1. April 2021
Thüringer Vogtland

Sommerpalais Greiz: Die nächste Ausstellung ist empfangsbereit

„Jüdisches Leben in den Grafschaften Reuß-Greiz und dem späteren Fürstentum Reuß älterer Linie im 18. und frühen 19. Jahrhundert“

Jessica Hein, die gegenwärtig ihr Freiwilligenjahr im Sommerpalais absolviert, zeigt ein Exponat der Ausstellung: Ein Buch aus dem 18. Jahrhundert mit einem Bildnis Moses Mendelssohns. Der Philosoph gilt als Schlüsselfigur der jüdischen Aufklärung in Europa. Eine Radierung von ihm aus dem Bestand der Bücher- und Kupferstichsammlung in Greiz ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. (Foto: Gerd Zeuner)

Greiz. „Auch wenn unsere Ausstellungen bislang niemand sehen kann, wir arbeiten, als dürften wir morgen öffnen“, sagt Eva-Maria von Máriássy, Direktorin der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung im Sommerpalais Greiz. Und so hält das Haus im Fürstlich Greizer Park auch eisern an seinem Ausstellungsplan für 2021 fest.

„Jüdisches Leben in den Grafschaften Reuß-Greiz und dem späteren Fürstentum Reuß älterer Linie im 18. und frühen 19. Jahrhundert“ ist der Titel der Ausstellung, die eigentlich seit 27. März und bis 30. Mai für Besucher öffnen soll. Sie ordnet sich ein in das Thüringer Themenjahr „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“.

Mendel Meyer ist einer der Protagonisten der Ausstellung. Er ließ sich an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert in Greiz nieder und ist damit – soweit bisher nachweisbar – der erste Mensch jüdischen Glaubens, der dieses Abenteuer auf sich genommen hatte. Was hatte nicht allein die Niederlassungserlaubnis an Zeit, Nerven und Reichsthalern gekostet? Nun auch noch der Stadtbrand 1802, der Kauf gestohlenen Silbers aus der Herrschaft Frießnitz durch seine arglose Gattin Esther (sie hatte die Zeitung nicht gelesen) 1806, das Zerwürfnis mit Moses Levi 1813 und schließlich die Anschuldigungen seitens der Greizer Regierung 1819.

Mendel Meyer ist einer der sechs Menschen jüdischen Glaubens, deren Lebensbilder – soweit anhand der im Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Greiz  vorhandenen Akten rekonstruierbar – im Rahmen der Ausstellung vorgestellt werden. Die Verwendung  zeitgenössischer Karten aus eigenem Bestand ermöglicht in diesem Zusammenhang eine geographische Kontextualisierung. Ergänzend präsentiert werden illustrierte Judaika aus dem Bestand der Bibliothek der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz.

Die verdienstvolle Tätigkeit von Jessica Hein, die gegenwärtig ihr Freiwilligenjahr im Sommerpalais absolviert, gibt in der vom Jüdischen Museum Berlin bereitgestellten, öffentlich zugänglichen Datenbank Jewish Places (www.jewish-places.de) schon jetzt und pandemieunabhängig Einblick in die Schicksale jüdischer Menschen in Greiz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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