"An meine Hüte kommt keine Nähmaschine!" - meinanzeiger.de
28. Oktober 2020
Thüringen

„An meine Hüte kommt keine Nähmaschine!“

Sandra Kaiser setzt traditionelles Handwerk künstlerisch um

Modistin Sandra Kaiser kreiert ihre Hutkunst ausschließlich in Handarbeit. (Foto: Gerd Zeuner)

„Man muss etwas richtig können, um es authentisch darzustellen“, ist die Devise von Sandra Kaiser. Deshalb hat die Modistin ihren jetzigen Beruf von der Pike auf gelernt und vor 20 Jahren eine dreieinhalbjährige Ausbildung absolviert. Die praktischen Fertigkeiten erwarb sie in einer traditionsreichen Hutmanufaktur in Baden-Württemberg, wo sie auch ihre Gesellenstücke anfertigte. Die theoretische Prüfung legte sie in Stuttgart ab. Damit hatte die junge Frau ihre Berufung schließlich zum Beruf gemacht.

Die einstige Einzelhandelskauffrau habe sich schon immer für alte Handwerkstechniken und deren künstlerische Umsetzung interessiert: „Auf Mittelaltermärkten war ich als Darstellerin unterwegs und habe die Akteure bewundert, die alte Handwerkstechniken beherrschten“, erinnert sich die heute 45-Jährige. Während ihrer Ausbildung zur Modistin habe sie erfahren, wie wichtig die fundierte Aneignung praktischer Fertigkeiten ist. „Die umfassende Kenntnis der Materialkunde, die vielfältigen Möglichkeiten der Kombinationen und die korrekte Darstellung sowie die Anwendung verschiedener Nähtechniken und deren Einsatz in diversen Varianten kann man nicht ein einigen Wochenkursen lernen“, ist Sandra Kaiser überzeugt.

In ihrer Werkstatt im heimischen Pottiga fertigt die Ostthüringerin ihre Hutkunst, wie sie ihre Kreationen nennt, ausschließlich in Handarbeit. „An meine Hüte kommt keine Nähmaschine!“, lacht die Modistin, die sich gerne künstlerisch weiter entwickeln möchte. Da macht ihr allerdings Corona in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Konnte sie ihre Kunst bis zum Ausbruch der Pandemie vielfach in Museen, Ausstellungen und Schulen sowie auf geschichtlichen Märkten vorführen, sind seit Februar nahezu alle Aufträge weggebrochen. Lediglich zwei Auftritte auf Kunsthandwerkermärkten konnte Sandra Kaiser dieses Jahr absolvieren. „2020 hätte auftragsmäßig mein bestes Jahr werden können. Nun stehe ich nahezu vor dem Nichts“, bedauert die Modistin, die als Künstlerin keinerlei staatliche Corona-Unterstützung erhält. Und ob sie ihre in mehreren Schulen des Saale-Orla-Kreises angedachten Kurse für die Kinder absolvieren kann, steht in den Sternen.

Also sucht Sandra Kaiser nach Alternativen. „Ich verstehe mich als darstellende Künstlerin, bin auch mit einer Band unterwegs, wenn es Corona zulässt, und agiere als Marionettenspielerin“, beschreibt sie ihre kreative Vielseitigkeit, die auf 30 Jahre Erfahrung in Techniken wie Spinnen, Filzen, Weben und Nadelbinden basieren. Wer sich von ihrer Kunst überzeugen lassen will, kann die Ostthüringerin telefonisch gern unter 0174 9056634 kontaktieren.

Weitere Info: hexperiments.de.

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