26. Januar 2021
Thüringer Vogtland

Ungewissheit drückt Stimmung der Ostthüringer Wirtschaft

IHK-Konjunkturlage zum Jahreswechsel: Einzelhandel und Tourismuswirtschaft im Tief – deutliche Zurückhaltung bei Investitionen

Die Ostthüringer Wirtschaft hat zum Jahresbeginn einen erneuten Dämpfer erhalten. Die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sorgen in den meisten Branchen für getrübte Aussichten. Einzelhandel und Tourismuswirtschaft befinden sich in einem Tief. In der Industrie verbessert sich hingegen die Stimmungslage. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Ostthüringen zu Gera zum Jahreswechsel 2020/21 hervor, an der sich 441 Unternehmen mit insgesamt 16.300 Beschäftigten beteiligt haben.

Branchenübergreifend bewertet ein Drittel der befragten Unternehmen seine aktuelle Geschäftslage als gut, während 35 Prozent der Betriebe ihre wirtschaftliche Situation als schlecht einschätzen. Im Vergleich zum Herbst 2020 ist dies ein Rückgang um neun Prozentpunkte.

„Trotz des Starts der Impf-Kampagne überwiegen in den Chefetagen die Unsicherheiten über den Fortgang der Pandemie und die Dauer des Lockdowns“, erklärt Almut Weinert, Leiterin Wirtschaft und Technologie in der IHK Ostthüringen zu Gera. Mit Blick auf die kommenden Monate seien nur 19 Prozent der Firmenchefs optimistisch, 39 Prozent gingen von einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung aus.

Weniger Investitionen, aber Mitarbeiter gehalten

Dies schlägt sich in den Investitionsabsichten nieder: Nur 13 Prozent der Befragten erwarten der Umfrage zufolge steigenden Ausgaben, 22 Prozent wollen indes weniger und jeder Dritte gar nicht investieren.

Die vereinfachten Regelungen zum Kurzarbeitergeld haben den Druck auf den Arbeitsmarkt abgefedert. Ein Großteil der Ostthüringen Firmen ist in der Lage, seine Mitarbeiter zu behalten. So planen 78 Prozent der Unternehmer mit einer konstanten Mitarbeiterzahl. Stellenstreichungen sind bei 14 Prozent der Betrieben ein Thema.

Der Blick in die Branchen zeigt: Vor allem in den von den angeordneten Betriebsschließungen direkt betroffenen Wirtschaftszweigen hat sich die Stimmung verschlechtert. Im Handel bewerten 36 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Situation als schlecht, nur 24 Prozent als gut. Jeder zweite Händler rechnet mit einer weiterhin ungünstigen Geschäftsentwicklung. In der Ostthüringer Tourismuswirtschaft beurteilen 85 Prozent der Betriebe ihre derzeitige Lage als schlecht. Lediglich elf Prozent äußern sich mit Blick auf die kommenden Monate optimistisch.

Die Investitionszurückhaltung trifft nun auch das Baugewerbe. Neben saisonalen Effekten stellt sich die Branche auf pandemiebedingte Einschnitte ein. 40 Prozent der Bauunternehmer erwarten eine schlechtere Geschäftsentwicklung.

Steigende Aufträge in Industrie – Rückenwind durch Export

Positive Signale sendet dagegen die hiesige Industrie. Die Stimmung verbessert sich im Vergleich zum Herbst um acht Prozentpunkte. Mehr Betriebe registrieren wieder steigende Auftragszahlen. Entsprechend hat die Kapazitätsauslastung zugenommen. Auch die Auslandsgeschäfte dürften Rückenwind bekommen. 23 Prozent der Industriebetriebe rechnen mit einem Plus bei ihren Exporten, 14 Prozent erwarten dagegen weniger Ausfuhren.

„Durch den: anhaltenden Lockdown haben viele Unternehmen unverschuldet große wirtschaftliche Schäden erlitten. Für sie ist es existenziell, dass die zugesagten Finanzhilfen schnell und unbürokratisch ausgezahlt werden. Für eine nachhaltige konjunkturelle Erholung braucht es aus Sicht der Unternehmen aber zusätzliche Maßnahmen: Bürokratieabbau, weitere steuerliche Entlastungen und wettbewerbsfähige Energiepreise müssen ganz oben auf der wirtschaftspolitischen Agenda stehen“, so Weinert.

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