1. Mai 2017 in Weimar - meinanzeiger.de
7. Mai 2017
Weimar

1. Mai 2017 in Weimar

Am 1. Mai in Weimar rollte nicht nur die harte Währung auf dem Flohmarkt, wo die Händler auf über 300 Ständen ihre Waren vom Goetheplatz über die Wielandstraße, dem Theaterplatz bis in die Schillerstraße den zahlreichen Kunden anboten.

Es rollte auch das 27. Seifenkistenrennen, was sich hunderte Schaulustige nicht entgehen ließen, wie wagemutige Piloten mit 51 Seifenkisten, darunter 26 von Kindern gesteuert, die steile Leibnizallee beim„SpaceKidHeadCup“ herunter rasten.

Aber auch der DGB war präsent. Das Maifest begann mit einem kleinen Demozug durch den Flohmarkt zum Marktplatz, es spielte der Mellinger Spielmannszug. Das Front-transparent lautete zum 1. Mai 2017 „Wir sind viele. Wir sind eins“. Als einer der Transparent-Träger schaute ich den Händlern und Besuchern in die Gesichter und sah, dass nicht alle von unserem Auftritt begeistert waren. Auf den Marktplatz feierten der DGB, DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und andere gesellschaftliche Organisationen mit ihren Gästen gemeinsam den 1. Mai. Mehrere Hundert Menschen hatten die 1.Mai-Reden verfolgt und stellten fest, dass die Forderungen sehr ähnlich waren. Der DGB-Kreisvorsitzende Torsten Lerche forderte mehr soziale Gerechtigkeit, weniger unbezahlte Überstunden und mehr Geld für Mini-Jobber. Dem schlossen sich auch Matthias Altmann von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Carsten Meyer (Bündnis 90/Grüne), die Bundestagsabgeordneten Martina Renner (DIE LINKE) und Carsten Schneider (SPD) an.

Am Markt wurde auch die „Junge Welt“ verteilt und dort fand ich eine bemerkenswerte Tabelle über den gewerkschaftlichen Organisationsgrad in ausgewählten Ländern (in Prozent). Ich war schockiert über die Entwicklung in Deutschland, 1990 waren 31,2 Prozent der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert, aber 2013 nur 17,7 Prozent und ich frage mich, was ist los mit den Beschäftigten? Beim Infostand von „Attac-Weimar“ haben mir einige Besucher gesagt, Sie sind aus der Gewerkschaft ausgetreten, mit der Begründung, dass die Gewerkschaft nichts für Sie getan hat und die Funktionäre nur an sich denken. Meine Frage, wer denn für ihre Rechte kämpfen soll, wenn nicht Sie selbst, hat den Betroffenen nicht gefallen. Die Gewerkschafts-
funktionäre können doch ohne starke Gewerkschaft in den Firmen von außen nichts für die Belegschaft erreichen. Weiter sagten Sie mir, es ist sehr schwer sich für die Gewerkschaftsarbeit in der Firma zu engagieren, wenn die Geschäftsleitung dagegen ist. Aber es ist doch all bekannt, „wer kämpft kann verlieren, aber wer nicht kämpft hat schon verloren“.

Wer kann die Beschäftigten überzeugen für ihre Rechte zu kämpfen? Das kann nur eine starke Linke, aber so lange sich die verschiedene linken Parteien und Gruppierungen gegenseitig versuchen zu beweisen, wer der bessere Linke ist, wird sich in Deutschland nichts ändern.

Auch interessant