Sabine Wonitzki und Jari - meinanzeiger.de
18. November 2020
Thüringer Vogtland

Sabine Wonitzki und Jari

Greizer Tierheimleiterin berichtet über das tolle Happy-End einer Hundegeschichte

Sabine Wonitzki nimmt Jari in Templin in Empfang. (Foto: Tierheim Greiz)

Jari hieß früher Jakari. Er lebte in einer Familie und war der beste Freund der Kinder. Dann wurden die Kinder größer und die Eltern hatten nicht mehr ausreichend Zeit für den Hund. So zog Jakari zum Opa der Familie aufs Land. Der Opa hatte viel Zeit und einen großen Garten zum Herumtoben.

Jakari reichte das aber nicht als Beschäftigung und so nahm er öfter Reißaus und besuchte die hübschen Hundedamen im Ort. Der Opa nahm ihm das nicht übel und Jakari wurde ja auch immer wieder zurückgebracht. So landete er auch als Fundhund vor etwa zehn Jahren im Greizer Tierheim.

Jakari war zu dieser Zeit schon nicht mehr sehr gepflegt. Er fand sicher bürsten und eine gewisse Fellpflege nicht so toll. Die damalige Tierheimleiterin Sabine Wonitzki sah den Neuzugang und verliebte sich gleich ein wenig in den hübschen, zotteligen Hund. Aber schnell meldete sich der Opa und holte Jakari wieder zu sich nach Hause.

Sabine wollte Jakari am liebsten nicht mehr hergeben, hatte sie schon damals leichte Zweifel, ob der Opa sich noch ausreichend kümmern konnte. Aber Jakari musste zurück. Zehn Jahre vergingen und  zwischenzeitlich ging Sabine Wonitzki  Ende Januar 2015 in den verdienten Ruhestand. Sie zog nach Templin in die Nähe ihrer Tochter mit Familie in ein schnuckeliges kleines Häuschen. Wir haben regelmäßig Kontakt und sie sagte mir, einen Hund werde sie sich nun nicht mehr zulegen. Sie hat sich für eine ältere Katze, auch aus dem Tierschutz, entschieden.

Zwischenzeitlich erhielten wir im Greizer Tierheim im Sommer 2020 einen Anruf, dass in einem Gartengrundstück ein Hund zugelaufen sei. Die Anrufer haben eine Hündin, die läufig ist und schnell stellte sich heraus, dass Jakari der interessierte Freier war. Als wir den Hund abgeholt haben, erschraken wir. Jakari sah sehr ungepflegt aus, das Fell war ein einziger Filz und er humpelte sehr.

Für uns stand fest, jetzt muss etwas passieren. Wir kennen den Sohn des Opas und sprachen mit ihm über die weitere Vorgehensweise. So beschlossen wir zusammen: Jakari bleibt bei uns im Tierheim.

Mittlerweile ist Jakari stolze 14 Jahre alt. Wir haben ihn an der Pfote operieren lassen, es war eine Bisswunde, die er sich wohl bei seinem letzten Streifzug zugezogen hatte. Sein Fell wurde professionell wieder in Form gebracht. Schnell lebte er sich bei uns ein und freute sich immer sehr über unsere Streicheleinheiten.

Allmählich bemerkten wir aber, wir konnten ihm die Zuneigung, die er sich wünschte nicht geben. Da kam uns der Einfall, Jakari in unsere Seniorenpflegestelle zu Frau Ernst nach Langenbuch zu bringen. Dort sollte er seinen Lebensabend genießen. Viel Auslauf, viel menschliche Nähe und eine große Hundegruppe. Anfangs lief alles super. Aber Jakari, der nun zwischenzeitlich „Herr Müller“ genannt wurde, gefielen die ständig wechselnden Gruppenmitglieder nicht. Pensionshunde kamen und gingen.. Herr Müller nahm seinen Job sehr ernst und formierte die Gruppe stetig neu.

So kam es immer wieder zu kleineren Rangeleien zwischen den Hunden. Das ging natürlich auf Dauer nicht. Also kam Herr Müller zurück in unser Tierheim. Für uns war klar, das wars für Herrn Müller. Er wird nun den Rest seines Lebens bei uns verbringen. Was für ihn sicher nicht die schlechteste Lösung darstellte.

Dann kam der 8. Oktober 2020. Sabine Wonitzki besuchte uns. Sie kam anlässlich eines Klassentreffens nach Greiz und nahm sich natürlich auch Zeit, einmal bei uns im Tierheim vorbeizuschauen. Bei Kaffee und Kuchen redeten wir sowohl über alte Zeiten, Sabine kennt da ja viele witzige Storys aus ihren 25 Dienstjahren, und wir berichteten auch voller Stolz über unsere neuesten Errungenschaften, damit es unseren Tierheimtieren immer besser geht. Sie zeigte sich sehr begeistert.

Nun erfolgte noch ein Rundgang durchs Tierheim. Begonnen wurde mit den neuen Quarantänezwingern, wo natürlich auch manchmal Hunde wohnen, die nicht mehr unter Quarantäne stehen. Ich öffnete die Tür zeigte alles und merkte, Sabine hatte nur Augen für „Herr Müller“. Oh was für ein schönes Tier. Ich konnte förmlich die Herzen in ihren Augen sehen. „Der kommt mir irgendwie bekannt vor“, sagte sie.

Kurz erzählte ich die Geschichte zum Hund und sie konnte sich gleich erinnern:  „Genau, den schönen Kerl wollte ich schon vor vielen Jahren gerne gleich behalten, als er kurz als Fundtier hier im Tierheim landete. Aber das ging ja nicht. Leider!“

Dann fuhren wir mit unserer Besichtigung fort und Sabine lobte unser Engagement und ich habe mich sehr darüber gefreut. Ein Lob von Sabine Wonitzki macht mich stolz, denn das bekommt man nicht mal eben einfach so. Nun verabschiedete sich Sabine mit den Worten „Wir hören voneinander“. Dies geschah zeitnah.

Einige Tage später rief sie im Tierheim an und sagte „Herr  Müller wird bei mir einziehen!“ Wir haben uns total gefreut. Zu selten kommt es im Tierheim vor, dass einem so alten Hund eine Chance gegeben wird.

Und so ist Herr Müller, der jetzt „Jari“ heißt, am 8. November 2020 nach Templin zu Sabine Wonitzki umgezogen und hat für seinen letzten Lebensabschnitt das wirklich perfekte Zuhause gefunden. Sabine sagt bereits jetzt: „Es ist ein Traumhund und  er vereint alle positiven Eigenschaften meiner letzten beiden Hunde.“ Das ist doch ein ganz tolles Happy-End einer Hundegeschichte!

Von Elke Becker

Sabine Wonitzki nimmt Jari in Templin in Empfang. (Foto: Tierheim Greiz)

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