13. Juli 2021
Thüringer Vogtland

Hoffen auf den Weltkulturerbe-Status

Zwei Ministerpräsidenten kämpfen gemeinsam für die Göltzschtalbrücke

Ein Zug fährt über die Göltzschtalbrücke. (Foto: Gerd Zeuner)

Netzschkau. Vor 170 Jahren wurde die Göltzschtalbrücke als größte Ziegelsteinbrücke der Welt eingeweiht. Nun soll das aus mehr als 26 Millionen Ziegelsteinen bestehende Bauwerk noch mehr Aufmerksamkeit erhalten. Das Ziel: Das historische Viadukt soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Auf dem langen Weg dorthin hat die Brücke an der Grenze von Sachsen zu Thüringen schon eine Expertenkommission überzeugt.
Zu Recht werde sie auch als achtes Weltwunder bezeichnet, ist die Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins „Nördliches Vogtland“, Christa Trommer, überzeugt. Schon zehn Jahre nach der Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahnverbindung 1835 hätten die Pläne für die Brücke im Vogtland begonnen. „Sie war enorm wichtig für die Nord-Süd-Verbindung. Noch heute fahren die Züge aus Dresden und Leipzig in Richtung Nürnberg und München über dieses Bauwerk.“ Es habe einer bis heute unglaublichen Ingenieurskunst bedurft, um das Mittelgebirge mit der Eisenbahn zu überwinden.
Doch die imposante Brücke ist nicht nur für den Verkehr bedeutsam, sie lockt auch Touristen an. Mehr als eine Million Menschen habe der Fremdenverkehrsverein seit Mitte der 90er Jahre vor Ort informiert. „Wir haben genau Strichliste geführt“, erklärt Trommer. „Dieses große Interesse an der Göltzschtalbrücke müsste noch besser genutzt werden.“
Da die Brücke frei zugänglich ist, könne die Zahl von 100 000 Besuchern jährlich nur eine Schätzung sein, betont sie. Um bei Touristen künftig noch mehr zu punkten, braucht es aus ihrer Sicht eine bessere Infrastruktur samt Toiletten und Gastronomie.
Touristisch soll das Areal an der Brücke nach dem Willen der anliegenden Städte Reichenbach und Netzschkau nun aufgewertet werden. Dazu ist laut Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) eine Machbarkeitsstudie bei einem Leipziger Büro in Auftrag. Geplant sind unter anderem Orientierungssysteme, Grundstücksankäufe sowie Rad- und Wanderwege. Außerdem soll sich die Parkplatzsuche für Autofahrer und die Situation für Fußgänger verbessern. Laut Kürzinger dürften die Kosten den ersten Plänen nach zwischen 15 und 25 Millionen Euro liegen.
Gekrönt werden sollen die Bemühungen um eine Aufwertung dieses Wahrzeichens durch den Welterbetitel. Dazu wurde eine 60-seitige Bewerbung beim Land Sachsen abgegeben, sagt Kürzinger. „Ich hoffe natürlich, dass die Göltzschtalbrücke als historisches Wahrzeichen exzellenter Ingenieurbaukunst das Rennen macht. Sie soll endlich auch in der Welt ihre Anerkennung finden.“
Eine Expertenkommission unter Vorsitz von Sachsens Landeskonservator Alf Furkert haben die Vogtländer schon überzeugt. Das Gremium hat im Auftrag des Landes drei sächsische Welterbe-Bewerber unter die Lupe genommen. Dazu gehören auch die Stätten des Meissner Porzellans und das Hauptgestüt Graditz bei Torgau. Als Empfehlung wurde die Göltzschtalbrücke auf Platz eins gesetzt. Folgt das Kabinett den Experten, dann ist sie einer der beiden sächsischen Welterbe-Vorschläge für die Kultusministerkonferenz im Herbst.
„Die Göltzschtalbrücke wird es“, gab sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer am 15. Juli an der Brücke optimistisch. Er hatte mit seinem Thüringer Amtskollegen Bodo Ramelow die Feier anlässlich der Erstbefahrung besucht. Beide Ministerpräsidenten versicherten, gemeinsam für die Weltkulturerbe-Status der größten Ziegelsteinbrücke der Welt zu kämpfen.

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