Nicht ganz so gelungener Abschluss einer ansonsten großartigen Saison - meinanzeiger.de
19. Dezember 2019
Sport

Nicht ganz so gelungener Abschluss einer ansonsten großartigen Saison

DRB-Bundesliga, RSV Rotation Greiz

Im letzten Vorrundenkampf der DRB-Bundesliga empfing der RSV Rotation Greiz im Kampf um Platz drei in der Südost-Staffel den SV Johannis Nürnberg.

Nach zehn teilweise hochdramatischen Kämpfen unterlagen die Greizer vor über 1100 Zuschauern den Gästen aus Franken überraschend deutlich mit 7 : 19. Für Nürnberg reicht dieser Sieg dennoch nicht für Platz drei in der Staffel Südost, da der Staffelsieger Burghausen mit einer B-Auswahl nach Schorndorf reiste, dort haushoch verlor und damit die Schorndorfer auf den dritten Rang hob. Zwei der drei Staffeldrittplatzierten werden für das Achtelfinale zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft ausgelost.

In der Bildergalerie das Kampfprotokoll mit allen Wertungen und hier der ausführliche Bericht von

Erhard Schmelzer:

Es hätte ein Fest für den Ringkampfsport in Deutschland werden können. Ein Höhepunkt für eine Sportart, die wie eigentlich alle anderen in Deutschland in der medialen Bedeutung neben der allmächtigen und alltäglichen Fußballshow weit zurückliegt. Daraus wurde leider nichts. Das lag weder an den beiden beteiligten Mannschaften noch an den zahlreichen Zuschauern, die sich auf ein vorweihnachtliches Erlebnis gefreut hatten. Mit 1108 Besucher erlebte die Sporthalle in Greiz Rekordbesuch. Hinsichtlich des Zuschauerzuspruchs ist Greiz wie in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Nummer eins in Deutschland.
Das Ziel am letzten Kampftag, nach 2001 wieder die Endrunde der deutschen Mannschaftsmeisterschaft zu erreichen, wurde allerdings klar verfehlt. Mit einer eklatanten 7:19 Heimniederlage gegen den SV Johannis Nürnberg rutschte der RSV Rotation Greiz in der Abschlusstabelle der Bundesliga Südost der Saison 2019 noch auf den fünften Tabellenplatz ab. Die Greizer lagen nach allen bisherigen 13 Kampftagen nie schlechter als auf Rang vier. Neunmal war man Dritter, in den letzten sieben Runden in Folge. Umso schmerzhafter war der Fall auf Platz fünf und die Umstände.

Burghausen löst ein großes Problem beim Deutschen Ringer-Bund

Der deutsche Meister SV Wacker Burghausen war seit 31 Kämpfen ungeschlagen. Seltsamerweise hörte man schon im Vorfeld der Kämpfe, dass die Siegesserie abrupt zu Ende gehen könnte. Zu ihrem letzten Auswärtskampf in Schorndorf trat die Mannschaft von Trainer Eugen Ponomartschuk allerdings mit einer nicht bundesligatauglichen Mannschaft an und unterlag mit 9:28 Punkten. Schon sehr frühzeitig war in den sozialen Medien die ungewöhnliche Aufstellung von Burghausen zu lesen. Mit diesem Team hätte Burghausen keinen Kampf in der Bundesliga gewonnen!
Nachdem Burghausen bereits im Vorjahr, als sie zum Halbfinale in Adelhausen zu spät zum Wiegen kamen, was aber seltsamerweise entgegen den Regeln vom DRB akzeptiert wurde, sorgten die Oberbayern nun für eine weitere Wettbewerbsverzerrung. Der normalerweise auf den fünften Platz liegende ASV Schorndorf überholte mit seinem überraschenden Sieg die bisher besser platzierten Teams aus Nürnberg und Greiz und sicherte sich die Chance auf die Teilnahme an der Endrunde. Während in Greiz trotz aller Bedeutung der Begegnung ein vorbildlich fairer Wettkampf stattfand, verstieß Burghausen gegen die Regeln der Fairness. Lachende Dritte waren die Verantwortlichen des Deutschen Ringer-Bundes, die durch das Ausscheiden der Nürnberger ein großes Problem weniger haben. Bekanntlich hatten der auch in Greiz siegreiche Nürnberger Tsurtsumia auch in der Deutschen Ringer-Liga gekämpft, was der DRB verbietet. Die juristischen Gefechte zu diesem Problem waren zur Zeit der Auslosung der Endrunde noch nicht abgeschlossen und hätte nachträglich noch zu Änderungen bei Resultaten und Tabellen führen können. Durch die Niederlage des deutschen Meisters und das Ausscheiden von Nürnberg war dieses Problem erst einmal vom Tisch. Schorndorf schied dann im Losverfahren für die Endrunde aus, was dem Schorndorfer Traner Sedat Sevsay gar nicht so missfiel. „Jetzt ist es für uns äußerst schwierig, für die Play-Offs so kurzfristig zu planen”, ließ er sich noch vor einigen Tagen zitieren.

Für die hohe, in dieser Höhe völlig unerwartete, Heimniederlage der Greizer gibt es zwei Gründe. Zum einen reisten die Franken mit einer ungeheuer starken Mannschaft an. Die Greizer hatten den Vorkampf in Nürnberg zwar mit 17:11 gewonnen, doch der Nürnberger Vorstand des Fördervereins Tino Noth war fest davon überzeugt: „In der Rückrunde sind wir entschieden stärker.“ Und davon konnten sich auch die Greizer Zuschauer überzeugen. Die Franken kamen mit einem Team nach Greiz, dass noch stärker war, als bei ihrer knappen 13:16 Heimniederlage vor zwei Wochen gegen den deutschen Vizemeister Heilbronn. Zum anderen musste der Greizer Trainer Tino Hempel auf drei seiner Stärksten verzichten. Neben dem frischgebackenen georgischen Meister Zurab Matcharshvili, Dawid Wolny war auch der WM-Dritte Magomedgadji Nurov nicht einsetzbar.

Die Nürnberger brachten ihre Stärksten bereits in den beiden Eröffnungskämpfen. Der Welt- und Europameister Nugzari Tsurtsumia aus Georgien traf auf Sven Cammin (57 kg/g). Der Favorit erarbeitete sich sofort den linken Arm des Greizers und bereitete damit mehrere Angriffe vor. Bereits nach 40 Sekunden lag der Greizer 0:7 zurück. Zwar gelang dem Greizer eine Resultatsverbesserung auf 2:7, doch dann punktete nur noch der Weltmeister, der seinen Gegner immer wieder zu Boden brachte und kurz vor der Halbzeit mit 17:2 gewonnen hatte. (Mannschaftsstand: 0:4)

Auch der ungarische zweimalige Olympiateilnehmer Daniel Ligeti wurde seiner Favoritenrolle gerecht. Er kannte Sebastian Wendel (130 kg/f) noch aus seiner Saison 2008 beim damaligen Zweitbundesligisten in Greiz. Damals kämpfte er in der 96 kg-Klasse. Sebastian Wendel war damals in der 84 kg-Klasse aktiv. Heute ist der Gewichtsunterschied zu Gunsten des Ungarn auf fast 22 kg angewachsen. Ligeti, der noch immer von der Atmosphäre in der Jahnturnhalle schwärmt, trainiert unter professionellen Bedingungen und möchte in Tokio zum dritten mal olympische Wettkämpfe erleben. Er beherrschte gestützt auf seine überlegene Physis den Greizer und kam nach einem Spaltgriff nach zwei Minuten beim Stand von 0:7 zum Schultersieg. (0:8)

Der 17-jährige Rasul Galamatov (61 kg/f) traf auf den erfahrenen Bulgaren Stoyan Iliev. Nach zwei Minuten beim Stande von 0:0 wagte der Greizer einen Beinangriff, wurde mit Spaltgriff gekontert und ließ sich am Boden einen Arm fesseln. Dem Bulgaren gelangen so relativ leicht fünf Rollen mit Armeinschluss. Zur Pause stand es so schon 0:12. In der zweiten Hälfte erwischte der Bulgare den Greizer noch zweimal am Kopf und kam jeweils nach Beherrschung zum 16:0. (0:12)

Ganz knapp ging es zwischen dem Ungarn Zsolt Török (98 kg/g) und dem Schweden Emil Sundahl zu. Die Entscheidung fiel im Bodenkampf. Als der Schwede zu Boden musste, gelang dem Greizer beim Ausheber gegen den sich geschickt verteidigenden Schweden nur eine Zweierwertung. Als in der zweiten Hälfte der Ungar zu Boden musste, konnte er aber die die siegbringende Viererwertung des Schweden zum 3:5 nicht verhindern. (0:13)

Die nun nötige Aufholjagd verunsicherte die Greizer sichtbar. Selbst den siegreichen Ringern unterliefen beim Versuch so schnell wie möglich Punkt um Punkt aufzuholen um doch noch die Wende zu schaffen, einige „Leichtsinnsfehler“, was teilweise aber auch an den technisch starken Gegnern lag. Dawid Karecinski (66 kg/g), vor dem Kampf für seine hervorragende Saison geehrt, dominierte anfangs gegen den ehemaligen deutschen Auswahlringer Deniz Menekse und führte nach dem ersten Bodenkampf 5:0. Der Nürnberger verkürzte nach wuchtigen Angriffen auf 5:2.
Im Bestreben bei der nächsten Chance im Bodenkampf drei Punkte auf das Greizer Konto zu bringen, misslang dem Greizer ein Ausheber. Er musste sich mit einem 6:4 Sieg begnügen. (1:13)

In der Kampfpause hatte sich die genaue Aufstellung von Burghausen in der Greizer Halle herumgesprochen. Jetzt wussten fast alle, was los war. Martin Obst (86 kg/f) hatte in Nürnberg Eduard Tatarinov mit 16:0 bezwungen, nun trafen sie eine Gewichtsklasse höher aufeinander. Es war der erwartet schwere Beginn gegen den Vizemeister des Vorjahres. Zur Pause stand es durch zwei Einserwertungen 2:0. Dann drehte der deutsche Meister auf und kam mit Beinangriffen zu Punkten. Mehrmals versuchte er zur Zange zu fassen, doch der Traunsteiner war dazu zu lang und passte auf. Als der Greizer mit dem Willen schnell zu zwei Punkten zu kommen die Matte verließ, und es 10:1 stand, musste er sein Ziel, vier Punkte zu erkämpfen, aufgeben. (4:13)

Routinier Vladimir Gotisan (71 kg/f) traf auf den deutschen Meister Tim Stadelmann.

Unglücklicher Beginn für den Greizer, der nach einem Angriff seinen Gegner aushob, der blockierte ein Bein und der Angreifer musste aus der Matte treten: 0:1. In der vierten Minute die 30 Sekunden-Strafe: 0:2. Als der Nürnberger bestraft wurde, kam der Greizer zwar zum 1:2, doch der Nürnberger erhöhte Sekunden später auf 1:3. Fünf Sekunden vor Schluss dann noch eine Zweierwertung, die den Endstand von 1:5 sicherstellte. (4:15)

Nach dem Ausfall von Dawid Wolny musste der ehemalige Mannschaftskapitän Toni Stade (80 kg/g) wieder aktiviert werden. Er zwang Michael Lutz zwar zuerst zu Boden, konnte dort aber nicht punkten. Als der Greizer in der zweiten Runde zu Boden musste, gelang dem sechs Jahre jüngeren Nürnberger eine Rolle. So ging der Kampf mit 1:3 verloren. (4:16)

Der Kampf von Igor Besleaga (75 kg/g) gegen den zweimaligen ungarischen U23-Europameister Zoltan Levai versprach ein Leckerbissen zu werden. Der Moldawier hat Gewichtsschwierigkeiten und läuft so oft über die Oswald- und Feldschlösschenstraße in Richtung Werdauer Wald. Der Kampf wurde praktisch durch eine Aktion entschieden. Der Ungar hatte den Greizer mit Zwiegriff gefasst, dieser versuchte einen Armdrehschwung, wurde aber gekontert und gab eine „Zwei“ ab. Blitzschnell hob der Ungar, der auch schon Junioren-Europameister war, den Moldawier ab und ließ zwei Ausheber folgen: 0:8. Der Greizer müde sich redlich, doch vergebens. Im angeordneten Bodenkampf lag er zwar stabil, musste dann aber bei einem Angriff auf die Hüfte noch einmal zwei Punkte zum 0:11 abgeben. (4:19)

Bei diesem niederschmetternden Punktstand musste Daniel Sartakov (75 kg/f) auf die Matte. Bekannt für seine Kampfkraft setzte er noch einmal einen ansprechenden Schlussstrich unter eine spannende und erfolgreiche Saison, die so schmerzhaft endete. Ein Sonderlob gehört auch den Greizer Ringkampfanhänger, auf die jeder Verein stolz sein kann. Trotz des Rückstandes feuerten sie den Greizer enthusiastisch mit „Igor Sartakov, Igor Sartakov“ an. Bereits in der ersten Hälfte brachte er Alexander Michael zweimal zu Boden und führte 4:0. Kurz nach der Pause verkündete Hallensprecher Frank Böttger die Niederlage von Burghausen. Daniel Sartakov kämpfte weiter und kam hauptsächlich durch Beinangriffe zum 12:0 Sieg. Am 21.Dezember um 21:16 Uhr war das Ringkampfjahr für den RSV Rotation Greiz mit einer 7:19 Niederlage zu Ende gegangen.

Der RSV Rotation Greiz hat insgesamt eine hervorragende Saison gerungen und viele neue Freunde gefunden. Das Ende hätte etwas anders aussehen müssen. Bei normalem Kampfausgang in Schorndorf hätte Greiz sich sogar eine Niederlage bis zu fünf Punkten Differenz leisten können und wäre immer noch Dritter gewesen. Beim Viertelfinale am 28.Dezember sind die Greizer wie auch der unglückliche Sieger Nürnberg nun nur Zuschauer. Doch bereits am 18.Januar finden in Greiz die Thüringer Meisterschaften im griechisch-römischen Stil von der D-Jugend bis zu den Männern statt. Es geht weiter.

Der RSV Rotation bedankt sich bei allen Vereinsmitgliedern, Helfern, Sponsoren und den zahlreichen Zuschauern aus nah und fern für ihre Unterstützung und wünscht ein frohes Weihnachtsfest.

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