Vogtland Philharmonie gibt bis Silvester über 50 Konzerte - meinanzeiger.de
10. September 2020
Thüringer Vogtland

Vogtland Philharmonie gibt bis Silvester über 50 Konzerte

Aufführungen mit neuem Chefdirigenten und unter Hygiene- und Abstandsregeln

Intendant GMD Stefan Fraas (l.) begrüßt den neuen Chefdirigent Dorian Keilhack. (Foto: Gerd Zeuner)

Dorian Keilhack (Foto: Gerd Zeuner)

Seit dem 1. September ist Dorian Keilhack Chefdirigent der Vogtland Philharmonie Greiz – Reichenbach. Für den 53-Jährigen, der in Erlangen lebt und dessen Familie aus Wien stammt, ist das Engagement im Vogtland nicht nur die erste Chefstelle, sondern beinahe auch eine Rückkehr zu den Wurzeln. Denn seine Urgroßmutter lebte einst in Zwickau – zur gleichen Zeit wie der Komponist Robert Schumann. Ob sie mit dem berühmten Sohn der Mulde-Stadt verwandt war, weiß Keilhack nicht. Doch er fühlt sich der Region sehr verbunden. „Ich bin hier angekommen und fühle mich im Vogtland pudelwohl“, so der Pianist und Dirigent, „zumal mein Herz sowieso im Osten schlägt!“ Wohl auch deshalb, weil er mehrere Jahre als Kapellmeister am Theater Erfurt arbeitete und in der letzten Saison bei Konzerten der Vogtland Philharmonie mehrmals am Pult stand. Intendant GMD Stefan Fraas freut sich, dass man mit Dorian Keilhack einen Chefdirigenten gefunden hat, der mit beiden Beinen im Leben steht: „Er hat mit seinen bereits geleiteten Konzerten und in den Proben für die neue Saison gezeigt, dass er unsere Musiker erreicht und sie zu tollen Leistungen motiviert.“

Geplant sei eigentlich ein gleitender Übergang der künstlerischen Leitung gewesen, dass der neue Chefdirigent sozusagen fließend das Amt von David Marlow übernimmt. Doch Corona hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Von März bis Ende August sind insgesamt 87 Konzerte ausgefallen oder mussten verlegt werden“, bedauert Stefan Fraas. Die Zeit war nicht einfach für das Orchester – der Kulturbetrieb ruhte mehrere Monate und die Musiker mussten in Kurzarbeit gehen. Die Umsatzeinbrüche sind enorm. „In anderen Jahren haben wir bis Ende August immer etwa 800.000 Euro eingenommen, dieses Jahr sind es gerade einmal 380.000 Euro“, rechnet der Intendant vor. Um so mehr freuen sich alle im Orchester, dass der Konzertbetrieb seit diesem Monat wieder anläuft und ein bisschen Normalität einzieht. „Wir wollen weiterhin für unser Publikum da sein“, so Fraas, weshalb die Vogtland Philharmonie von September bis zum Ende dieses Jahres über 50 Konzerte gibt.

Ein Mammutprogramm, dass unter den geltenden Hygienebestimmungen und Abstandsregeln zu absolvieren ist. Die gelten nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Musiker. Die müssen 1,50 Meter Anstand voneinander halten und alle, außer den Streichern, spielen hinter Glas. Das beeinflusst natürlich die Akustik und stellt die Probenarbeit  vor ganz besondere Herausforderungen.

Stefan Fraas (Foto: Gerd Zeuner)

Um  für das Publikum die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, hat sich die Orchesterleitung gemeinsam mit den Häusern, wo die  Vogtland Philharmonie spielt, über entsprechende Veranstaltungskonzepte verständigt. „Die Hauptachse unserer Konzerttätigkeit in Greiz und Reichenbach sind die Sinfoniekonzerte“, sagt Stefan Fraas. Umso bedauerlicher war der Ausfall der Konzerte in den Monaten im April, Mai und Juni. „Wir haben dafür unseren rund 900 Abonnenten Gutschriften erteilt“, so der Intendant. 50 Prozent des Publikums haben ihre Gutschriften dem Orchester gespendet. „Dafür können wir uns nicht genug bedanken!“. Um allen Abonnenten die Möglichkeit des Konzertbesuches zu bieten, gibt es bis Dezember in der Vogtlandhalle Greiz und im Neuberinhaus monatlich statt sonst zwei immer fünf Sinfoniekonzerte. Denn die Belegzahl musste in beiden Häusern Corona bedingt auf jeweils knapp über 200 reduziert werden.

Zu den Sinfoniekonzerten der neuen Saison führt die Vogtland Philharmonie bekannte und weniger bekannte Werke auf. So erklingen zum 1. Sinfoniekonzert, zu dem mit dem Minguet Quartett ein renommiertes Streichquartett verpflichtet werden konnte, Werke von Bartholdy, Brahms, Beethoven und Edgar Elgar. Beim zweiten Konzert im Oktober führt die Vogtland Philharmonie neben Stücken von Robert Schumann und Antonin Dvorak zwei noch nie gespielte Kompositionen des nicht so bekannten Henri Vieuxtemps auf. Mit dem dritten Sinfoniekonzert im November wird der bisherige Chefdirigent David Marlow feierlich verabschiedet. Unter seiner Leitung erklingen Werke von Wagner und Sibelius. Das Dezember-Konzert steht ganz im Zeichen von Ludwig van Beethoven und dessen 250. Geburtstages. Das wird Dorian Keilhack als Pianist vom Klavier aus leiten – so wie es zu Beethovens Zeiten üblich war.

Neben den Sinfoniekonzerten lädt die Vogtland Philharmonie natürlich auch zu zahlreichen anderen Aufführungen ein. Von denen hebt Stefan Fraas die Familienkonzerte hervor. Diese sollen im Herbst sozusagen als Ersatz zu den wegen Corona abgesagten chorsinfonischen Konzerten erklingen und „Event-Charakter“ haben. So wird zu Prokofjews „Peter und der Wolf“ ein Trickfilm gezeigt und zum „Karneval der Tiere“ von Saint-Saens lässt die bekannte Sandmalerin Anna Anisimova live fantastische Bilder entstehen, was auf einer großen Leinwand zu sehen sein wird.

Die Silvester- und Neujahrskonzerte in Greiz und Reichenbach sind bereits so gut wie ausverkauft, nach Restkarten könne gern nachgefragt werden.

Alle Konzerte und Ticket-Info www. vogtland-philharmonie.de.

Fotoshooting zur Begrüßung des neuen Chefdirigenten. (Foto: Gerd Zeuner)

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