11. Februar 2021
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Der Blick in die Weiten des Universums

Michael Frank und Adrian Cramer sind fasziniert von der Unendlichkeit des Alls. Sie verbindet das Interesse an der Astrofotografie, der sie viele Stunden ihrer Freizeit widmen, immer dann, wenn andere schlafen.

Der Pferdekopfnebel ist ein drei Lichtjahre großer Teil einer Dunkelwolke im Sternbild Orion, die sich vor dem rot leuchtenden Emissionsnebel IC 434 mit einer Silhouette ähnlich einem Pferdekopf abhebt. Von der Erde ist der Nebel ungefähr 1500 Lichtjahre entfernt und erscheint deshalb ein Viertel so groß wie der Erdmond.  Michael Frank

Sie stehen nächtelang in der Kälte und schauen in den Himmel. Gebannt den Blick fixiert auf das eine Objekt, das eigentlich mit bloßen Auge nichts weiter ist als ein unscheinbarer Lichtpunkt, einer von vielen ­Milliarden, die bei klarem Wetter im Sternenmeer ihr Licht zur Erde schicken.
Michael Frank und sein Freund Adrian Cramer frönen dem nicht alltäglichem Hobby der Astrofotografie – dem Mercedes im weiten Feld der Fotografie.
Angefangen hat es bei ­Adrian Cramer vor dem Fernseher. „Ich saß zu Hause und habe eine Reportage über den Jupiter und den ­Saturn geschaut. Das fand ich sehr faszinierend und ich dachte, das muss ich auch einmal sehen, am liebsten mit den eigenen Augen. Also habe ich beschlossen, mir ein Anfänger-Set zu besorgen. Ohne Motoren und Computertechnik.“ Ein ­Bekannter riet ihm sich mit dem Thema Astrofotografie zu befassen.
„Also habe ich alles wieder verkauft und neu investiert. In einen Laptop, die Montierung EQ6R mit Riemenantrieb für die automatische Kameranachführung, die Optik und die Kamera selbst“, erzählt Adrian Cramer und erläutert, dass bei den langen Belichtungen von 3 bis 12 Minuten – teils auch noch viel länger – für ein Teilbild diese exakte ­Kameranachführung unbedingt notwendig ist.

Adrian Cramer (links) und Michael Frank sind fasziniert von der Unendlichkeit des Alls. In klaren Nächten richten sie ihre Spezialoptiken gen Himmel.
Foto: Uwe-Jens Igel

Begonnen wird mit der Justierung auf den Polarstern. Nachdem der gefunden ist sorgt ein Programm im Rechner dafür, dass sich das automatisch auf das zu fotografierende Objekt ausrichtet und es auch genau im Fokus behält. „Denn mit einem Bild ist es ja nicht ­getan“, plaudert Adrian ­Cramer weiter aus dem Näh­kästchen seines faszinierenden Hobbys. „Oft sind es Hunderte Einzelaufnahmen mit verschiedenen Belichtungsparametern, die dann im Rechner zu einem Endbild zusammengesetzt werden“, erzählt Cramer, der diesen Zeitvertreib allein als Hobby betreibt. Denn „verkaufen kann man die Bilder nicht. Im Internet gibt es das Ganze kostenlos vom Weltraumteleskop Hubble, und die sind dreimal besser. Wir können mit den Bildern nichts anfangen. Es ist lediglich der Spaß am Aufbauen und dem sich damit beschäftigen.“
Nun ist das technische das eine, die Sicht etwas ganz ­anderes. Denn leider nimmt auch in Thüringen die Lichtverschmutzung immer mehr zu. Immer heller werden die Nächte und machen es den Astrofotografen deutlich schwerer. „Das stimmt“, bestätigen Adrian Cramer und Michael Frank, der verrät, „dass es noch immer einige wenige Punkte im Landkreis Gotha gibt, an denen sich die störende Helligkeit am Firmament in Grenzen hält. Wo die sind verraten wir aber nicht.“ Auch wenn es dafür inzwischen verschiedene Filter gibt, ist das Thema Himmelsaufhellung ein großes Thema genauso wie ein ­besonders heller Mond.
„Wobei aber klarer Himmel nicht gleich klarer Himmel ist“, erzählt Michael Frank. Für uns ist das astrono­mische Seeing sehr wichtig. Es beschreibt das Flackern der Sterne. Und dieses Flackern liegt an den unterschiedlichen Luftschichten und die verschiedenen Temperaturen darin. Das hat zur Folge, dass sich das Licht auch unterschiedlich darin bricht. Also müssen wir ­zusehen vom Wetter her ­wenig Flackern, also ­Unschärfe zu haben.“
Neben aller Fotografiererei sollte man aber auch sich ein bisschen mit den Gestirnen auskennen. „Ja klar“, bestätigt Michael Frank und verweist auf spezielle Sternenkarten, die im Netz und den Freaks der Szene zugänglich sind. „Denn ich muss wissen was sehe ich gerade, wann sehe ich es und wo sehe ich es. Inzwischen gibts auch da ne App für.“

Die Plejaden, auch das Siebengestirn oder die Sieben Schwestern ­genannt, sind ein offener Sternhaufen den man auch unter schlechten Bedingungen mit bloßem Auge erkennen kann.
Foto: Adrian Cramer

Für ihn begann das Inte­resse am Himmel und seinen Abermillionen Sternen ­bereits als Kind. „Erst recht, als sich die Frage nach Außerirdischen stellte und mein ­Vater ein preiswertes Teleskop mit nach Hause brachte. Ohne wirklich ­davon Ahnung zu haben ­begannen meine Blicke ins All. Step by step wurde es mehr, dann kam das erste eigene Teleskop und nun entlocke ich der ewigen Dunkelheit schon recht passable Bilder. Ich möchte ­Dinge sichtbar machen, die man mit bloßem Auge nicht erahnen kann, dass sie da sind – und auch bei mir aus reinem Hobby.“
Ausgetauscht werden die Bilder untereinander und in verschiedenen Foren und Facebook-Gruppen. „Hier teilen wir die Bilder, geben unseren Senf dazu und eignen uns Wissen an. Man lernt sehr viel, findet neue spannende Fotomotive und bekommt Tipps für die Bildbearbeitung. Die ist das Eigentliche. Das reine Aufnehmen ist nicht spannend, auch wenn es sich über Stunden, Tage, Monate hinzieht. Darüber hinaus unterscheidet man ja auch, ob man ein normales RGB, also Farbbild aufnimmt oder Lichtdaten von anderen Strahlungs­quellen sammelt – wie solche, die von Hubble aufgenommen werden und das Teleskop berühmt gemacht haben. Denn die schönen bunten Bilder, die wir von ihm kennen, sind oft keine normalen Farbfotos. Es sind Kombinationen aus Lichtdaten unterschiedlicher Gase (Ha, SII, OIII) die in ihrem Spektrum fotografiert und übereinandergelegt wurden und zufälliger Weise ein sehr ansprechendes Ergebnis ­geliefert haben, die so ­genannte Hubble-Palette.“

Der Cirrus oder Schleiernebel ist der im optischen Spektrum sichtbare Teil des Cygnusbogens, einer Ansammlung von Emissions- und Reflexionsnebeln, die sich in einer Entfernung von rund 2400 Lichtjahren im Sternbild Schwan befinden. Sie sind zusammen der Überrest einer Supernova, die vor circa 8000 Jahren stattfand.
Foto: Michael Frank

 

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