7. Mai 2020
Vogtland

Aus für den Golfsport im Saale-Orla-Kreis

Ehrung des letzten Monatsmeisters 2019 des Golf- & Countryclubs Ludwigshof, Rolf Nusche, durch den letzten Präsidenten des Clubs, Helmut R. W. Herrman. (Foto: Privat)

Mit der Ehrung des letzten Monatsmeisters 2019 des Golf- & Countryclub Ludwigshof, Rolf Nusche, durch den letzten Präsidenten des Clubs, Helmut R. W. Herrman, ist die Zeit des Golfsports im Saale-Orla Kreis Geschichte.

Der Golf- & Countryclub Ludwigshof war im Saale-Orla Kreis der einzige Golfclub, welcher vom „Deutschen Golf Verband“ (DGV) anerkannt war, und damit vorgabewirksame Turniere ausrichten konnte. Dieses wurde durch die Unterstützung des Golfclub Hof ermöglicht, der dem Club Ludwigshof bis zur geplanten Fertigstellung eines eigenen Platzes, 9 Bahnen verpachtete.

Durch diese Partnerschaft wurde es den Mitgliedern vorab ermöglicht Turniere zu spielen und damit den Wettkampfsport nach internationalen Regeln auszuführen. Die Grundlage, das sogenannte Handicap zu verbessern. (Handicap = eine Einstufung der persönlichen Spielstärke nach Erlangen einer Platzreife)

Auftakt 2004 auf einer eilig hergerichteten Wiese

Begonnen hatte alles am 6. November 2004. An dem Tag trafen sich anlässlich des Hubertusfestes ca. 20 Golfbegeisterte auf dem Gelände der Agrarprodukte Ludwigshof zu einer Crosscountry-Runde über 18 Loch. 18 Bahnen auf einer eilig, aber bespielbar hergerichteten Wiesenfläche der Agrarprodukte Ludwigshof, nahe der Stadt Ranis.

Die interessierten Spieler aus dem Umkreis von Ranis wurden unterstützt von Golfern aus Berlin und Brandenburg, Mitglieder des Golfclub Wilkendorf bei Strausberg, Freunde des Ideengebers und späterem ersten Präsidenten des Golf- & Countryclub Ludwigshof, Hans Westerheide. Zum Leidwesen aller Spieler wurde das Spiel aufgrund starker Regen- und Schneeschauer abgebrochen. Ein böses Omen?

Die Spielbegeisterung und die vor Augen stehende Möglichkeit des Golfspielens vor der Haustür, war der Zündfunke für den Plan, hier um Ranis das Gelände für einen Golfplatz zu finden. Noch am gleichen Abend, wurde das nächste Treffen vereinbart, welches zur Gründung einer Interessengemeinschaft führte. Diese finanzierte die ersten Kosten, um mit den Arbeiten für einen „naturnahen“ Platz zu beginnen.

Weiter im Freudental

In Zusammenarbeit mit dem Agrarbetrieb Schmidt aus Wernburg und der Agrarprodukte Ludwigshof wurde das Gelände für einen Golfplatz gefunden – das Freudental.

Erster Spieltag der Golfgemeinschaft war dann am 15. Mai 2005. Auf einer ca. 5 ha großen Fläche konnten in kurzer Zeit mit Hilfe der Gartenarbeiter der Behinderten Werkstätten Pößneck, die das Mähen der Golfbahnen in der ersten Zeit übernahmen, die ersten eigenen 9 Spielbahnen geschaffen werden. Bis nach Saalfeld und Rudolstadt hatte es sich herum gesprochen, dass in Ranis ein Golfplatz entsteht.

Zwei Jahre später, am 8. Juni 2007, gründeten die Mitglieder der Interessengemeinschaft den Golf- & Countryclub Ludwigshof e.V. – der vierte Golfclub Thüringens. Heute gibt es sieben Golfanlagen über Thüringen verteilt.

Unterstützung durch viele Partner

Im Laufe der Folgejahre gelang es den ca. 60 Mitgliedern in Eigenarbeit einen bespielbaren, naturnahen 9 Loch Golfplatz anzulegen und zu pflegen.

An dieser Stelle sei den Mitgliedern, aber auch den damaligen Sponsoren, ohne deren Unterstützung mit Sach- und Geldspenden alles nicht entstanden wäre, gedankt.

Das gesamte Projekt wurde in enger Abstimmung mit der Stadt Ranis, dem damaligen Landrat Roßner, den zuständigen Stellen im Landratsamt und der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) begonnen.

Alle Planungen und Gestaltungen erfolgten immer mit dem Wissen, dass die Fläche in einem Naturschutzgebiet liegt und die DEGES hier die Ausgleichflächen für das Autobahnkreuz Triptis anlegen will.

Das Golfplatzprojekt wurde zu Beginn von den Verantwortlichen der DEGES positiv aufgenommen und lange Zeit auch unterstützt. Immer unter dem Gesichtspunkt, dass ein kleiner, regional ausgerichteter, „naturnaher“ Golfplatz entsteht. In den ersten Jahren begleiteten alle Stellen das Projekt positiv, mit dem Ziel, dass ortsansässige Bürger hier etwas aus eigener Kraft für ihre Region schaffen wollten.

Dann das plötzliche Ende am 19. Juni 2009, das letzte Spiel.

Es gelang nicht die Interessen des Naturschutzes mit einer naturnahen Golfanlage in Einklang zu bringen. Konkret, der Rasen durfte ab sofort nur noch zweimal im Jahr gemäht werden. Ein Golfrasen muss aber, um spielbar zu bleiben, zweimal in der Woche gemäht werden. Es war aus, der Verein musste alles zurückbauen – das Gelände verlassen. Seit dem liegt es brach, ab und zu weiden dort Schafe und es wird vertragsgemäß gemäht.

Suche nach neuem Gelände

Nun begann die Suche nach einem neuen Gelände. Es wurde eine Odysse durch das gesamte Orlatal – Friedebach, Rehmen, Ranis, Positz bis nach Knau. Es scheiterte oft an den Eigentümern, hauptsächlich aber an der Bewirtschaftung durch die jeweiligen Agrarbetriebe. 

Zwei Jahre Suche ohne Erfolg bedeutete zwangsläufig auch den Verlust von Mitgliedern, welche sich entschieden, in anderen bestehenden oder neu errichteten Golfclubs zu spielen. Herbe Verluste für den Verein, dessen Kostenrechnung auf ca. 100 Mitglieder basierte.

Dann in Knau ein Lichtblick. Der Geschäftsführer der Agrofarm Knau, Herr Helmut Gumpert, wagte zusammen mit dem Verein, im Rahmen der örtlichen Gegebenheiten, den Versuch, dem Golfsport im Saale-Orla Kreis eine neue Chance zu geben.

Es wurde ein Pachtvertrag über ca. 5 ha abgeschlossen. Unterstützt wurde das Vorhaben durch das Aussäen von Grassamen und der Vermietung einer Garage für die Arbeitsgeräte. Das vorhandene Restaurant incl. der Sanitäranlagen und Parkplätze bot dem Club sehr gute Voraussetzungen.

Neustart 2012

Der Neustart war am 1. Mai 2012. Auf eigenes Risiko wagten die verbliebenen 16 Mitglieder den Neubeginn. Es gab viel zu tun. Trotzdem waren alle optimistisch und schauten froh in die Zukunft. Die wichtigste Aufgabe war nun, neue Mitglieder zu finden.

Monatsmeister 2013.  (Foto: Privat)

Im Laufe der nächsten Zeit wurde der Club dann immer mehr mit den Gegebenheiten der Verordnungen und der Politik konfrontiert. Laien allein gegen Fachleute – ein ungleicher Wettbewerb! Weiterführende Hilfe war kaum zu sehen.

Von der noch anfänglichen Euphorie der Kommune Wege zu finden um das Projekt zu fördern, wuchs bei den Mitgliedern dann langsam der Eindruck, dass die Schwellen immer höher wurden und das Verständnis für einen Golfclub, mit den stetig steigenden behördlichen Vorgaben, immer niedriger wurde.

Durch immer kompliziertere Genehmigungsverfahren, fehlende Unterstützung seitens der Politik und Kommune wurden die Anforderungen an den Verein zu hoch und damit schließlich unerfüllbar.

Trotz aller Mühen des Vorstandes und der Mitglieder konnten keine neuen Interessenten für den Golfclub gewonnen werden.

Das endgültige Aus

Dies alles bedeutete dann das Aus für den Golf- & Countryclub Ludwigshof e.V. in Knau zum 31. März 2015. Mit der Löschung im Vereinsregister erfolgte dann in 2019 die endgültigen Auflösung des Golf- & Countryclub Ludwigshof e.V.

Die verbliebenen Golfer spielen nun wieder in Hof, auf dem Gelände des Golfclub Haidt für Fernmitgliedschaften. Die anfängliche Partnerschaft zum Golfclub Hof ist für die verbleibenden Mitglieder der wieder entstandenen Interessengemeinschaft „Golf- & Countryclub Ludwigshof“ zum Heimatclub geworden.

Teilnehmer des letzten Turniers des Golf- und Countryclubs Ludwigshof. (Foto: Privat)

 

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