19. Oktober 2021
Vogtland

Inklusion als ganzheitliche Aufgabe

Neuer Fachdienst im Landratsamte des Saale-Orla-Kreis

Mitarbeiterinnen des Fachdienstes Frühe Hilfen und Inklusion. (Foto: Landratsamt SOK)

Frühe Hilfen und Inklusion/Jugendamt ist Ansprechpartner für Eltern von Kindern mit verschiedenem Förderbedarf – vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen

Schleiz. Im Fachbereich Soziales, Jugend, Gesundheit des Landratsamtes Saale-Orla-Kreis gibt es einen neuen Fachdienst mit dem Namen Frühe Hilfen und Inklusion/Jugendamt. Die Abteilung besteht aus zwölf Mitarbeiterinnen des Jugendamtes und des Sozialamtes, die nun intensiver und effektiver als bisher zusammenarbeiten. Von der Sozialpädagogin bis zur Kinderkrankenschwester, von der Heilpädagogin und Fachkraft für interdisziplinäre Frühförderung bis zur Verwaltungsangestellten.

„Der wichtigste Vorteil für die Familien im Saale-Orla-Kreis ist, dass die Eltern nun Hilfe und notwendige Unterstützung für ihre Kinder aus einer Hand bekommen. Früher mussten Eltern manchmal von Amt zu Amt, sozusagen von Pontius zu Pilatus, um herauszufinden, wer für sie zuständig ist“, erklärt Fachdienstleiterin Corina Fügmann. Sie selbst hat Sozialpädagogik und Soziale Arbeit studiert, ist seit 2004 im Jugendamt des Landratsamtes tätig und leitete bisher den Allgemeinen Sozialen Dienst sowie die Netzwerke Frühe Hilfen/Kinderschutz und Courage gegen Drogen.

Seit Anfang Oktober sind die Mitarbeiterinnen im Landratsamt nun auch räumlich in der Kreisverwaltung vereint und bezogen den Bereich des früheren hauptamtlichen Beigeordneten. Im Rahmen einer Umstrukturierung war der neue Fachdienst bereits im Mai gebildet worden. Bisher arbeiteten die zwölf Frauen in verschiedenen Gebäuden und Etagen des Landratsamtes.

Grundlage der Arbeit des neuen Fachdienstes ist ein Verständnis von Inklusion, bei dem die Kinder und Jugendlichen mit ihren individuellen Kompetenzen und Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen – ganzheitlich, personenbezogen. Das heißt, es wird geprüft, welchen Förderbedarf ein Kind hat und nach welchen gesetzlichen Grundlagen diese Förderung geleistet werden kann; welcher Paragraph des Sozialgesetzbuches auf den konkreten Fall anzuwenden ist. Dies ist je nach Altersgruppe eines Kindes und je nach Förderbedarf verschieden.

„Wir haben durch die Umstrukturierung Fachkräfte aus dem bisherigen Jugendamt und Sozialamt gebündelt, um Synergieeffekte zu erzeugen.  Den Eltern sollen Wege und Sorgen erspart werden, um für die Kinder die bestmögliche Teilhabe zu ermöglichen“, so Corina Fügmann.  Ab der Schwangerschaft sind Unterstützungen möglich, in den ersten Lebenswochen und Monaten, in der Kindertagesstätte, Kindertagespflege, in der Schule und Ausbildung.

Seit Jahren kommen die Partner der verschiedenen Institutionen im Rahmen des Netzwerkes Frühe Hilfen zusammen, um die jeweiligen Angebote bekannt zu machen und gezielt Hilfe und Förderung zu vermitteln. Dazu gehören die Schwangerenberatungsstellen, Gynäkologen, Kinderärzte, der Erstbesuchsdienst des Landratsamtes, das Team Frühpädagogik in Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten, die Suchtberatungsstellen, Jobcenter, Fachdienste des Jugendamtes, Migrationsdienst, Schulamt und weitere.

Im Rahmen der Prävention gibt es Infonachmittage für junge Eltern, um  auf die Angebote aufmerksam zu machen. Diese können von Beratung über heilpädagogische Leistungen bis zur 1:1-Betreuung reichen. Angebote der Eingliederungshilfe gelten für alle Kinder und Jugendlichen mit (drohender) Behinderung. Die Fachkräfte im Bereich Frühe Hilfen/Inklusion begleiten die Eltern in allen Lebensphasen ihrer Kinder.

Im Juni 2021 trat nach Beschluss des Bundesrates das Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen in Kraft, das Bundesteilhabegesetz im Jahr 2016, die UN-Behindertenrechtskonvention mit der Unterzeichnung in Deutschland im Jahr 2007. So ist das inklusive Bildungssystem nach Art. 24 UN-Behindertenrechtskonvention ein bundes- wie landespolitisch und gesellschaftlich gewolltes, anzustrebendes Ziel. Die Umsetzung ist eine Pflichtaufgabe kommunaler Behörden.

Auch interessant