Massentests im Landkreis Greiz: "Die sollten sich schämen!" - meinanzeiger.de
4. Mai 2020
Thüringer Vogtland

Massentests im Landkreis Greiz: „Die sollten sich schämen!“

Anstehen für die Tests: Vor der Abstrichstelle am Landratsamt Greiz mussten die Betroffenen bei Regen und Kälte bis zu zweieinhalb Stunden warten. (Foto: Privat)

Die Massentests am Wochenende in stationären Pflegeeinrichtungen des Landkreises Greiz sorgten bei allen Beteiligten für Unmut.

In einer für Thüringen auch in ihrer Kurzfristigkeit bislang einmaligen Aktion sind vom 1. bis 3. Mai im Landkreis Greiz in fünf stationären Pflegeeinrichtungen in einem Massentest Bewohner, Pflegekräfte und Patienten sowie das Personal der Fachklinik für Geriatrie in Ronneburg auf das Corona-Virus getestet wurden. Zwei mobile Abstrichteams testeten in den Einrichtungen, Pflegekräfte waren aufgefordert, sich in den Abstrichstellen in Greiz und Ronneburg. In Summe wurden an diesen Tagen an die 1000 Abstriche genommen. Die Bearbeitung und Auswertung der Ergebnisse dauern noch an. Abschließende Ergebnisse sind nicht vor Montag zu erwarten.

Insbesondere die Kurzfristigkeit der Aktion, die am Vorabend des 1. Mai angekündigt wurde und sowohl die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes als auch und vor allem die betroffenen Pflegeeinrichtungen völlig überrumpelte, sorgte für Unmut bei nahezu allen Beteiligten.

Anstehen und Warten an der Abstrichstelle am Greizer Landratsamt. (Foto: Privat)

„So wird mit Pflegepersonal umgegangen: Man bekommt eine SMS und hat sich zum Testen im Landratsamt einzufinden. Bei Regen und Kälte, keine Toilette, bis zweieinhalb Stunden Wartezeit, ein Arzt für drei Pflegeheime“, so eine Betroffene: „Die sollten sich schämen, man kann nur noch mit dem Kopf schütteln.“

Landrätin Martina Schweinsburg dazu: „Der Landkreis Greiz hatte am 21. April im Landesverwaltungsamt Hilfebedarf angemeldet und Testteams angefordert, da sich ein verstärktes Ausbruchgeschehen in stationären Pflegeeinrichtungen abzeichnete. Dieser Hilfeanforderung wurde am 27. April gegenüber dem Landeskrisenstab erneuert.  Wir wollten klare Verhältnisse im Interesse der Mitarbeiter und Bewohner der Heime. Doch wie das dann gelaufen ist, das hat in meinen Augen die Grenzen des Machbaren überstiegen. Da spreche ich sowohl für meine Mitarbeiter, als auch für die Pflegeeinrichtungen, die innerhalb von wenigen Stunden ihr gesamtes Personal zum Testen schicken mussten. Man bedenke, dass in solchen Einrichtungen im Schichtdienst gearbeitet wird und schon deshalb nicht jeder und zu jeder Zeit greifbar ist. Haben die anordnenden Stellen überhaupt auch nur einen Moment über die Konsequenzen ihrer Aktion nachgedacht und dass damit Ängste und Panik geschürt werden? Denn es bestand ja überhaupt keine Chance mehr, vorab über Sinn und Zweck des Massentests in der Öffentlichkeit zu informieren. Da muss sich niemand wundern, wenn das Verständnis für solche Aktionen gegen null geht. Auch ich habe nicht das geringste Verständnis für diese überfallartige Nacht-und-Nebel-Aktion, die die Akzeptanz staatlichen Handelns in keiner Weise gefördert haben dürfte.“

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