9. Juli 2022
Vogtland

Auf einen Moment

Schadenfreude?

Foto: Pixabay

Ich fahre auf einer kurvigen Landstraße mit meinem Golf. Knapp unter der erlaubten Geschwindigkeit. Hinter mir taucht ein flacher Sportwagen auf. Der Fahrer blendet auf, macht Handbewegungen, die sagen: Fahr schneller! Ich lasse mich nicht nötigen, fahre weiter die gleiche Geschwindigkeit. Wieder schaue ich in den Rückspiegel. Jetzt zeigt er mir den Vogel, bewegt seine Hand wie einen Scheibenwischer vor den Augen. Der hält mich für völlig bescheuert, schließe ich daraus. Aber warum eigentlich?

Dann kommt ein gerades Stück Straße. Mit hoher Geschwindigkeit überholt er mich, viel schneller als erlaubt. Er braust davon. Wenige hundert Meter weiter steigt er in die Bremsen. Doch zu spät. Die Polizei hat die Geschwindigkeit mit einer Laserpistole erfasst. Sie winken ihn auf einen Parkplatz.

Ich fahre vorbei und da spüre ich sie: Die Schadenfreude. Nur kurz, aber sehr stark. Dann sage ich mir: Auch du machst Fehler. Der Raser wird schon genug bestraft. Punkte, Geldstrafe, vielleicht Führerscheinentzug. Da braucht er nicht auch noch deine Schadenfreude.

Dass wir manchmal Schadenfreude empfinden, ist eine natürliche Reaktion. Aber sie geht immer auf Kosten anderer. Sie hat etwas Zerstörerisches. Sie ist überflüssig wie ein Kropf. Es liegt in unserer Hand, ob wir ihr das Feld überlassen. Tun wir das nicht, wird die Welt ein bisschen besser.

Seien Sie gut zu sich!

Felix Leibrock

Felix Leibrock, Pfarrer & Autor. Alle Rechte vorbehalten.    www.felixleibrock.de ; www.meinanzeiger.de/leibrock

 

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