Serie: Mein Museum - meinanzeiger.de
22. April 2020
Thüringer Vogtland

Serie: Mein Museum

Schieferdorfmuseum Schmiedebach

Handspritze der Feuerwehr um 1880 (Carsten Reitz)

Was ist musehenswert?

Alle die vielen unterschiedlichen Objekte, die Geschichte(n) des Dorfes Schmiedebach überliefern. Sie reichen von der alten Handdruckspritze der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Jahre 1880 bis hin zum Traktor, Marke „Eigenbau“. Besonderer Stellenwert in der Ausstellung kommt dem Oertelsbruch als ehemals größtem und modernstem Schiefertagebau des europäischen Festlandes zu. Da seine Entwicklung entscheidende Veränderungen im Ort mit sich brachte, sind Überlieferungen und Bezüge dazu im gesamten Museum zu finden.

Woran führt kein Weg vorbei?

Am letzten Bürgermeisteramt des Ortes. Hier kann man erfahren, welche Baumaßnahmen zu DDR-Zeiten von der Gemeinde durchgeführt wurden. Beispielsweise seien hier der Sportplatz, die Straße oder das Jugendzimmer genannt. Zudem erfährt man, welche weiteren Einrichtungen im Ort existierten. Schule, Kindergarten, Krippe, Verkaufsstelle oder  Sanitätszimmer – heute alles Geschichte. Ebenso wie die Selbständigkeit, die Schmiedebach 1994 mit der Eingemeindung in die Stadt Lehesten verlor.

Dank des neuen Daches regnet es                 jetzt nicht mehr rein

 

Ihr Lieblingsstück?

Da kann ich mich nicht entscheiden. Viele Dinge sind mir wichtig. Deshalb freut es mich sehr, dass im vergangenen Jahr endlich das Dach des Museums neu gedeckt werden konnte und es nun nicht mehr reinregnet. Uns ist es zwar vollkommen unverständlich, warum die Stadt Lehesten kein Geld für den Erhalt ihres Hauses ausgeben durfte und der Verein den gesamten Eigenanteil  für die im Rahmen der Dorferneuerung geförderten Maßnahme aufbringen musste. Doch wäre es nicht dazu gekommen, gäbe es keine Perspektive für das Museum und die Sammlung. Deshalb und weil die Deckung mit hiesigen Schiefer ganz traditionell altdeutsch ausgeführt wurde  ist vielleicht momentan das Dach des Hauses mein Lieblingsstück. Und das mit Buntschiefer in die Wand gedeckte Wappen – das ist wirklich traditionelle Handwerkskunst!

Sind auch Kinder hier museumsreif?

Natürlich, wenn die Eltern oder Großeltern mitkommen. Sobald sie ihren Kids die eigenen  Erinnerungen an früher oder bestimmte Tätigkeiten schildern, wächst deren Interesse an den Dingen. Mitunter brauchen wir dann gar nicht viel zu sagen. Bei Schulklassen ist das anders. Da muss man versuchen, Interessen herauszufinden und anzusprechen.

Museum for you?

Führungen in Fremdsprachen sind bei uns regulär nicht vorgesehen. Sofern es gewünscht wird oder notwendig ist, könnten wir versuchen, den Museumsrundgang mit unseren Englischkenntnissen aus der Schule zu erläutern. Als uns vor einiger Zeit eine Studentinnengruppe aus Reykjavík besuchte, haben wir uns einen Bekannten zur Hilfe geholt.

Museum zum Anfassen?

Interaktionen oder Multimedia gibt es (noch) nicht. Dafür kann alles, was nicht unter Glas oder aus Stoff ist, angefasst werden. Und an der Wandtafel darf man auch mal probieren, wie es ist, mit Kreide auf Schiefer zu schreiben. In der Regel haben wir auch immer etwas Rohschiefer da. Besucher können also versuchen, mit der Schieferschere etwas zuzuschneiden.

Museum zum Mitnehmen?

Den selbst zugeschnittenen Schiefer kann man natürlich mitnehmen. Es gibt auch Besucher, denen reicht ein Stückchen Schieferabfall als Souvenir. Wer gern liest, kann gegen eine Spende vom Verein herausgegebene Broschüren und Bücher erwerben. Besonders gefragt ist das Buch „Aufgewachsen auf dem Oertelsbruch“ von Gerhard Großmann. Und selbstverständlich gibt es im Eingangsbereich Flyer, die auf nahe gelegene Museen wie die Gedenkstätte Laura  am Ortsrand hinweisen.

Wir konnten ein Radiohörspiel aus dem Jahr 1933 uraufführen

 

Außer der Reihe?

Sonderausstellungen gab es auch schon. Zum Beispiel denke ich hier an die Präsentation verschiedener Sammlungen aus dem Ort oder an einen Museumstag, an dem wir über 80 Postkarten des Dorfes zeigten. Manchmal führen wir Bildvorträge oder Filmvorführungen durch. Kürzlich konnten wir ein bislang verschollenes Radiohörspiel aus dem Jahre 1933 uraufführen. Wenn in Zukunft so etwas angedacht ist wird in der Zeitung oder im Amtsblatt rechtzeitig darauf hingewiesen.

Das muss gesagt werden. 

Alles, was von uns hier im Museum gemacht wird, erfolgt ehrenamtlich und ohne Bezahlung. Deshalb gibt es keine regulären Öffnungszeiten. Eine Besichtigung mit individueller Führung ist nur nach Voranmeldung möglich. Der Eintritt erfolgt auf Spendenbasis.

Kontakt: Gasthaus Zur Linde (03 66 53 / 2 22 52) oder Carsten Reitz (03 66 53 / 2 27 80).

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