Spielspaß im Museum - meinanzeiger.de
16. Dezember 2019
Kultur

Spielspaß im Museum

Weihnachtsausstellung steht im Zeichen des Playmobil-Erfinders und präsentiert eine Zeitreise durch die Welt der Spielzeuge

Im Jahr 1929 erblickte Hans Beck, der Erfinder der allseits bekannten und beliebten Paymobil-Figuren, in Greiz das Licht der Welt und das Reußische Heimatmuseum wurde in der Ostthüringer Residenzstadt feierlich eröffnet.

In seiner Heimatstadt erfuhr Hans Beck die entscheidenden Prägungen seiner Kindheit und Jugendzeit, um nach seiner Schulzeit die Lehre als Möbeltischler in Zeulenroda zu absolvieren. 1946 verließ er die Sowjetische Besatzungszone und arbeitete als Möbeltischler in Franken, in der damaligen Amerikanischen Besatzungszone.

Durch sein Engagement und seine bemerkenswerte Erfolge in seinem Hobby – er war 1965 mit seinen Modellflugzeugen Indoor-Weltmeister – wurde Hans Beck Spielzeugentwickler bei der Firma Geobra, die später mit dem Spielsystem „Paymobil“ Weltruhm erlangen sollte.
Durch die weltweite Erdölkrise und die damit verbundene dramatische Verteuerung des Kunststoffes Anfang der 70iger Jahre bekam Hans Beck den Auftrag, ein kleines Systemspielzeug zu entwickeln. Er erschuf die kleinen lächelnden Figürchen, welche seit der ersten öffentlichen Präsentation 1974 die Herzen der Kinder weltweit verzaubern.

Regelmäßig besuchte Beck trotz der schwierigen Behinderungen an der innerdeutschen Grenze seine Familie in Greiz. Sein VW-Käfer war immer vollgepackt mit seinen neuesten Paymobil-Entwicklungen für seine Neffen und Nichten. 2009 verstarb er. Geblieben sind die persönlichen Paymobil-Geschenke an seine Familie in Greiz, Spielzeug als Spuren des gemeinsamen Spielens und die damit verbundenen Erinnerungen an die Besuche in seiner ostthüringer Heimatstadt.

Diese Geschenke übergab Becks Nichte Heide Sauerbrey 2016 den Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz und sie sind seitdem Bestandteil der musealen Spielzeugsammlung. Anlässlich seines 90. Geburtstages und zehnten Todestages wird diese private Sammlung im Museum im Unteren Schloss ausgestellt.

1929 wurde auch das Reußische Heimatmuseum Greiz der Öffentlichkeit übergeben.
Natürlich werden die Dauer- und Sonderausstellungen der heutigen Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz im Oberen Schloss und Unteren Schloss durch die Besucher wahrgenommen und begeistert genutzt – 1930 waren es und 4 212, 2003 zirka 7 300, 2008 etwa 17 900, 2011 rund 28 700 und heute sind es jährlich 25 000 bis 30 000 Museumsbesucher.

„Aber eine der wichtigsten Aufgaben ist es, die Sammlungen der Museen weiterzuführen“, betont Museumleiter Rainer Koch und informiert, dass die Sammlungen der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz heute aus über 68 000 Objekten bestehen. Natürlich kann diese Vielzahl an Sammlungsobjekten nicht dauerhaft ausgestellt werden, obwohl die verborgenen musealen Sammlungen „den unschätzbaren Wert der meisten Museen als kulturhistorisches Gedächtnis darstellen“, so Koch. Auch die Greizer Spielzeugsammlung wurde in den vergangenen neun Jahrzehnten durch Schenkungen und Ankäufe systematisch ergänzt und weiterentwickelt.

Die Weihnachtsausstellung „Spielspaß“ präsentiert einzelne Objekte aus 90 Jahren Sammlungstätigkeit und zeigt, wie sehr das Spielen die gesellschaftliche und soziale Umgebung der Kinder in der jeweiligen Zeit abbildet. Von Märklin bis Paymobil – eine Zeitreise durch die Welt der Spielzeuge aus den Museumsmagazinen der Stadt Greiz. Kindheitserinnerungen und -erlebnisse werden bei Jung und Alt wach und können an Spieltischen mit den Playmobilfiguren von Hans Beck sofort ausgelebt werden. Denn: „Gemeinsames spielen ist gemeinsames lernen“, sagt Rainer Koch.

Zu erleben ist die Weihnachtsausstellung im Museum im Unteren Schloss zu Greiz bis zum 15. März des kommenden Jahres.

Öffnungszeiten: Die Museen im Oberen und Unteren Schloss sind Dienstag bis Sonntag
10 bis 17 Uhr geöffnet.

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