Premiere des Dokumentarfilms „Vorurteil Heimat“ im Greizer Kinocenter UT 99 ausverkauft - meinanzeiger.de
5. November 2017
Thüringer Vogtland

Premiere des Dokumentarfilms „Vorurteil Heimat“ im Greizer Kinocenter UT 99 ausverkauft

Dokumentarfilm

Greiz – Kinocenter UT 99
Die vogtländische Nachbarstadt Elsterberg stand zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Vorurteil Heimat“ von Nanina und Jörg-Peter Bauer vom Dresdner Filmstudio „Klarheit“ im Fokus. Die heute in Dresden lebende Nadine Bauer war 35 Jahre nicht mehr in ihrer Heimatstadt Elsterberg. Im Film gesteht die Autorin, Heimat könne so vieles sein, ein Ort der Sehnsucht aus Kindertagen voller Geborgenheit und Wärme, nichts von all dem lebt in ihrer Erinnerung. „Ich fand die Stadt mit ihren teils alten Häusern immer hässlich“, begibt sich im Film auf die Suche der Ablehnung der eigenen Vergangenheit. In dem sehr persönlich ausgerichteten Film, der auch die Historie der Stadt mit ihrem vogtländischen Brauchtum und gelebter Heimatverbundenheit zeigt, konnte sie sich noch nie anfreunden, nicht einmal sei sie zu den Klassentreffen in ihre Heimat zurück gekommen. Vorbelastet aus dem Elternhaus, Mutter Inge Jeszkowiak war zu dieser Zeit Kaderleiterin im Kunstseidenwerk, eine Zweihundertprozentige, die den Kommunismus propagierte, mit der Betreuung der Vertragsarbeiter beauftragt wurde, fand das damalige junge Mädchen keinen Kontakt zu ihren Klassenkameraden und Vereinen, die ihr gegenüber abweisend waren. „Mit so einer solle man sich nicht abgeben“ bekam das Mädchen bei vielen Gelegenheiten zu hören. Mit einem gewissen Unterton erinnert sich Nanina Bauer, „Von den Ungarn wusste meine Mutter jeden Geburtstag, aber meinen 13. hatte sie vergessen“. Sie erinnert sich, dass die Heimatfeste und die Elsterberger in ihren Vogtländertrachten von ihrer Mutter als rückschrittlich und intolerant bezeichnet wurden. Zufällige Parallelen in der Gegenwart, durch Pegida Demos in ihrer heutigen Heimatstadt Dresden erzeugten Worte wie „Heimat“ und „Nationalgefühl“ ein unangenehmes Gefühl. „Warum ist es mir so unangenehm, an die Vergangenheit zu denken und zurückzublicken“ das sollte sich im Jahr 2016 zum Kellerfest ändern, als am Elsterberger Gustav-Voigt-Platz, das einzige Denkmal in Deutschland für ehemalige ungarische Vertragsarbeiter aufgestellt wurde und an die bis heute andauernde Freundschaft mit ihnen erinnern soll. Dieses Ereignis lies Nanina Bauer keine Ruhe, weil es nicht zu ihrem Bild von Elsterberg passt. Sie kehrt nach 35 Jahren in ihre Heimatstadt zurück und stößt unerwartet auf ihre eigenen Vorurteile. Im Herbst 1971 kam Gyula Csukàrdi mit weiteren Ungarn nach Elsterberg, und erinnert sich, der Empfang war nicht besonders herzlich, denn Vorurteile zu unmoralischen Verhalten und übermäßigen Alkoholgenuss bei Partys im Wohnheim, wurden von den Einwohnern zum Stadtgespräch erhoben. Doch Fotos und Zeitzeugen mit Guyla Csukàrdi, einem ehemaligen ungarischen Vertragsarbeiter, der in Elsterberg blieb und dessen Garten in der Hohndorfer Straße zum Treffpunkt für viele wurde, sprechen eine andere Sprache. Aus seiner Sicht wurden wir im Werk und bei der Bevölkerung gut aufgenommen, denn das Erlernen der Sprache, gute Arbeit und anständiges Verhalten änderten das Bild von den Vertragsarbeitern. Im Streifen sagte Wolfgang Haupt, stellvertretender Bürgermeister und Geschichtsforscher: „Wir kamen mit den „Neuen“ sehr gut aus.“ Der Ungar Bela Badi schwärmte im Film, dass diese Zeit in Elsterberg die schönste im Leben war: „Unser Herz ist immer in Elsterberg“. Nanina Bauer zeigte sich im Film nach all den Recherchen mit der Vergangenheit versöhnlich und überdachte dabei die eigenen Vorurteile von einst. Zufrieden stellend äußerte sich Kino-Chef Mario Konrad, die Informationen zu dem preisgekrönten Dokumentarstreifen erreichten auch ehemalige Vertragsarbeiter, die extra aus Ungarn, Köln, Leipzig und Berlin angereist waren und mit dazu beitrugen, dass der Saal 1 im Kino-Center UT 99 ausverkauft war. „Ein zeitnahes Dokument“, so schätzten viele Besucher den Film ein und suchten im Anschluss das Gespräch mit der Autorin Nanina Bauer und dem Produzent Jörg-Peter Bauer.

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