9. Juli 2020
Thüringer Vogtland

Inklusion im Blick

Deutschlands erste inklusive Wanderausstellung ist im Foyer des Schleizer Landratsamts zu erleben

„Die Mutigen“ sind die Portraits überschrieben, die Menschen zeigen, die durch den Contergan-Skandal mit fehlgebildeten Gliedmaßen auf die Welt kamen. Bei der Ausstellungseröffnung las Anette Morhard, Geschäftsführerin des Bildungswerks der Thüringer Wirtschaft, stellvertretend aus einzelnen Erfahrungsberichten der Portraitierten vor. (Foto: Alexander Hebenstreit / Pressestelle Landratsamt)

Schleiz. Mit der Wanderausstellung „Inklusion im Blick“ wird im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, das zwar immer wieder in der Öffentlichkeit steht, aber doch immer wieder einen Sonderstatus einnimmt, statt einfach Normalität zu sein. Auch mehr als ein Jahrzehnt nach Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention ist die inklusive Gesellschaft mehr Vision als Wirklichkeit. Noch mehr als Stufen trennt eine Barriere in den Köpfen Behinderte von Nichtbehinderten.

Genau hier setzt die Ausstellung an, die am gestrigen Mittwoch im Beisein von Joachim Leibiger, Beauftragter der Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, eröffnet wurde und aus zwei Teilen besteht. Der erste Teil zeigt verschiedene Werke – darunter ein Bild, das auch Plastikmüll aus dem Meer entstand – , die zur Bewusstseinsbildung und dem Abbau von Barrieren dienen, wie Anette Morhard vom Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft bei der Ausstellungseröffnung erklärte. „Es gibt nicht die eine Botschaft. Die Bilder geben Anlass ins Gespräch zu kommen.“

Der zweite Teil der Ausstellung ist geprägt durch den Dokumentarfilm „Nobody’s Perfect“ von Niko von Glasow. Er rückt Menschen in den Mittelpunkt, die durch das Medikament Contergan, das viele Frauen während der Schwangerschaft einnahmen, mit fehlenden oder fehlgebildeten Gliedmaßen auf die Welt kamen und trotz des Handicaps ihren Weg gemacht haben. Die Portraits reißen die Unsichtbare Barriere zwischen Betrachtern und Betrachteten ein, Berichte der Dargestellten geben einen Einblick in deren Alltag. Im Vordergrund steht dabei der Mensch und nicht die Behinderung. Stellvertretend zitierte Anette Morhard zur Eröffnung die erfolgreiche Dressurreiterin Bianca Vogel, die den Betrachter unter anderem wissen lässt: „Ich trage Contergan jeden Tag wie eine Last auf meinen Schultern.“

Mit Hilfe der Smartphone-App „Inklusion im Blick“ kann die Ausstellung nicht nur besichtigt, sondern mit allen Sinnen erlebt werden. Beispielsweise kann man sich die Erfahrungsberichte der contergan-geschädigten Menschen sowie die Informationen und Beschreibungen zu den Bildern – auch in einfacher Sprache – vorlesen lassen.  „Man sollte sich die Zeit nehmen, diese Ausstellung zu sehen, zu hören und zu erfahren“, schloss Anette Morhard.

Zu erleben ist „Inklusion im Blick“ im Foyer des Schleizer Landratsamts bis zum 28. August. Ein Termin für eine geführte Besichtigung mit einer Gruppe kann per E-Mail an die Ausstellungsorganisatorin und Gleichstellungsbeauftragte des Landratsamtes, Nadine Hofmann (gleichstellung@lrasok.thueringen.de), vereinbart werden.

 

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