27. Oktober 2021
Thüringer Vogtland

Mit dem Traktor zum Großglockner

Der Dörtendorfer Frank Pohl legte im September mit seinem ZT 323 A über 1300 Kilometer zurück

Der ZT 323 von Frank Pohl mit dem Wohnwagen in den Hohen Tauern vor dem Großglocknermassiv. (Foto: Privat)

Traktoren kommen gemeinhin als Zugmaschinen in Land- und Forstwirtschaft zum Einsatz. Nicht so bei Frank Pohl. Der Sammler landwirtschaftlicher Maschinen aller Art restauriert historische Traktoren, führt diese gern vor und fährt damit auch gern einmal zu Gleichgesinnten. Dabei nimmt der 58-Jährige manchmal viele Kilometer unter die Räder. So auch in diesem Jahr.

Petra und Frank Pohl mit dem ZT 323 A in Heiligenblut. (Foto: Privat)

Am 2. September startete Pohl vom heimatlichen Zeulenroda-Triebeser Ortsteil Dörtendorf aus mit seinem restaurierten ZT 323 A, Baujahr 1989, und Gattin Petra an Bord auf große Fahrt Richtung Süden. Im Schlepp ein klassischer Dethleffs Wohnwagen Camper. Ziel war zunächst das 630 Kilometer entfernte Heiligenblut. Im gemütlichen Tempo von nicht schneller als 30 Stundenkilometern ging es über die Landstraßen nach Österreich. „Unterwegs und in unseren Etappenorten zogen wir mit unserem ungewöhnlichen Gespann immer wieder die Aufmerksamkeit Neugieriger auf uns“, berichtet Frank Pohl. Nach vier Tagesetappen und einer reinen Fahrzeit von 27 Stunden kam er in Kärnten an. Die nächsten Tage machte das Dörtendorfer Ehepaar auf dem Campingplatz am Fuße des Großglockners in Heiligenblut Station und besuchte vom 10. bis 12. September auch das dortige Heimat- und Trachtenfest.

Nach einem Abstecher mit Traktor und Wohnwagen zum Großglockner-Hochtor am 13. September ging es tags darauf zum eigentlichen Ziel der Reise: Über die Großglockner-Hochalpenstraße setzte Pohl mit seinem Gespann am 14. September ins über 40 Kilometer entfernte Bruck ins Salzburger Land um. Denn in dem Ort bei Zell am See fand vom 17. bis 19. September die 19. Oldtimer-Traktoren-Weltmeisterschaft statt. Und an dieser wollte Pohl mit seinem ZT 323 A unbedingt teilnehmen, was er mit rund 450 Gleichgesinnten dann auch tat.

Nach der Begrüßung am Freitag zum Auftakt des Wettkampfwochenendes standen das Geschicklichkeitswettbewerb und die Wertungsfahrten um den WM-Titel auf dem Programm. Wobei alle Teilnehmer ein Ziel verfolgten: Die Erklimmung der Großglocknerstraße und das Holen des Weltmeister-Titels mit den geliebten Oldtimer Traktoren. Zunächst ging es für die Starter aber darum, die Herausforderungen beim Geschicklichkeitswettbewerb zu bewältigen. Prüfungen hier waren unter anderem das möglichst berührungsfreie Fahren durch eine enge Gasse, rückwärts Einparken nach Zeit und das Einparken auf einer Zielscheibe ohne Sichtkontakt. Zudem mussten die Traktorpiloten per Hand und nach Zeit eine Schneekette auf ein Traktorrad aufziehen.

Die Wertungsfahrten am Samstag führten dann hoch hinauf auf das in 2.445 Metern Höhe gelegene Fuscher Törl. Dort galt es, eine Distanz bei zwei Fahrten in der möglichst gleichen Zeit zu absolvieren. Am besten gelang dies Ernst Feichtner aus dem Chiemgau, der mit seinem 59 Jahre alten Deutz die etwa drei Kilometer lange Strecke einmal in 32:10.80 Minuten und dann in 32:10.90 Minuten bewältigte. Also in nur zehn Sekunden Unterschied! Dafür wurde er bei der anschließenden Open-Air Siegerehrung zum Oldtimer-Traktor-Weltmeister 2021 gekürt.

Frank Pohl erreichte in den beiden Wettbewerben „ehrenvolle Mittelfeldplätze“, wie er schmunzelnd sagt. Viel wichtiger sei für ihn die Teilnahme gewesen und die Fachsimpeleien mit den anderen Teilnehmern. Die kamen aus gang Österreich, der Schweiz und Deutschland, aber auch aus der Tschechischen Republik, Luxemburg und den Niederlanden. Er aber sei der am weitesten per Traktor angereiste gewesen, ist der Dörtendorfer überzeugt. Und mit seinem DDR-Traktor war er sowieso ein Exot der Veranstaltung und musste viele Fragen beantworten. „Niemand kannte den ZT und wegen des Herstellers Fortschritt vermuteten einige sogar, dass er ein Produkt der Automarke Ford sei“, lacht Pohl.

Nach einer Fahrt mit seinem Traktor und dem Wohnanhänger über die Serpentinen zur 2.572 Meter hoch gelegenen Edelweißspitze am Großglockner traten die Pohls  die Rückreise nach Dörtendorf an, wo sie am 23. September wohlbehalten ankamen. Während der 20-Tage-Fahrt hat Frank Pohl mit seinem ZT 323 A und dem Wohnwagen im Schlepp über 1.300 Kilometer zurückgelegt und unzählige Eindrücke gesammelt. Über die und seine Erlebnisse bei der Traktor-WM wird er sicher zu seinem Oldtimer-Traktoren-Treffen berichten, das er nächstes Jahr am Pfingstsonntag, den 5. Juni, zum 14. Mal ausrichten will. Doch dazu zu gegebener Zeit mehr.

 

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