27. November 2021
Vogtland

DRB-Bundesliga: Greiz schlägt Hösbach 16 : 13

Der Greizer Alex Szöke wirft Ilja Klasner und gewinnt gegen den Hösbacher durch Technische Überlegenheit. )Foto: G. Zeuner)

Greiz. Im letzten Heimkampf des RSV Rotation Greiz in der Ringer-Bundesliga-Hauptrunde 2021 schlagen die Gastgeber den KSC Germania Hösbach exakt mit dem gleichen Ergebnis wie in der Hinrunde: Nach zehn spannenden Kämpfen, von denen jedes Team fünf für sich entscheiden kann, behalten die Greizer wieder mit 16:13 gegen Schützlinge von Mario Wohlfart die Oberhand.

Der Coach der Unterfranken hatte vor der Begegnung drei Schlüsselkämpfe ausgemacht – und diese drei Kämpfe bringen Hösbach nicht die erhofften Punktgewinne: Der Greizer Sven Cammin hält seine Niederlage gegen Peter Haase genauso in Grenzen wie Ahmed Bilici gegen den 21 Kilo schwereren Iraner Mohsen Siyar. Und Dawid Karecinski gewinnt sogar gegen den Bulgaren Dimitri Dobrov nach Punkten. Und nachdem Igor Besleaga, Ergün Aydin und Vizeweltmeister Alex Szöke mehr oder weniger erwartungsgemäß für den RSV punkten, ist es für die Gastgeber besonders schön, dass der Greizer im letzten Kampf des Abends recht spektakulär „den Sack zumacht“.

Mit dem Sieg hat sich Greiz bereits Platz drei in der Tabelle der Oststaffel gesichert, was für die Auslosung zur Play-Off-Runde um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft nicht ganz unwichtig sein dürfte. Bis dahin stehen aber noch die Auswärtskämpfe in Markneukirchen (4.12.) und Lübtheen (11.12.) auf dem Programm.

Hier in der Bilder-Slideshow erste Impressionen und alle Ergebnisse vom Kampfabend Greiz gegen Hösbach, darunter der ausführliche Bericht von Erhard Schmelzer:

RSV Rotation Greiz gegen KSC Germania Hösbach endet 16:13

Von Erhard Schmelzer

Mit Spannung wurde in Greiz dem Rückkampf gegen den Verfolger KSC Hösbach in der Bundesliga der Ringer entgegengefiebert. Greiz hatte den Vorkampf in Hösbach knapp mit 16:13 für sich entschieden. Auf Grund der Corona – Beschränkungen verloren sich diesmal nur 290 Zuschauer in der Greizer Halle. Damit stellte Greiz zwar noch immer den deutschen Zuschauer – Corona – Rekord des Kampftages auf, die finanziellen Einbußen des Vereins werden aber immer größer. Der Kampfabend begann mit einer Schweigeminute für den Anfang der Woche verstorbenen langjährigen Jugendtrainer des Vereins Andreas Mattern.

Auf der Matte erfüllte sich dann die Prophezeiung des Greizer Trainers Tino Hempel, der ein 5:5 nach gewonnen Kämpfen erwartete. Es wurde bis zur letzten Sekunde ein spannender Kampfabend bei dem die Zuschauer voll auf ihre Kosten kamen.

Die Gäste gingen durch drei Siege 8:0 in Führung, die Greizer holten durch ihren ungarischen Vizeweltmeister Alex Szöke (98 kg/g) auf, der den DM-Dritten Ilja Klasner schon nach zwei Minuten mit attraktiven Würfen bezwungen hatte, für die der Leipziger Kampfrichter Ingo Gleisberg zweimal die selten vergebene Höchstnote „Fünf“ zückte. Den zweiten Greizer Sieg steuerte der polnische Routinier Dawid Karecinski (66 kg/g) bei, der den Bulgaren Dimitri Dobrov mit 5:1 bezwang. Beim dritten Greizer Erfolg profitierte Ergün Aydin (86 kg/f) von einer Verletzung seines Gegners Johannes Deml, der sich bei einer Angriffsaktion am Knie verletzte und den Kampf nicht fortführen konnte. Die Greizer Mannschaft ging dadurch erstmals in Führung – 10:8. Doch postwendend stand es 10:12 für die Gäste als dass Hösbacher Eigengewächs Niklas Dorn Abdul Galamatov (71 kg/f) kurz vor Schluss mit 0:16 Punkten von der Matte schickte. Doch die Greizer hielten dagegen und bauten ihren Vorsprung durch Igor Besleaga (80 kg/g), der den aus dem vorpommerschen Torgelow stammenden Evgenij Titovski bereits in der vierten Minute mit 15:0 bezwingen konnte, wieder auf zwei Punkte aus.

Die letzten beiden Kämpfe im 75 kg-Limit mussten nun für die Entscheidung sorgen. Im griechisch – römischen Stil traf Christian Fetzer auf keinen Geringeren als den frischgebackenen WM-Dritten Gevorg Sahakyan. In dieser Gewichtsklasse hatte Gästetrainer Mario Wohlfahrt die Qual der Wahl, da auch der Weltmeister Malkas Amoyan aus Armenien eine Hösbach-Lizenz besitzt. Da aber Amoyan als Armenier im Gegensatz zu seinem ehemaligen Landsmann Sahakyan, der in Polen naturalisiert ist, nicht unter die EU-Regelung fällt und nur ein Nicht – EU – Ringer starten darf, entschied sich Wohlfahrt für den Iraner Mohsen Siyar, der im Schwergewicht startete. Der 37-jährige Greizer Routinier zeigte gegen den WM-Dritten Sahakyan eine phantastische Leistung, führte bis zur vierten Minute sogar mit 1:0. Dann gab er im Bodenkampf eine „Zwei“ ab. Als der Pole in der Schlussphase optisch überlegener wurde, musste der Greizer noch einmal in den angeordneten Bodenkampf, doch diesmal konnte er die Situation ohne Punktverlust überstehen. Die Gäste hatten hier sicher mehr als einen 3:1 Erfolg erwartet, der nur einen Mannschaftspunkt brachte.

Die Gastgeber führten nun 14:13 und schickte das Eigengewächs Lucas Kahnt im freien Stil in das letzte Gefecht. Er traf auf den ehemaligen Juniorenmeister Yannick Ott. Anfangs lief alles nach Plan, der Greizer ging 1:0 in Führung. Doch mit einem Kopf-Hüft-Schwung, den der Greizer allerdings übernahm, ging der Hösbacher 4:3 in Führung. Zur Halbzeit führte dieser sogar 6:3. Doch die durchtrainierte Greizer Kampfmaschine hielt der Nervenprobe stand, in der zweiten Hälfte punktete nur noch der Sportler im roten Heimtrikot. Trotzdem blieb der Kampf bis zum Ende spannend. Erst sieben Sekunden vor Schluss, als das 12:6 fiel, erschollen die Greizer Siegesgesänge: „Hier regiert der RSV!“

RSV-Trainer Tino Hempel freute sich „über den Sieg der ganzen Mannschaft. Alle haben hervorragend gekämpft und alles für den Sieg gegeben. Der erstmals in dieser Saison in der leichtesten Gewichtsklasse eingesetzte Sven Cammin (57 kg/g) zeigte bei seiner knappen 2:7 Niederlage gegen den Seriensieger Peter Haase genau so eine Superleistung wie Ahmet Bilici (130 kg/f), der gegen den mehr als 20 Kilogramm schwereren Iraner Mohsen Siyar auch nur zwei Mannschaftspunkte abgab.“ Nicht vergessen darf auch Ghenadie Tulbea (61 kg/f) werden, der eine Gewichtsklasse höher startete und gegen den bulgarischen EM-Fünften Mikyay Naim vier Minuten – da stand es 4:7 – gut mithielt, dann aber mit einer Beinschrauben-Fesselung erwischt wurde und mit 4:19 unterlag.

Schon zwei Runden vor Schluss haben die Greizer Ringer den KSC Hösbach nun endgültig hinter sich gelassen und gehen auf jeden Fall mit dem dritten Tabellenplatz in die Auslosung bei der Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Mit zwei Siegen in den nächsten beiden Wochen beim Vogtlandderby in Markneukirchen (4.Dezember) und in Lübtheen (11.Dezember) könnte aber sogar noch der zweite Tabellenplatz erreicht werden. Die Auslosung für die Endrunde erfolgt nach dem letzten Kampftag der Staffeln Südwest und West am Sonnabend, den 18.Dezember. Dann wird sich entscheiden ob der Greizer Heimkampf im Achtelfinale am 8. oder am 15. Januar 2022 stattfindet. Es sei denn die Corona-Pandemie macht einen Strich durch die Rechnung.

Erhard Schmelzer

Einzelergebnisse:

Stilart Gewicht Ist Name Ist Name Punkte Wertung Zeit
Gr.-röm. 57 56,7 Sven Cammin (2) 56,9 Peter Haase (2) 0:2 PS 2:7 06:00
Freistil 61 59,3 Ghenadie Tulbea N6 (1) 61 Mikyay Naim EU (7) 0:4 TÜ 4:19 04:08
Gr.-röm. 75A 74,4 Christian Fetzer (2) 72,7 Gevorg Sahakyan EU (8) 0:1 PS 1:3 06:00
Freistil 75B 74,9 Lucas Kahnt (-2) 69,6 Yannick Ott (1) 2:0 PS 12:6 06:00
Gr.-röm. 98 97,4 Alex Gergö Szöke EU (7) 97,6 Ilja Klasner (2) 4:0 TÜ 15:0 02:06
Freistil 130 89,8 Ahmet Bilici EU (5) 111 Mohsen Siyar N (5) 0:2 PS 0:7 06:00
Gr.-röm. 66 65,9 Dawid Karecinski EU (5) 65,9 Dimitri Dobrov EU (5) 2:0 PS 5:1 06:00
Freistil 71 67,1 Abdul Hadi Galamatov N4 (-2) 69,4 Niklas Dorn (-2) 0:4 TÜ 0:16 05:18
Gr.-röm. 80 79,7 Igor Besleaga EU (5) 79,8 Evgenij Titovski (1) 4:0 TÜ 15:0 03:39
Freistil 86 83,7 Ergün Aydin (2) 85,9 Johannes Deml (-2) 4:0 AS 2:1 01:45

 

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