihnen vor die Nase kam. Kleine Igel entdecken auf diese Weise, was genießbar ist und was nicht. 

Käfer, Ameisen, Regenwürmer, Schnecken, Larven oder Reste toter Mäuse und Vögel – Anfang September finden Igel noch reichlich Futter. Um zu überwintern, müssen sich junge Igel jedoch auch reichlich Speck und ein Mindestgewicht von 500 Gramm anfressen. Nimmt Mitte Oktober das Nahrungsangebot deutlich ab, wird es Zeit, dass sich der Igel ein wettergeschütztes Nest baut. Dabei ist er sehr genügsam. In Erdmulden, unter Hecken und Sträuchern, sowie in Laub-, Reisig- und Holzhaufen findet er ausreichend Unterschlupf.

Igelmännchen ziehen sich früher als Weibchen und Jungtiere zurück. Bei normaler Witterung bereits Ende Oktober. Die Jungigel versuchen weiterhin, an Gewicht zuzulegen. Doch ein paar Wochen später, wenn die Bodentemperaturen beständig um null Grad liegen, beginnen alle Igel ihren Winterschlaf. Sie rollen sich zu einer Kugel zusammen und reduzieren ihre Körperfunktionen auf ein Minimum. Bis auf kurze Unterbrechungen verschlafen Igel die kalte Jahreszeit bis in den März oder April.

Sind verspätete Jungtiere im November tagsüber noch unterwegs, sollten sie nicht aus falsch verstandener Tierliebe einfach aufgenommen werden. Nur auffallend unterernährte oder kranke Igel sollten versorgt und einer Igelstation übergeben werden. Rufen sie im Zweifelsfall eine Igelstation an und lassen sie sich beraten.

Der Wechsel zwischen den Wachzeiten zur Nahrungsaufnahme und der eigentlich benötigten Winterruhe macht den Igeln oft zu schaffen. Leider überleben deshalb auch in Igelstationen nicht alle Tiere. Dennoch ist es hilfreich, im Ernstfall den Tieren eine Überlebenschance zu geben. 

Die Igelstation im Tiergehege Zeulenroda bereitet sich Ende Oktober wieder auf die stachligen Gesellen vor. Es gibt hier Platz für acht Igel, im Notfall lassen sich auch ein paar mehr unterbringen. Michael Roth vom Förderverein Tiergehege berät sie gern.

Mail: tiergehege_zr@t-online.de
Mobil:  0171-9975601

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