27. Oktober 2020
Vogtland

Serie: Thüringer Rathäuser – das Rathaus in Zeulenroda

Das klassizistische Rathaus der Doppelstadt ist ein besonderes architektonisches Kleinod

Das Zeulenrodaer Rathaus zählt zu den schönsten seiner Art in Thüringen. (Foto: Gerd Zeuner)

Empfohlen von Bürgermeister Nils Hammerschmidt.

Zeulenroda. Der Vorgängerbau des Zeulenrodaer Rathauses entstand 1707/1708 nach den Plänen des Zimmermanns Paul Dieroff. Am 1. April 1790 zerstörte ein Stadtbrand die Innenstadt mit dem Rathaus und der Wiederaufbau ging in den Notzeiten (Napoleonische Kriege) nur schleppend voran. Als Erbauer des heutigen Rathauses wird der Zeulenrodaer Strumpfwarenverleger Christian Heinrich Schopper genannt und verehrt. Der Autodidakt und Schöngeist begeisterte mit seinen Entwürfen die Stadtväter und so begannen 1825 die Arbeiten am größeren Neubau.

1827 erfolgte die Fertigstellung, doch feierten die Zeulenrodaer erst die Einweihung 1828, nachdem die Statue der Themis ihren Standplatz auf der Turmspitze eingenommen hatte. Schoppers Kostenvoranschlag von 10.700 Taler wurde von den tatsächlichen Kosten mit 25.403 Taler weit übertroffen. Dies verübelte man ihm noch lange, ohne wahrzunehmen, dass der Stadt mit diesem klassizistischen Rathaus ein besonderes Kleinod geschenkt wurde.

Eine Besonderheit ist die weithin sichtbare, vergoldete Statue auf dem Rathausturm, da sie die griechische Mythengestalt „Themis“ verkörpert – die Göttin der Gerechtigkeit, der Sitte und der Ordnung sowie der Philosophie. Sie wird im Volksmund „Gette“ genannt – die Kurzform des Frauennamens Henriette.

Blickt man aus dem Rathaus, wird man des 2010 umgestalteten Marktes ansichtig, gesäumt von klassizistischen Bürgerhäusern, die in der Entstehungszeit des Rathauses erbaut wurden.

Prominente Besucher konnten bereits mehr als genug in unserem Rathaus begrüßt werden. Man kann nicht festlegen, welcher Gast der prominenteste war, das wäre rein subjektiv. Aus der Politik wäre da auf jeden Fall Thüringens ehemaliger Ministerpräsident Bernhard Vogel zu nennen.

Das Zeulenrodaer Rathaus ist im reich mit Gemälden aus dem Oeuvre des hiesigen Malers Friedrich Reimann geschmückt. Besichtigen kann man sie im Sitzungssaal, doch hält auch das Städtische Museum in der Aumaischen Straße einige Artefakte bereit.

Einen „Schatz“ gibt es im Rathaus zwar nicht, allerdings hängt im Dienstzimmer des Bürgermeisters eine kunstvolle Kopie des originalen Stadtbriefes von 1438. Das Original wird im Städtischen Archiv aufbewahrt. Ansonsten sei bemerkt, dass die oben genannten Gemälde auch einen Schatz für sich repräsentieren.

Derzeit wird das Rathaus energetisch saniert. Dieses Jahr werden Holzfenster und -türen erneuert und nächstes Jahr wird der Zwischenboden gedämmt. Zudem werden neue Türen und Fenster eingebaut und die Fenster zur Marktseite mit Sonnenschutz im Glas ausgestattet.

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